Elf Verletzte noch in Lebensgefahr: Zugunfall in New York löst neue Sicherheitsdebatte aus

Elf Verletzte noch in Lebensgefahr : Zugunfall in New York löst neue Sicherheitsdebatte aus

Die Ursache des Bahnunfalls mit vier Toten und mehr als 60 Verletzten in New York am Sonntag ist weiter unklar. Zeugen sagen aus, der Zug sei schneller als sonst gefahren. Das Unglück löst eine neue Debatte um Sicherheitssysteme aus, die Unfälle dieser Art verhindern könnten - doch die Bahnunternehmen sträuben sich aus Kostengründen dagegen.

Politiker und Behörden hielten sich mit Mutmaßungen zu möglichen Unfallursachen zurück; Experten verwiesen aber auch darauf, dass sich Bahnunternehmen im Kongress darum bemühen, die bis Ende 2015 geplante verbindliche Einführung einer GPS-gestützten Sicherheitstechnologie um fünf bis sieben Jahre zu verschieben.

Das entsprechende Gesetz wurde bereits 2008 verabschiedet. Das System "Positive Zugkontrolle" soll menschliche Fehler verhindern, die bei 40 Prozent der Zugunglücke ursächlich sind. Das mit Satelliten-, Funk- und Computertechnik arbeitende System soll überhöhte Geschwindigkeit ebenso verhindern wie Kollisionen, das Fahren in ein falsches Gleis durch eine falsch gestellte Weiche und das irrtümliche Einfahren in Gleisabschnitte, in denen Wartungsarbeiten stattfinden. Das System ist allerdings teuer und kompliziert.

Mehrere Fahrgäste des am Sonntagmorgen im New Yorker Stadtteil Bronx verunglückten Personenzugs sagten, der Zug sei schneller als sonst in eine Kurve eingefahren, in der lediglich 30 Meilen - 50 Kilometer pro Stunde - erlaubt sind. Der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo, der die Zahl der Opfer bekanntgab, hielt sich ebenso wie Feuerwehr und Bahnunternehmen mit Spekulationen über die Ursache zurück.

Cuomo sagte, an den Schienen scheine es keinen Fehler gegeben zu haben. Die Nationale Verkehrssicherheitsbehörde werde die genaue Ursache ermitteln. Der Vorsitzende der Metropolitan Transportation Authority (MTA), Thomas Prendergast, sagte, dabei werde der Zustand des Zuges, seine Geschwindigkeit, das Schienen- und Signalsystem sowie die Arbeit der zuständigen Bahnmitarbeiter geprüft. Nach MTA-Angaben wurde der Fahrtenschreiber des Zuges geborgen. Der Lokführer ist unter den Verletzten, sagte Cuomo. Er sollte noch am Sonntag befragt werden.

Laut Feuerwehr waren elf der Verletzten in kritischem Zustand. "An einem Werktag, voll besetzt, hätte es eine furchtbare Katastrophe werden können", sagte der New Yorker Feuerwehrchef Salvatore Joseph Cassano. Cuomo sagte, die entgleisten und umgestürzten Waggons sähen aus, "als ob eine Spielzeugeisenbahn von einer superstarken Kraft zerfetzt worden sei." Präsident Barack Obama sprach den Familien und Freunden der Opfer sein Beileid aus.

Der Nahverkehrszug war aus der Stadt Poughkeepsie nach Manhattan unterwegs. Gegen 7.20 Uhr (Ortszeit) sprangen rund 90 Meter nördlich des Bahnhofs Spuyten Duyvil in einer Kurve vier oder fünf der insgesamt sieben Waggons aus den Schienen. Sie blieben kurz vor einem Fluss liegen; das Wasser wurde deswegen von Tauchern nach möglichen Insassen abgesucht, die aus dem Zug geschleudert wurden. Drei der vier Toten wurden außerhalb des Zuges gefunden.

Bei einem Zugunglück in New Mexico kamen ebenfalls an diesem Wochenende drei Bahnmitarbeiter an Bord eines mit Eisen beladenen Güterzuges ums Leben, als dieser am Samstag entgleiste. Die Lokomotive stürzte rund 15 Meter tief in einen Abgrund, die Waggons sprangen danach ebenfalls aus den Schienen. Ein Sprecher der Bundeseisenbahnverwaltung FRA sagte, die Ermittlung der Unglücksursache könnte mehrere Wochen dauern.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schwerer Zugunfall in der Bronx

(ap)
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