Zuckerfest in Afghanistan: Attentäter tötet 21 Menschen

Zuckerfest in Afghanistan : Selbstmordattentäter tötet feiernde Taliban

Bei einem Selbstmordanschlag auf eine feiernde Menge aus Taliban, Sicherheitskräften und Zivilisten sind in Afghanistan am Samstag mindestens 21 Menschen getötet worden.

Weitere 41 Personen seien bei dem Anschlag am Samstag nahe Dschalalabad verletzt worden, sagte der Polizeichef der Provinz Nangarhar, Ghulam Sanaji Staniksai. Dutzende Taliban hätten dort zusammen mit Sicherheitskräften den von ihrer Führung verkündeten dreitägigen Waffenstillstand zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan gefeiert.

Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Allerdings gilt Nangarhar als Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat, die sich der Waffenruhe nicht angeschlossen hat. Der IS hatte sich in Afghanistan in der Vergangenheit auch Kämpfe mit den Taliban geliefert.

Wie in Nangarhar begingen in vielen Teilen Afghanistans Taliban und Sicherheitskräfte das Eid-al-Fitr-Fest zum Ende des Ramadan gemeinsam. Der Sprecher der Polizei in der Provinz Logar sagte der Nachrichtenagentur AP, man habe lediglich darauf bestanden, dass alle unbewaffnet sind. Einige Taliban seien auf Motorrädern mit afghanischen Fahnen durch die Provinzhauptstadt Pul-e-Alam gefahren.

Aus Kundus im Norden berichtete Doktor Abdul Madschhid, er habe knapp 2000 Taliban mit Familien und Freunden feiern sehen, einige auch mit Sicherheitskräften. "Wir haben das Gefühl, das diese Tage goldene Tage für uns sind. Es ist so friedlich", sagte Madschhid.

Der Vorsitzende des Rates der Provinz Baghlan, Asadullah Schabas, berichtete von Taliban, die zum Beten in die örtliche Moschee gekommen seien. "Wir alle sind einfach so kriegsmüde", sagte er.

Präsident Aschraf Ghani kündigte Stunden nach dem Anschlag in Nangarhar an, die von ihm verkündete Waffenruhe zu verlängern und rief die Taliban auf, das Gleiche zu tun. Sie könnten auch gefangene Kameraden besuchen und verletzte Kämpfer in afghanischen Krankenhäusern behandeln lassen. Zugleich wiederholte er sein Angebot, bei Verhandlungen könne über Alles gesprochen werden, auch über ausländische Streitkräfte im Land.

Um wie viele Tage er den Waffenstillstand verlängert, sagte Ghani nicht. Die Taliban reagierten zunächst nicht auf seinen Schritt. Ihr Chef Haibatullah Achundsada hatte in dieser Woche gesagt, er wolle erst mit den USA verhandeln, bevor er mit der afghanischen Regierung spreche.

(felt/ap)
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