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150 Jahre Lourdes: Wunder, Wasser und ein Papst

150 Jahre Lourdes : Wunder, Wasser und ein Papst

Lourdes (RPO). Die Name steht für mehr als nur Madonnas Tochter: Lourdes, das steht für Hoffnung, wundersame Heilungen und tiefen Glauben. Papst Benedikt XVI. wird am Samstag den Wallfahrtsort besuchen, an dem vor genau 150 Jahren die Mutter Gottes erschienen sein und dessen Quellwasser Wunder bewirken soll.

Lourdes ist nicht nur ein Wallfahrtsort - es ist auch ein Touristenabwicklungszentrum. Ein wenig wundert es, dass die heilige Quelle noch nicht versiegt ist, denn jährlich lockt das kleine Städtchen im Süden Frankreichs mehr als sechs Millionen Pilger an. Für das Jubiläumsjahr werden sogar acht Millionen erwartet. Und am Ende ihrer Reise gehen die nur selten allein: Im Gepäck haben sie 10 Millionen Liter heiliges Wasser - die Menge von nicht weniger als acht Olympiaschwimmbecken, die sie sich aus den installierten Wasserhähnen abfüllen. Dafür halten die Souvenirläden Behälter von der Größe eines Parfümfläschchens bis zum Zehn-Liter-Kanister bereit. Zehntausende lassen sich sogar darin eintauchen, um die Reinigung der Taufe aufzufrischen.

Auch wenn - das haben unabhängige Analysen ergeben - das Quellwasser der Grotte von Massabielle nicht besser ist als andere Gebirgsquellen, die es, in Flaschen abgefüllt, in jedem Supermarkt zu kaufen gibt. Ein pH-Wert von 7,95, sechs Milligramm Nitrate pro Liter, 15 Milligramm Sulfate, weniger als 0,05 Milligramm Eisen.

150-jährige Geschichte

Die Geschichte des Wallfahrtortes geht 150 Jahre zurück. Der Überlieferung zufolge soll der 14-jährigen Bernadette Soubirous in Lourdes die heilige Jungfrau Maria erschienen sein. Das Mädchen konnte weder lesen noch schreiben, als es am 11. Februar 1858 mit seiner jüngeren Schwester Toinette und der Freundin Jeanne zur Grotte Massabielle aufbrach, um im dortigen Wald Feuerholz zu sammeln. Plötzlich hörte sie einen Windstoß, aber die Bäume bewegten sich nicht. Und als sie aufblickte, sah sie über der Grotte eine ganz in Weiß gekleidete Frau.

Sie zeigte Bernadette eine bis dahin unbekannte Quelle an der Grotte, von der sie trinken und mit dessen Wasser sie sich waschen sollte. In der Überzeugung oder auch bloßen Hoffnung auf ihre reinigende und heilende Wirkung trinken bis heute Pilger von der Quelle. Das war allerdings nur die erste Marienerscheinung. Bis 16. Juli 1858 sollten noch 17 weitere folgen. Bernadette starb 1879 mit nur 35 Jahren. 1933 wurde sie heilig gesprochen.

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Wundersame Heilungen

Angeblich soll das Wasser der Quelle heilende Kräfte in sich bergen. Nur 67 Heilungen sind in 150 Jahren aber als Wunder von Lourdes anerkannt worden. Die Hürden sind sehr hoch: Nach den von Kardinal Prospero Lorenzo Lambertini, der spätere Papst Benedikt XIV., im 18. Jahrhundert aufgestellten Kriterien muss die Heilung einer schweren organischen und eindeutig diagnostizierten Krankheit — psychische Krankheiten werden nicht in Betracht gezogen — schlagartig eingetreten, vollkommen und endgültig sein. Aber selbst das reicht dem internationalen Ärzteausschuss von Lourdes und der Kirche noch nicht aus. "Spontanheilungen treten in der Medizin immer wieder auf", weiß Patrick Theillier, Leiter des medizinischen Büros der Diözese von Lourdes.

"Damit eine Heilung als Wunder eingestuft werden kann, muss auch eine innere Wandlung erkennbar sein. Die Seele muss betroffen sein." Kein leichter Weg für die Geheilten. Sie sind einem ähnlichen Misstrauen ausgesetzt wie Bernadette Soubirous, als niemand ihre Erzählungen von den Marienerscheinungen glauben wollte. Bei der Italienerin Anna Santaniello, deren Heilung von einem schweren Herzleiden und Gelenkrheumatismus 2005 als vorerst letztes Wunder von Lourdes anerkannt wurde, dauerte die Prüfung mehr als 50 Jahre. Bei dem Franzosen Jean-Pierre Bély, der an Multipler Sklerose litt, immerhin zwölf Jahre.

Lourdes ist jedoch nicht nur Anlaufstelle für Christen: Menschen unterschiedlichster Herkunft, Überzeugungen, Religionen und Hautfarben pilgern an den Ort. Denn mehr noch als ein katholischer Wallfahrtsort ist die Grotte von Massabielle in den vergangenen Jahren zu einem Ort der Spiritualität, der Suche nach dem einen Höheren geworden, das sich mit dem Verstand allein nicht fassen lässt. Sogar Popstars waren hier wie Sting und Madonna, Fußballer oder Staats- und Regierungschefs. Doch eines eint sie alle: Der Glaube an das Besondere des Ortes.

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