Internationale Studie Klimawandel führte 2022 zu Temperaturrekord in den Weltmeeren

Paris/Düsseldorf · Eine Studie eines internationalen Forscherteams hat die Temperatur der Meere in den letzten Jahren untersucht. Was die Folgen des Anstiegs für die Natur sind.

  Ein Eisberg, der vom Forschungschiff «Xue Long» aus fotografiert wurde, schwimmt im Südpolarmeer. Die Meere sind seit den 1950er Jahren immer wärmer geworden.

Ein Eisberg, der vom Forschungschiff «Xue Long» aus fotografiert wurde, schwimmt im Südpolarmeer. Die Meere sind seit den 1950er Jahren immer wärmer geworden.

Foto: dpa/Liu Shiping

Nicht nur an Land, sondern auch in den Weltmeeren verursacht der Klimawandel immer neue Temperaturrekorde. 2022 sei bei den Ozeanen das heißeste Jahr seit Beginn der Messungen gewesen, heißt es in einer Studie, die ein internationales Forscherteam am Mittwoch im Fachblatt „Advances in Atmospheric Sciences“ veröffentlichte. Wegen der Erderwärmung sei mit immer neuen Temperaturrekorden zu rechnen.

An der Untersuchung waren 24 Wissenschaftler von 16 Forschungsinstituten weltweit beteiligt. Die Studienautoren aus den USA, China, Italien und Neuseeland hoben hervor, dass die Meere rund 90 Prozent der überschüssigen Wärme absorbieren, die der Mensch mit dem Ausstoß von Treibhausgasen verursacht.

Temperatur im Meer seit 1950er Jahren stetig angestiegen

Durch den menschengemachten Klimawandel steigen die Temperaturen an der Meeresoberfläche, was wiederum das Wetter destabilisiert und zu einer Zunahme von Stürmen und anderen Wetterextremen führt. Im Meer selbst haben die anhaltenden Hitzewellen bereits verheerende Auswirkungen auf die dortige Tier- und Pflanzenwelt.

Im letzten Jahr habe die Wärme in den Weltmeeren den Durchschnittswert der vorherigen Jahre um etwa zehn Zettajoule (zehn hoch 21) übertroffen, schildern die Studienautoren. Das entspricht dem Hundertfachen der weltweiten Stromerzeung im Jahr 2021. Aufzeichnungen, die bis in die späten 50er Jahre zurückreichen, zeigen einen stetigen Anstieg der Meerestemperaturen. Seit etwa 1985 ist der Anstieg besonders deutlich.

Dem Meer gehe Sauerstoff verloren

Wissenschaftler haben bereits wiederholt gewarnt, dass die steigenden Temperaturen die Ozeane schneller aus dem Gleichgewicht brächten als zunächst angenommen. Der Klimawandel sorgt überdies für eine stärkere Versalzung der Meere. Beide Faktoren trügen zu einer Schichtenbildung in den Meeren bei. Zwischen diesen Schichten vermischt sich das Wasser nicht mehr, was wiederum den Austausch von Wärme, Sauerstoff und Kohlendioxid behindert.

Unter dem Strich gehe dem Meer dadurch Sauerstoff verloren, heißt es in der Studie. Dieser Verlust an Sauerstoff sei „ein Albtraum nicht nur für das Leben und die Ökosysteme im Meer, sondern auch für Menschen und unsere Ökosysteme an Land“, erklärten die beteiligten Forscher.

Folgen des Klimawandels bereiten Anlass zur Sorge

Am Dienstag hatte das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus seinen Jahresbericht vorgelegt, wonach im Jahr 2022 für ein Viertel der Menschheit das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen war. Neue Höchstwerte wurden demnach unter anderem in Westeuropa, China und Nahost gemessen. Die Auswirkungen des Klimawandels in Form von häufigeren und intensiveren Wetterextremen wie Dürren, Stürmen und Hochwasser geben weltweit Anlass zur Sorge.

(lst/AFP)
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