Tsunami-Alarm im Pazifik aufgehoben Wellen nach Erdbeben geringer als befürchtet
Washington · Eine Tsunami-Warnung nach einem schweren Erdbeben im Pazifik hat im US-Bundesstaat Hawaii vorübergehend Panik ausgelöst. Bewohner suchten am Samstagabend sicherheitshalber höher gelegene Gebiete oder Stockwerke auf, zahllose Autos verließen die Küstenregionen.
Hawaiianer bereiten sich auf Tsunami vor
Doch die Flutwellen erwiesen sich weniger groß als erwartet, die Behörden nahmen die Tsunami-Warnung Sonntagmorgen wieder zurück. Berichte über Schäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor. Eine Welle mit 57 Zentimetern wurde am späten Samstagabend (Ortszeit) von Kahului auf der Hawaii-Insel Maui gemessen. An anderen Stränden der Bucht Hilo (Insel Hawaii) erreichten die Wellen eine Höhe zwischen 16 und 43 Zentimeter.
Das Kanadische Institut für Meereswissenschaften hatte kurz nach dem Beben der Stärke 7,7 an den Stränden der Haida-Gwaii-Inseln, nahe dem Epizentrum, Wellen bis zu einer Höhe von 69 Zentimetern ermittelt. Einige Gebiete der vor allem von Ureinwohnern besiedelten Inseln wurden evakuiert. Berichte über Opfer oder auch größere Sachschäden gab es zunächst nicht. "Es sieht so aus, als seien sowohl die Auswirkungen als auch die Gefahren sehr gering geblieben", sagte Shirley Bond, die für den Notstand in der kanadischen Provinz British Columbia zuständige Ministerin, dem Sender CBC.
Evakuierungen auf Hawaii
Wie der Fernsehsender CNN in der Nacht zum Sonntag meldete, leiteten die Behörden auf Hawaii Evakuierungsmaßnahmen ein, "um Leben und Besitz zu schützen". "Überall auf der Insel tönen die Sirenen", berichtete eine Mitarbeiterin eines Hotels auf dem Urlaubseiland Maui der Nachrichtenagentur dpa. Der Tsunami wurde dort frühestens um 22:28 Ortszeit (09:28 Uhr MEZ) erwartet. Die Menschen wurden aufgefordert, sich aus niedrig gelegenen Küstenregionen in höher gelegene Gebiete in Sicherheit zu bringen.
Auf der Flucht vor der drohenden Tsunami-Welle haben Menschen in der hawaiianischen Hauptstadt Hololulu ein Verkehrschaos verursacht. Bürgermeister Peter Carlisle rief im US-Sender CNN alle Bürger der Inselkette auf, ihre Autos zu verlassen. "Wenn möglich, suchen Sie sich ein Gebäude und steigen in die höheren Stockwerke", appellierte Carlisle. Die Situation sei "sehr, sehr gefährlich." Rund 80.000 Menschen seien von der Evakuierungszone der Insel Oahu betroffen.
Erste Welle erreicht Kalifornien und Kanada
Weitere Wellen haben die US-Küste in Nord-Kalifornien und Süd-Oregon erreicht. Das Beben war in weiten Teilen von British Columbia zu spüren. "Alles hat sich bewegt. Es war verrückt", sagte eine Bewohnerin der Ortschaft Prince Rupert, Grainne Barthe. "Ich habe schon vorher Erdbeben gespürt, aber das war bisher das Stärkste." Wenige Minuten später folgte ein Nachbeben der Stärke 5,8.
Eine knapp 69 Zentimeter hohe Tsunami-Welle sei vor Langara Island im Nordosten der Queen Charlotte Islands gesichtet worden, sagte Dennis Sinnott vom Kanadischen Institut für Meereskunde. Auf den Inseln leben rund 5.000 Menschen, darunter viele Ureinwohner der Volksgruppe der Haida.
Das Erdbeben vom Samstag war in Kanada das stärkste seit dem 22.
August 1949 gewesen. Damals hatte sich nach Regierungsangaben ein Beben der Stärke 8,1 vor der Küste von British Columbia ereignet.
Tsunamifrühwarnsystem
Für Warnungen vor Flutwellen im Pazifischen Ozean ist seit 1968 das "Pacific Tsunami Warning Center (PTWC)" nahe Honolulu auf der Hawaii-Insel Oahu zuständig. Dem Frühwarnsystem sind 26 Insel- und Küstenstaaten angeschlossen. Es verfügt über ein Netz von Druck-Sensoren, die Erdstöße registrieren. Pegelmess-Bojen und Satelliten liefern zusätzlich Daten über Meeresbewegungen in wissenschaftliche Überwachungszentren.
In der Zentrale im US-Bundesstaat Hawaii werden die Daten ausgewertet. Computer berechnen Stärke und Ort des Bebens sowie die Richtung, in der sich die Erdschollen bewegen. Per E-Mail, Internet und SMS werden dann gegebenenfalls Warnungen an Behörden oder Privatpersonen verschickt. Viel Zeit zur Information bleibt aber selten: Tsunamis breiten sich mit bis zu 900 Kilometern pro Stunde aus.