Island: Weiterer Vulkanausbruch befürchtet

Island: Weiterer Vulkanausbruch befürchtet

Reykjavik (RPO). Der von kleineren Beben begleitete Vulkanausbruch auf Island lässt befürchten, dass in der Nähe eine noch stärkere Eruption bevorsteht. Wissenschaftler verweisen darauf, dass bisher auf einen Ausbruch des Eyjafjallajökull immer auch einer des benachbarten Katla folgte - die Frage ist nur, wie bald. Da der Katla unter dem massiven Myrdalsjökull-Gletscher liegt, könnte das explosive Eruptionen und schwere Überschwemmungen bedeuten.

Fast 200 Jahre lang hatte der Eyjafjallajökull geschlafen, bis er am Wochenende Asche und Lava spie; mindestens 500 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Die meisten konnten in ihre Häuser zurückkehren, doch die Behörden warten noch auf die Einschätzung von Experten, ob es sicher genug ist, um zu bleiben. Die Bewohner von 14 dem Ausbruch am nächsten gelegenen Bauernhöfen mussten sich weiter fernhalten, da die Erde noch grummelte und Lava und Dampfwolken ausgestoßen wurden.

Island liegt in einer Zone starker vulkanischer Aktivität; Ausbrüche sind in der Geschichte immer wieder verzeichnet. Sie vorherzusagen, ist so schwierig wie bei Erdbeben. Eine Eruption des Katla könnte katastrophale Folgen haben, und das nicht allein für Island.

"Hollywood-Szenarien, aber möglich"

Beim Ausbruch des Laki auf Island im Jahr 1783 traten Gase aus, die Smog bildeten. Der verbreitete sich mit den Luftströmungen in großer Höhe und beeinflusste das Wetter. Auf den britischen Inseln brachte das Gas vielen Menschen den Tod. In Westeuropa litt die Ernte, Menschen hungerten - manche stellen hier sogar einen Zusammenhang zur französischen Revolution her. Maler des 18. Jahrhunderts stellten in ihren Werken flammende Sonnenuntergänge dar. Auch in Nordamerika war der Winter 1784 einer der längsten und kältesten in den Aufzeichnungen. In New Orleans soll sogar der Mississippi zugefroren sein.

"Das sind Hollywood-Szenarien, aber möglich", erklärte der Geologe Colin Macpherson von der Universität Durham. "Wenn das Magma steigt, ist es ein bisschen so, als ob man den Korken einer Sektflasche entfernt." Die isländischen Vulkane sind insofern einzigartig, dass viele ohne große Vorwarnung unter Gletschern ausbrechen. Hier bewegen sich zwei Platten der Erdkruste langsam voneinander weg. Anders als etwa im Pazifik, wo zwei Platten einander überlappen, gibt es keine frühzeitige Warnung durch einen langsamen Magma-Anstieg.

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Der Beginn des Ausbruchs am Samstag sei so vage gewesen, dass Messinstrumente zunächst gar nicht reagiert hätten, berichtete der Geologe Magnus Tumi Gudmundsson von der Isländischen Universität. Viele der Erderschütterungen lagen unter der Stärke 2,6.

Flut und Felsen

Mit Wärmebildkameras und Radar konnte Gudmundsson bei einem Überflug des Eyjafjallajökull am Montag feststellen, dass die Lava in eine Schlucht und nicht auf die Gletscher zu fließt, was das Risiko von Überschwemmungen verringert. Die Experten beobachteten den Katla aber weiter, erklärte er.

Allgemein werde erwartet, dass sich nach dem Ausbruch der Spalt erweitere, sagte der Wissenschaftler Andy Russell von der Universität Newcastle. Der Spalt könnte sich möglicherweise Richtung Gletscher ausbreiten, was eine Eruption des Katla nach sich ziehen könne. "Die Geschichte zeigt, dass jedes Mal bei einem Ausbruch des Eyjafjallajökull auch der Katla ausgebrochen ist."

Dessen Eruptionen hätten in der Vergangenheit Fluten vom Ausmaß des Amazonas ausgelöst und hausgroße Felsen in Täler und auf Straßen stürzen lassen. Der letzte größere Ausbruch am Katla ereignete sich 1918, Überschwemmungen folgten binnen einer Stunde.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Aschesäulen nach Vulkanausbruch auf Island

(apn/felt)