Weihnachten 2018: Papst Franziskus ruft zu Frieden und Miteinander auf

Franziskus spendet Segen „Urbi et Orbi“ : Papst ruft in Weihnachtsbotschaft zu Frieden und Miteinander auf

Jedes Jahr spricht der Papst im Vatikan seine traditionelle Weihnachtsbotschaft. In diesem Jahr warb Franziskus vor Zehntausenden Gläubigen für ein friedvolles Zusammenleben zwischen Menschen unterschiedlicher Konfessionen, Hautfarben und Ideen.

Ohne Brüderlichkeit hätten alle Bemühungen um eine gerechtere Welt nur einen kurzen Atem, sagte Franziskus am Dienstag vor Zehntausenden Gläubigen, die sich bei strahlendem Sonnenschein auf dem Petersplatz in Rom versammelt hatten.

"Unsere Verschiedenheit schadet uns also nicht, sie bedeutet keine Gefahr; sie ist vielmehr ein Reichtum. Es ist wie bei einem Künstler, der ein Mosaik gestalten will: Es ist besser, Steine mit vielen Farben zur Verfügung zu haben, als nur mit wenigen Farben zu arbeiten."

Papst Franziskus rief konkret zu Frieden in Nahost und dem Jemen auf. Die internationale Gemeinschaft müsse an einer politischen Lösung für den Syrien-Konflikt arbeiten, so dass die vielen Flüchtlinge "nach den langen Jahren des Krieges" wieder "in Frieden in der eigenen Heimat leben" könnten, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Zugleich äußerte der Papst die Hoffnung, dass die Friedensgespräche zwischen Israelis und Palästinensern wieder aufgenommen würden. Angesichts des brüchigen Waffenstillstands im Jemen hoffe er, dass sich dieser verstetige und die zahlreichen Kinder und Erwachsenen von "Krieg und Hunger" erlöse.

In seiner Weihnachtsbotschaft ging der Papst auch auf Konflikte in Afrika ein, "wo Millionen Menschen auf der Flucht" seien, aber auch auf die Krisen in Venezuela und Nicaragua, wo "Spaltung und Zwietracht" überwunden werden müssten. Er rief außerdem dazu auf, den Weg der Annäherung auf der koreanischen Halbinsel fortzusetzen. Angesichts des Konflikts in der Ukraine erbat er "Erleichterung" und die Stärkung der "brüderlichen Bande".

Bereits seine Christmette hatte Papst Franziskus für einen Appell genutzt. Nächstenliebe müsse zu Weihnachten vornan stehen - statt Maßlosigkeit und Überfluss, sagte er am Montagabend.

Der Papst richtete sich am ersten Weihnachtsfeiertag von der Loggia des Petersdoms aus an die Gläubigen in aller Welt und spendete anschließend den feierlichen Papstsegen "Urbi et Orbi" ("Der Stadt und dem Erdkreis"). Er wird zu Ostern und zu Weihnachten erteilt.

Was steckt hinter "Urbi et Orbi"?

In dieser Formel kommt der weltumfassende Anspruch der katholischen Kirche zum Ausdruck. Sie geht auf die römische Antike zurück. Damals galt Rom als Inbegriff der Stadt (urbs) schlechthin und als Mittelpunkt des Erdkreises (orbis).

Mit dem Segen "Urbi et orbi" verbunden ist ein vollkommener Ablass. Er bezieht sich nach katholischer Lehre auf alle zeitlichen Sündenstrafen. Voraussetzung für seinen Erhalt ist, dass die jeweilige Schuld durch Beichte, Kommunionempfang und Gebete sowie Werke der Buße schon getilgt ist.

Segen und Ablass gelten seit 1985 auch für alle Gläubigen, die die Zeremonie am Fernseher verfolgen. Für Radiohörer ist dies schon seit 1967 der Fall. Lange Zeit waren mit dem "Urbi et orbi" auch Oster- beziehungsweise Weihnachtsgrüße des Papstes verbunden. Johannes Paul II. und Benedikt XVI. verlasen sie in mehr als 60 Sprachen. Franziskus verzichtet auf diesen Brauch.

Der Vatikan verwendet die Formel "Urbi et orbi" außerdem für bestimmte Dokumente, die weltweite Geltung beanspruchen. Weitere Anlässe für ihren Gebrauch sind Selig- und Heiligsprechungen, besondere Ablässe sowie der erste Segen, den ein Papst nach seiner Wahl spendet.

(hebu/AFP/dpa/AP/KNA)
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