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Marco W. erneut vor Gericht: Warten auf Charlottes Aussage

Marco W. erneut vor Gericht : Warten auf Charlottes Aussage

Hannover/Antalya (RPO). In Antalya wird der Prozess gegen den Schüler Marco aus Uelzen fortgesetzt. Im Mittelpunkt des sechsten Verhandlungstages soll die Aussage der jungen Engländerin Charlotte stehen, die Marco im April in einem Türkei-Urlaub sexuell missbraucht haben soll.

In ihrer Vernehmung durch die englische Polizei soll die 13-Jährige den Schüler der Vergewaltigung beschuldigt haben. Es ist aber noch nicht sicher, dass die auf Video aufgezeichnete Aussage dem Gericht bereits vorliegt.

Die Verteidiger von Marco verlangen, die 13-jährige Engländerin selbst befragen zu können. Es sei nicht ausgeschlossen, allerdings auch nicht wahrscheinlich, dass das Gericht bereits am sechsten Verhandlungstag ein Urteil spreche, sagte Marcos deutscher Rechtsanwalt Michael Nagel. Der Schüler sei darauf vorbereitet, das seine schon mehr als halbjährige Inhaftierung noch andauern könne.

Wie schnell Marco W. nach Deutschland zurückkehren kann, hängt zunächst davon ab, wie das Urteil des türkischen Gerichts ausfällt. Wenn er zu einer Haftstrafe verurteilt wird, käme eine Abschiebung nach dem europäischen Überstellungsabkommen in Frage. Wie ein Sprecher des Bundesjustizministeriums der AP erklärte, gibt es kein bilaterales Abkommen mit der Türkei.

Deutschland und die Türkei seien aber Vertragsstaaten des "Übereinkommens über die Überstellung verurteilter Personen" vom 21. März 1983. Darin haben sie sich verpflichtet, "weitestgehend zusammenzuarbeiten". Dem Staat, in dem das Urteil gefällt wurde, obliege es, zu entscheiden, ob er dem Ersuchen des Verurteilten zur Rückkehr in die Heimat nachkommt.

Dem 17-Jährigen wird vorgeworfen, in der Nacht vom 10. auf den 11. April gegen den Willen von Charlotte sexuellen Kontakt mit ihr gehabt zu haben. Der Schüler aus Uelzen erklärte, das Mädchen habe sich für 15-jährig ausgegeben und er habe mit ihr nur einvernehmlich Zärtlichkeiten ausgetauscht.

Hier geht es zur Infostrecke: Der Fall Marco W. - eine Chronik

(ap)