Frankreich: War Streit ums Geld Grund für Vierfach-Mord?

Frankreich : War Streit ums Geld Grund für Vierfach-Mord?

Dem schockierenden Vierfach-Mord in einer Urlaubsregion in Ostfrankreich liegt womöglich ein Familienstreit um Geld zugrunde.

Der ermittelnde Staatsanwalt Eric Maillaud sagte am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP, eines der Mordopfer, der erschossene Familienvater Saad al-Hilli, habe anscheinend Geldstreitigkeiten mit seinem Bruder gehabt. "Diese Information scheint seriös zu sein, sie stammt von der britischen Polizei." Der Bruder müsse nun "sehr lange" befragt werden.

Zugleich warnte Staatsanwalt Maillaud, voreilige Schlüsse zu ziehen. Es müsse die Frage gestellt werden, ob Geldstreitigkeiten tatsächlich Anlass für einen Vierfach-Mord sein könnten. Es werde daher jede Spur "akribisch" verfolgt. Nach Angaben aus französischen Polizeikreisen hat sich der Bruder des Mordopfers bei der britischen Polizei gemeldet und seine Unschuld beteuert.

Bei dem kaltblütigen Mord waren am Mittwochnachmittag auf einem Waldparkplatz in der Nähe von Annecy der 50 Jahre alte Saad al-Hilli, seine Frau, die Mutter der Frau und ein Fahrradfahrer, der vermutlich zufällig am Tatort vorbeifuhr, erschossen worden. Alle vier Opfer wurden durch Schüsse in den Kopf getötet. Das lässt auf einen Profikiller schließen, die Behörden wollten dies aber noch nicht bestätigen.

Wie durch ein Wunder überlebten die beiden kleinen Töchter des getöteten Paares, eine schwer-, die andere unverletzt. Die Opferfamilie ist irakischer Abstammung und lebte in Großbritannien, die Großmutter war schwedische Staatsbürgerin. Bevor die Identität der Opfer offiziell bestätigt wird, müssen noch DNA-Proben und Fingerabdrücke verglichen werden. Am Freitag werden die Leichen der Mordopfer obduziert.

Spekulationen um Erbstreit

Der "Independent" zitierte einen Freund der Familie aus dem Örtchen Claygate in der Grafschaft Surrey mit den Worten, die Familie sei "Hals über Kopf" in die Ferien gefahren. Er habe den 50 Jahre alten Iraker, eines der späteren Opfer, noch auf eine Tasse Kaffee treffen wollen und ihn deswegen angerufen. Am Telefon habe er ihm gesagt, dass er schon nicht mehr auf der Arbeit sei.

Der Iraker habe mit seiner Frau und den zwei Töchtern in einem Fachwerkhaus in Claygate gelebt. Er habe freiberuflich als Ingenieur für computergestütztes Konstruktionsdesign (CAD) gearbeitet. Nach BBC-Informationen war er unter anderem für Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrtbranche tätig. Seine Frau, eine Zahnärztin, habe er in Dubai kennengelernt.

Den Angaben des Freundes zufolge war der Iraker mit britischem Pass erst vor Kurzem in seiner alten Heimat, um Immobilien zurückzufordern, die seiner Familie vom Regime Saddam Husseins abgenommen worden war. Er selbst war bereits in den 1970er Jahren nach Großbritannien gekommen und hatte zunächst im Londoner Stadtteil Pimlico gelebt.

Britische Boulevardzeitungen berichteten, es habe in der Familie einen Erbschaftsstreit mit dem Bruder des getöteten Mannes gegeben. Die "Daily Mail" schrieb weiter, britische Geheimdienste seien eingeschaltet. Dort sei der Name des Mannes bereits bekannt - sowohl der Inlandsgeheimdienst MI5 als auch der Auslandsdienst MI6 hätten seit dem Golf-Krieg von 1991 Akten über den Mann.

Hier geht es zur Bilderstrecke: September 2012: Mehrfach-Mord in französischen Alpen

(AFP/dpa)