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Waldbrand in Gironde​: Frankreichs Paradies wird zur Feuerhölle​

Erneuter Waldbrand in Gironde : Frankreichs Paradies wird zur Feuerhölle

Im Südwesten des Landes wüten zum zweiten Mal innerhalb eines Monats heftige Waldbrände. 10.000 Menschen mussten sich in Sicherheit bringen. Noch wochenlang könnte der Albtraum andauern.

Die Gironde im Südwesten Frankreichs ist eigentlich eine paradiesische Urlaubsregion. Kilometerlange feine Sandstrände, duftende Pinienwälder, wilde Surf-Spots und idyllische Weinberge. Doch in diesem Sommer ist die Gironde kein Paradies, sondern eine Feuerhölle. Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats wird das Gebiet um Bordeaux von schweren Waldbränden heimgesucht. Innerhalb von 24 Stunden wurden am Mittwoch 6200 Hektar Jahrhunderte alter Pinien vernichtet. Jede Minute verbrannte eine Fläche, die zehn Fußballfeldern entspricht. 10.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Dabei dachten die Einwohnerinnen und Einwohner der Region, dass nach dem Feuer im Juli, das mehr als 15.000 Hektar zerstörte, der Albtraum vorbei sei. Aber die Glutnester, die im völlig ausgetrockneten Boden zurück geblieben waren, loderten weiter. „Das Feuer wurde nie gelöscht, sondern hat sich eingegraben“, sagte Präfekt Martin Guespereau am Mittwoch. Angefacht von Wind und der nach wie vor herrschenden Hitze verwandelten sich die „Zombie-Feuer“ wieder in lodernde Flammen, die sich dutzende Meter hoch durch den trockenen Wald fraßen. „Wir haben den Eindruck, dass wir einem Monster gegenüberstehen, das ein Hirn hat mit einem taktischen Verhalten, einer Strategie. Es geht dahin, wo wir es nicht erwarten“, bemerkte Guespereau. Noch wochenlang dürfte die gefährliche Glut im Unterholz weiter glühen, wo unter der Erde noch immer bis zu 150 Grad gemessen werden.

„Jeden Morgen fragen wir uns, wie der Wind steht und um 14 Uhr, wenn es am wärmsten ist, wissen wir, dass es apokalyptisch werden kann“, berichtete eine Krankenschwester der Zeitung „Le Parisien“. Für den Fall einer Evakuierung habe sie deshalb immer einen gepackten Koffer im Auto.

Regierungschefin Élisabeth Borne unterbrach am Donnerstag ihren Urlaub, um die betroffene Region zu besuchen. Die 61-Jährige sprach von „außergewöhnlich schweren Bränden“, die Frankreich seit Ende Juni heimsuchten. Acht Feuer müssen derzeit bekämpft werden - von der Bretagne im Westen bis zum Jura im Osten. Ein Effekt der schlimmsten Dürre, die das Land je erlebte. Seit Jahresanfang verbrannten 50.000 Hektar, sieben Mal mehr als sonst üblich.

Die Premierministerin wies Vorwürfe zurück, dass nicht genug zur Brandbekämpfung getan werde. Die Zahl der Spezialhubschrauber habe sich allein in der Gironde seit Juli von zwei auf neun erhöht. Griechenland und Schweden sollten außerdem weitere Flugzeuge schicken. Deutschland, Österreich, Rumänien und Polen hätten zudem Verstärkung für die Feuerwehr zugesagt. Die Stadt Bonn teilte mit, dass aus dem Rheinland und Niedersachsen 65 Feuerwehrleute sowie Helferinnen und Helfer der Johanniter Unfallhilfe und der Hilfsorganisation „@fire“ mit 20 Fahrzeugen unterwegs seien. Die französische Regierung hatte die EU am Dienstag um Hilfe gebeten, da die eigenen Feuerwehrleute seit Wochen im Dauereinsatz sind. Allein in der Gironde kämpfen derzeit 1100 „Pompiers“ gegen die Flammen.

  • Die Waldbrandgefahr nimmt zu.

⇥Foto: FSC/Wald
    Feuerwehr Rheurdt : Sommer, Sonne – Waldbrandgefahr
  • Ein Waldbrand in der Nähe von
    Feuerwehr Düsseldorf : Feuerwehrleute und Spezialfahrzeug auf dem Weg nach Frankreich
  • Auch Spezialfahrzeuge sind im Einsatz.

⇥RP-AF:
    Besonderer Ratinger Einsatz : Ratinger Spezialkräfte helfen in Frankreich

„Die Feuerwehrleute sind unsere Helden“, schrieb Emmanuel Macron im Kurznachrichtendienst Twitter. Der Präsident, der die Gironde Ende Juli besucht hatte, macht derzeit Urlaub in seiner Ferienresidenz Fort de Brégançon am Mittelmeer. Dort lässt er sich zwar regelmäßig über die Lage in den Brandgebieten informieren, gleichzeitig berichten Klatschblätter aber von Ausflügen mit dem Jetski, was für heftige Kritik bei den Grünen sorgt.

In der Gironde soll nun geprüft werden, ob hinter dem erneuten Ausbruch des Feuers Brandstiftung steckt. Die „Brutalität“, mit der die Flammen wieder hochgekommen seien, lasse an eine kriminelle Tat denken, sagte Borne. Im südfranzösischen Hérault hatte ein freiwilliger Feuerwehrmann zugegeben, vier Brände selbst gelegt zu haben. „Ich brauche es, das Feuer zu sehen“, sagte er nach seiner Festnahme aus.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Dramatische Bilder aus der Feuerhölle