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Waldbrände in Griechenland - Touristin aus Wuppertal entkommt

Wuppertalerin entkommt Waldbrand in Griechenland : „Anfangs war das die pure Panik“

Mindestens 50 Tote bei Waldbränden in Griechenland

Schwere Waldbrände nahe der griechischen Hauptstadt Athen haben Dutzenden Menschen das Leben gekostet. Retten konnte sich die 21-jährige Alina Marzin aus Wuppertal mit ihrer Familie. Wir haben mit ihr gesprochen.

Dutzende Tote und Hunderte Verletzte: Griechenland erlebt derzeit die schlimmsten Waldbrände seit einem Jahrzehnt. Allein in einem Anwesen im kleinen Badeort Mati in der Nähe von Athen sind 26 Menschen in den Flammen ums Leben gekommen. Im selben Ort war zur Zeit des Feuers Alina Marzin, 21 Jahre, aus Wuppertal für einen Badeurlaub in einem Hotel einquartiert. Im Interview erzählt sie, wie sie mit ihrer Familie die Feuernacht überlebt hat.

Wann haben Sie das erste Mal mitbekommen, dass etwas nicht stimmt?

Alina Marzin Am Montagnachmittag gegen 15 Uhr. Wir wollten eigentlich mit dem Bus einen Ausflug zur Akropolis in Athen machen. Dieser hatte aber Verspätung. Zur gleichen Zeit haben wir immer mehr Rauch bemerkt, auch Asche fiel später vom Himmel. Wir hatten zu dem Zeitpunkt schon mitbekommen, dass es ein Feuer in Kineta westlich von Athen gab, deshalb haben wir erstmal gedacht, dass der Rauch damit etwas zu tun hat.

Und dann kamen die Flammen doch näher?

Marzin Ja, plötzlich haben wir eine riesige Feuerwand gesehen. Wir haben alles stehen und liegen gelassen, nur unsere Personalausweise und etwas Geld mitgenommen und mit den anderen Gästen in der Hotellobby gewartet. Dort hatten wir Angst, dass die Scheibe zerspringt - die gesamte Hotellobby war aus Glas. Draußen sah es wirklich schlimm aus. Man konnte die Hand nicht mehr vor den Augen sehen. Dazu regnete es glühende Asche vom Himmel, wie nach einem Vulkanausbruch.

Was wäre passiert, wenn Sie doch mit dem Bus nach Athen gefahren wären?

Marzin Wir hätten vermutlich keine Chance gehabt. Das Feuer kam viel zu schnell auf das Hotel zu. Im Bus hätten wir das möglicherweise nicht überlebt. Ohnehin hatten wir aber Glück im Unglück. Wir waren zwar im Hotel gefangen, uns ist aber nichts passiert. Trotzdem mussten wir die ganze Nacht dort verbringen. Erst gegen 1.30 Uhr in der Nacht hat es sich etwas beruhigt und gelichtet.

Wie ging es dann weiter?

Marzin Wir haben das Hotel verlassen und sind zum Hafen gelaufen. Dort haben wir bis kurz nach 4 Uhr gewartet, dann sind die Rettungsboote gekommen. Die haben uns dann nach Rafina gebracht, dort sind wir am Morgen in einer Sporthalle untergekommen, die als Notunterkunft hergerichtet wurde.

Wie war die Stimmung bei Ihnen und unter den anderen Gästen?

Marzin Anfangs war das die pure Panik. Meine Mutter und ich haben nur geweint. Das war unglaublich bedrohlich, diese Feuerwand auf uns zukommen zu sehen. Den anderen Gästen ging es aber nicht anders. Besonders viele junge Menschen waren sehr hysterisch. Das war eine sehr schwierige Situation.

Wie hat das Personal reagiert?

Marzin Die Hotelbesitzer haben alles getan, um zu helfen und uns ein gutes Gefühl zu vermitteln. Sie waren überhaupt nicht hysterisch. Einer der Besitzer hat sogar vor dem Hotel noch alle Flächen nass gemacht, um das Feuer abzuhalten. Später hat dann auch mein Vater noch geholfen zu löschen.

Alina Marzin (ganz rechts) mit ihrer Familie. Foto: Alina Marzin

Wie geht es jetzt für Sie weiter?

Marzin Wir hatten eigentlich ohnehin geplant, an diesem Dienstag mit der Fähre nach Naxos zu fahren, um dort noch zwei Wochen Badeurlaub zu verbringen. Die Situation ist aber zu schlimm für uns. Bei den Bränden sind viele Menschen gestorben. Wir haben deshalb für heute Abend einen Flug zurück nach Hause gebucht. Die Lust auf Urlaub ist uns vergangen.