Vulkan-Ausbruch Neuseeland: Hubschrauber-Pilot schildert Einsatz auf White Island

Retter bei Vulkan-Katastrophe in Neuseeland : „Die Verbrennungen der Opfer waren schrecklich“

Auch Tage nach dem plötzlichen Vulkan-Ausbruch auf der neuseeländischen Insel White Island ist nicht klar, wie viele Menschen das Unglück überlebt haben. Jetzt hat ein Ersthelfer die dramatischen Eindrücke kurz nach der Katastrophe geschildert.

Rettungsteams können die Leichen der Todesopfer wegen der gefährlichen Bedingungen vor Ort weiterhin nicht bergen. Die Insel könne noch nicht betreten werden, sagte Polizeiminister Stuart Nash am Mittwoch. „Es wäre Wahnsinn, Männer und Frauen nach White Island zu schicken, wenn es dort nicht sicher für sie ist.“

Aus dem Vulkankrater treten weiterhin giftige Gase aus, die ganze Insel ist mit einer dicken Schicht säurehaltiger Asche bedeckt. Laut Seismologen liegt die Gefahr für einen weiteren Ausbruch zudem bei rund 50 Prozent.

Am Montag war der Vulkan ausgebrochen, mindestens 13 Touristen kamen dabei ums Leben, weitere werden vermisst. Zahlreiche Menschen wurden verletzt, darunter auch vier Deutsche.

Wie gefährlich die Rettungsarbeiten sind, beschrieb ein Hubschrauberpilot jetzt gegenüber dem britischen „Guardian“. Mark Law bietet Flüge nach White Island an und flog mit seinem Hubschrauber auf die Insel, um die Menschen zu retten. „Wir fanden Menschen tot, sterbend und lebendig in verschiedenen Zuständen der Bewusstlosigkeit“, berichtet Law.

Er lud mit seinem Team einige Opfer in seinen Hubschrauber und flog sie auf das Festland. Andere Helfer seien auf dem Festland geblieben, ein Einsatz vor Ort sei zu gefährlich gewesen. „Wir haben gehört, dass sie nicht auf die Insel kommen", sagt Law. „Es ist ihre Entscheidung. Ich war nicht daran beteiligt. Wir haben uns nur um unsere eigenen Angelegenheiten gekümmert.“

Für Law gab es keine Zweifel, als er von der Tragödie hörte: Er wollte auf die Insel fliegen und helfen. „Ich dachte, das sieht nicht gut aus und ich habe mit einem meiner Piloten gesprochen“, erzählt er. „Wir haben PJ's (White Island Tours, eine Firma, die Touristenboote betreibt) und einen anderen Fischerfreund angerufen. Sie sagten, es habe ein großes Ereignis gegeben. Wir beschlossen, uns auf den Weg zu machen.“

Auf der Insel angekommen flog Law mit dem Helikopter in den Krater des Vulkans. „Bis auf 60 Meter“, erzählt er: „Wir konnten die Menschen aus der Luft sehr gut sehen. Sie lagen am Boden oder hatten Arme und Beine weit von sich gestreckt. Wir suchten nach einem Ort, an dem wir landen konnten.“ Also landeten die Piloten in der Mitte der Insel. „Wir gingen umher und kümmerten uns um Menschen, die in großer Not waren. Wir wollten sie beruhigen“, berichtet Law.

„Die Verbrennungen der Opfer waren schrecklich“, sagt er weiter. „Viele der Leute konnten nicht reden. Es war ziemlich ruhig. Die einzigen wirklichen Worte waren Dinge wie 'Hilfe'. Sie waren mit Asche und Staub bedeckt. Wir haben sie hochgehoben und die Haut hat sich unter unseren Händen abgelöst."

Gut eine Stunde dauerte ihr erster Einsatz auf White Island. Dann flogen Law und seine Kollegen zurück nach Whakatāne, mit den Verletzten an Bord.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mehrere Tote nach Vulkan-Ausbruch in Neuseeland

(mja)