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Jüdische Gemeinde in Rom unzufrieden: Vorschlag: Priebke in Deutschland beisetzen

Jüdische Gemeinde in Rom unzufrieden : Vorschlag: Priebke in Deutschland beisetzen

Bis zuletzt zeigte der NS-Kriegsverbrecher Priebke keine Reue. Jetzt wehren sich Menschen in Rom gegen eine Beisetzung. Stattdessen sollen die sterblichen Überreste in Deutschland beigesetzt werden.

Nach dem Tod des NS-Kriegsverbrechers Erich Priebke wächst in Italien der Widerstand gegen eine Trauerfeier sowie eine Beisetzung im eigenen Land. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Rom, Riccardo Pacifici, schlug am Sonntag eine Überführung der sterblichen Überreste nach Deutschland vor. Sie sollten dann in Priebkes Geburtsort Hennigsdorf (Brandenburg) beigesetzt werden.

"Es gibt nur eine Lösung. Nach aller Logik sollte er in das Land zurückkehren, in dem er geboren wurde. Und das ist Deutschland. Er sollte dann in seinem Geburtsort beigesetzt werden", sagte Pacifici der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Der frühere SS-Offizier war am Freitag im Alter von 100 Jahren in Rom gestorben. Argentinien lehnte bereits eine Beisetzung n Priebkes langjährigem Wohnort Bariloche ab.

Priebkes Anwalt Paolo Giachini pries dagegen "den Mut, die Konsequenz und dieLoyalität" seines ehemaligen Mandanten. Er kündigte am Samstag an, eine Trauerfeier werde voraussichtlich am Dienstag in einer Kirche im Zentrum Roms stattfinden Sein ehemaliger Mandant werde danach in Rom beigesetzt.

Feierliche Zeremonie verboten

Daraufhin teilte der Chef der römischen Polizei, Fulvio della Rocca, mit, er werde jede Form einer öffentlichen und feierlichen Zeremonie verbieten. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa zitierte die Diözese von Rom, wonach es keinerlei Pläne für einen Trauergottesdienst in irgendeiner römischen Kirche gebe.

Roms Bürgermeister Ignazio Marino schloss eine öffentliche Zeremonie, "für jemanden, dieser Stadt soviel Schmerz bereitet hat", ebenfalls aus. Für Priebke werde es wahrscheinlich einen Trauergottesdienst in privatem Rahmen in seiner langjährigen Kirche im westlichen Stadtteil Aurelio geben. Marino will nach eigenen Worten jetzt prüfen, ob er eine Beisetzung in Rom per Gesetz verhindern kann. Mitglieder der Jüdischen Gemeinde in Rom befürchten, dass Priebkes Grab zu einer Pilgerstätte für Neonazis werden könnte.

Zuvor hatte Argentinien eine Beisetzung in Priebkes langjährigem Wohnort Bariloche abgelehnt. Außenminister Héctor Timerman habe angeordnet, keinen Antrag zur Überführung des Leichnams nach Argentinien anzunehmen, teilte das Ministerium am Freitagabend (Ortszeit) im Kurzmitteilungsdienst Twitter mit. "Die Argentinier akzeptieren einen derartigen Affront nicht", heißt es.

Priebke lebte in Rom unter Hausarrest. Er war im März 1944 an Erschießungen von 335 Zivilisten in der Nähe von Rom beteiligt. Die Hinrichtungen waren eines der schwersten Nazi-Massaker während des Zweiten Weltkriegs in Italien. Unter den Opfern waren 75 Juden.

Nach seiner Kriegsgefangenschaft floh Priebke mit einem falschen Pass nach Argentinien. Er wurde 1995 ausgeliefert. Für seine Beteiligung an dem Massaker wurde Priebke erst 1998 zu lebenslanger Haft verurteilt. Diese wurde wegen seines hohen Alters in einen zeitweise gelockerten Hausarrest umgewandelt.

Der ehemalige SS-Offizier blieb der Nazi-Ideologie bis zuletzt treu. In einer Erklärung, die Anwalt Giachini nach dem Tod von Priebke veröffentlichte, heißt es: Gaskammern sei nie in (NS-)
Konzentrationslagern gefunden worden.

(dpa)