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Vermisster Rucksacktourist kehrt nach einem Jahr in Ägypten nach Paris zurück​

Viele ungeklärte Fragen : Vermisster Rucksacktourist kehrt nach einem Jahr in Ägypten nach Paris zurück

Die verzweifelte Familie von Yann Bourdon hatte einen Staatsbesuch des ägyptischen Präsidenten in Frankreich genutzt, um sein Verschwinden öffentlich zu machen. Nun ist der 27-Jährige zurückgekehrt - und viele Fragen bleiben unbeantwortet.

Nach seinem Verschwinden in Ägypten vor einem Jahr ist ein französischer Reisender wieder sicher nach Paris zurückgekehrt. Das teilte ein Anwalt der Familie des 27-Jährigen am Dienstag mit. Es war zunächst unklar, was innerhalb des Jahres mit Yann Bourdon geschah, der als Rucksacktourist durch das Land gereist war und dessen Familie spekuliert hatte, dass ihn ägyptische Sicherheitsdienste festgenommen haben könnten. Der Student der Sorbonne selbst lehnte es ab, sein Verschwinden mit Medien zu diskutieren oder Details zu seiner Rückkehr mitzuteilen.

Sarah Sakouti, Rechtsberaterin bei der Menschenrechtsorganisation Committee for Justice (CFJ) mit Sitz in Genf, die Druck auf die ägyptischen und französischen Behörden gemacht hatte, in dem Fall zu ermitteln, sagte, Bourdon sei am 10. August von Kairo nach Paris geflogen. Am Vortag rief er nach Sakoutis Angaben seine Schwester in Paris vom französischen Konsulat in der ägyptischen Hauptstadt aus an. Am selben Tag erklärten die staatlichen Sicherheitsdienste in dem Land, sie würden Bourdons Rückkehr nach Paris ermöglichen. Davor hatten die Familie und Freunde Bourdons zuletzt im August 2021 von ihm gehört.

Nach Monaten ohne Nachricht durch die ägyptischen Behörden hatte sich Bourdons verzweifelte Familie entschieden, an die Öffentlichkeit zu gehen. Einen Besuch des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi in Paris am 22. Juli nutzte sie, um sich für eine Untersuchung starkzumachen. Vor dem Vorbeifahren eines Konvois, der Al-Sisi zu einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron brachte, postierte sich die Familie auf einem Bürgersteig in der französischen Hauptstadt mit Plakaten, auf denen sie die Frage stellte: „Wo ist Yann Bourdon, Präsident Al-Sisi?“

Internationale Menschenrechtsgruppen haben in den vergangenen Jahren eine wachsende Zahl von Fällen erzwungenen Verschwindens in Ägypten dokumentiert. Schon beim Volksaufstand, der 2011 zum Sturz des Langzeit-Machthabers Husni Mubarak geführt hatte, war eine der Forderungen ein Ende der Polizeigewalt und willkürlichen Praktiken der Sicherheitskräfte.

Seit Al-Sisi im Jahr 2014 an die Macht kam, wurden die meisten der nach dem Aufstand 2011 gewonnenen Freiheiten zurückgenommen. Die Regierung geht mit harter Hand gegen Dissidenten vor. Tausende Menschen wurden eingesperrt - viele von ihnen ohne Verfahren. Bei der Mehrheit der Eingesperrten handelt es sich um ägyptische Bürger.

(boot/dpa)