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Van den Bleeken: Doch keine Sterbehilfe für belgischen Sextäter

Belgischer Sexualstraftäter : Bleeken bekommt überraschend doch keine Sterbehilfe

Frank Van Den Bleeken bekommt doch keine Sterbehilfe. Stattdessen wird der belgische Sexualstraftäter aus dem Gefängnis in Brügge in ein psychiatrisches Behandlungszentrum verlegt, wie Belgiens Justizminister Koen Geens am Dienstag überraschend in Brüssel mitteilte.

Zuvor hatte es heftige Diskussionen über die für Sonntag erwartete aktive Sterbehilfe gegeben, die Van Den Bleeken selbst beantragt hatte. Justizminister Geens erklärte, die behandelnden Ärzte hätten die Prozedur zur Sterbehilfe nicht weiter verfolgt. In Belgien entscheiden der Patient und die Mediziner, nicht die Behörden, über den Schritt. "Die persönlichen Motive dieser Entscheidung fallen unter das Arztgeheimnis."

Van Den Bleeken soll zunächst in eine kürzlich eröffnete psychiatrische Einrichtung im belgischen Gent verlegt werden, wie Geens weiter mitteilte. Zugleich gebe es nach Absprache mit den Niederlanden eine "klare Perspektive" für eine Verlegung in ein medizinisches Zentrum in den Niederlanden, das auf Langzeitaufenthalte spezialisiert ist.

Van Den Bleeken sitzt seit mehr als 25 Jahren wegen Mordes und Vergewaltigung im Gefängnis. Er gilt als krank. Der Patient forderte seit Jahren staatliche Hilfe, um sein Leben zu beenden, da er in Haft "unerträgliche psychische Qualen" erfahre. Eine Behandlung in einer niederländischen Spezialklinik hatten die Behörden zunächst abgelehnt. An dem Fall entbrannte daher eine Diskussion über die Unterbringung psychisch kranker Täter. Justizminister Geens kündigte am Dienstag an, im nächsten halben Jahr hierzu einen Reformplan zu erarbeiten, um die Unterbringung zu verbessern.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßte die Entwicklung in dem Fall. "Ich glaube, dass der öffentliche Druck Van Den Bleeken das Leben gerettet hat", sagte der Stiftungs-Vorsitzende, Eugen Brysch, zu AFP. An dem Fall werde sichtbar, dass Sterbehilfe "nicht immer ein Akt der Selbstbestimmung" sei, sondern auch vom Angebot an Betreuung ahänge. Daher habe der Fall auch Folgen für die Diskussion über Sterbehilfe in Deutschland, sagte Brysch: "Wir müssen die Begleitung und Hilfe für Schwerstkranke ausbauen - und nicht ihr Töten."

Belgien hatte als zweites Land nach den Niederlanden 2002 das Recht auf Sterbehilfe eingeführt. Allein im Jahr 2013 nahmen 1807 Menschen diese Möglichkeit offiziell in Anspruch. Bedingung dafür ist, dass der Patient "freiwillig, bewusst und wiederholt" den Wunsch dazu geäußert hat. Seit vergangenem Jahr gibt es die Möglichkeit der Sterbehilfe auch für Kinder.

(AFP)