„Mein Sohn wurde wie ein Hund behandelt“ Elf Minuten lang zu Boden gedrückt – 28-Jähriger stirbt in Psychiatrie

Dinwiddie County · Erneut stirbt in den USA ein Schwarzer offenbar durch Polizeigewalt – in einer psychiatrischen Klinik. Sieben Polizisten sollen ihn gefesselt elf Minuten lang zu Boden gedrückt haben.

 Caroline Ouko, Mutter von Irvo Otieno, hält ein Porträt ihres Sohnes mit dem Anwalt Ben Crump (l), ihrem älteren Sohn Leon Ochieng und dem Anwalt Mark Krudys am Dinwiddie Courthouse.

Caroline Ouko, Mutter von Irvo Otieno, hält ein Porträt ihres Sohnes mit dem Anwalt Ben Crump (l), ihrem älteren Sohn Leon Ochieng und dem Anwalt Mark Krudys am Dinwiddie Courthouse.

Foto: dpa/Daniel Sangjib Min

Anderthalb Wochen nach dem brutalen Tod eines 28-jährigen Schwarzen in einer psychiatrischen Klinik im US-Bundesstaat Virginia haben seine Angehörigen schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. „Mein Sohn wurde wie ein Hund behandelt, schlimmer als ein Hund“, zitierten US-Medien am Donnerstag (Ortszeit) die Mutter des Opfers, Caroline Ouko. „Mein Sohn wurde gefoltert.“ Zuvor hatte sie sich mit weiteren Familienangehörigen ein Überwachungsvideo angesehen, das nach Angaben der Staatsanwaltschaft zeigt, wie Polizeibeamte Irvo Otieno ersticken. Das Video wurde nicht für die Öffentlichkeit freigegeben.

Otieno war am 6. März in einer staatlichen Psychiatrie-Einrichtung während des Aufnahmeprozesses gestorben, nachdem er aus einem Gefängnis dorthin verlegt worden war, wie die Staatsanwältin Ann Cabell Baskervill mitteilte. Otieno habe Hand- und Fußfesseln getragen und sei von den sieben Polizisten elf Minuten am Boden gehalten worden. „Er starb an Erstickung, weil er erdrückt wurde.“ Baskervill sagte laut CNN, das Überwachungsvideo sei „extrem klar“ und „extrem alarmierend“. Die Polizisten und drei Krankenhaus-Mitarbeiter seien wegen Totschlags angeklagt.

Bürgerrechtsanwalt Ben Crump, der bereits die Familie des bei einem Polizeieinsatz getöteten Afroamerikaners George Floyd rechtlich unterstützt hatte, sagte laut CNN, das Video zeige, wie unmenschlich Strafverfolgungsbeamte Menschen, die eine psychische Krise hätten, behandelten: Als Kriminelle anstatt als Menschen, die Hilfe brauchten. Otieno habe keine Bedrohung dargestellt. „Er ist ihnen gegenüber nicht gewalttätig oder aggressiv.“ Man könne sehen, wie er bewusstlos zu sein scheine, aber dennoch „brutal mit einem Knie an seinem Hals“, fixiert werde.

Crump verglich die Szenen im Video mit dem Tod von George Floyd, der im Mai 2020 von Polizeibeamten in Minneapolis mit Handschellen gefesselt, auf den Boden gedrückt und festgehalten wurde. Zwei Anwälte von Otienos Familie forderten laut „Washington Post“ das Justizministerium auf, den Vorfall zu untersuchen.

Otienos Mutter Ouko sagte, ihr Sohn, der Hip-Hop-Musiker habe werden wollen, sei psychisch krank gewesen. Er habe auch psychische Probleme gehabt, als er am 3. März in Gewahrsam genommen worden sei - wegen eines mutmaßlichen Einbruchs. Drei Tag später sei er in die Klinik eingeliefert worden. Dort sei er Polizeiangaben zufolge „kämpferisch“ geworden und sei zurückgehalten worden.

In den USA kommt es regelmäßig zu tödlichen Polizeieinsätzen ähnlicher Art. Stellvertretend steht dafür der Fall von George Floyd: Im Mai 2020 war der Afroamerikaner bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis ums Leben gekommen. Der Fall führte damals zu landesweiten Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus. Seitdem gibt es immer wieder Bestürzung über ähnliche Fälle.

(boot/dpa)
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