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USA: Hinrichtungen 2020 auf dem niedrigsten Stand seit 29 Jahren

Trump drängt auf Vollstreckung : Wenige Hinrichtungen 2020 in den USA

Weniger als 20 Häftlinge wurden in diesem Jahr in den USA hingerichtet. Die Zahl hätte noch geringer sein können - wäre da nicht der scheidende US-Präsident.

Die Zahl der Hinrichtungen in den USA hat 2020 den niedrigsten Stand seit 29 Jahren erreicht. Einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des Informationszentrums für die Todesstrafe (DPIC) zufolge wurden in diesem Jahr 17 Häftlinge hingerichtet. Zuletzt wurde diese Zahl 1991 unterschritten, als in den USA binnen eines Jahres 14 Hinrichtungen stattfanden.

Die Organisation sprach von einer "Langzeit-Entwicklung". Dazu beigetragen hätten unter anderem die Abschaffung der Todesstrafe im Bundesstaat Colorado, die Ernennung mehrerer Gegner der Todesstrafe zu Bundesanwälten sowie die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Die Anstrengungen der Regierung des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump, kurz vor dem Ende seiner Amtszeit noch möglichst viele Hinrichtungen vollstrecken zu lassen, habe die Zahl maßgeblich erhöht. Erstmals in der Geschichte der USA hätten die Bundesbehörden mehr Vollstreckungen angeordnet als alle US-Bundesstaaten zusammen.

Die Trump-Regierung hatte mit der Tötung des früheren Rechtsextremisten Daniel Lewis Lee im Juli nach 17 Jahren die Hinrichtung auf Bundesebene wieder aufgenommen. Seitdem wurden neun weitere Todeskandidaten hingerichtet, zuletzt in der vergangenen Woche der 2004 für den Mord an seiner zweijährigen Tochter verurteilte Alfred Bourgeois.

Trumps Regierung plant bis zur Vereidigung des neuen demokratischen US-Präsidenten Joe Biden am 20. Januar noch weitere Hinrichtungen. Lisa Montgomery könnte im Januar als erste Frau seit 67 Jahren von US-Bundesbehörden hingerichtet werden.

Trump bricht mit den Hinrichtungen nach seiner Wahlniederlage Anfang November mit einer US-Tradition. In den vergangenen 131 Jahren war es in den USA Usus, dass scheidende US-Präsidenten keine Hinrichtungen mehr vollstrecken lassen.

(june/AFP)