USA erwarten Rekord-Frost: Gefühlte Kälte bis zu minus 49 Grad

Gefühlt bis minus 52 Grad : Rekord-Frost in den USA – Erfrierungen innerhalb von zehn Minuten drohen

Weite Teile der USA stehen vor einer gefährlichen Kältewelle. Einige Bundesstaaten riefen wegen der „brutalen“ Temperaturen bereits den Katastrophenfall aus, über 2700 Flüge fallen aus. „Tiefe Atemzüge vermeiden“, rät der Wetterdienst.

Der Mittlere Westen der USA wird von einer Kältewelle mit Südpol-Temperaturen erfasst. Der Nationale Wetterdienst (NWS) warnte am Mittwoch vor "lebensbedrohlichen" Bedingungen. CNN-Meteorologe Dave Hennen sagte, Chicago werde "das Epizentrum der extremen Kälte" sein.

Die Menschen in der Millionenmetropole im Bundesstaat Illinois müssten sich am Donnerstag auf Temperaturen von minus 33 Grad Celsius einstellen - das sei kälter als in Teilen der Antarktis. CNN berichtete, schon am Mittwoch seien die Temperaturen in der Region auf unter minus 17 Grad Celsius gefallen.

Am Dienstag und Mittwoch wurden demnach mehr als 2700 Flüge gestrichen. Das Bahnunternehmen Amtrak sagte am Mittwoch alle Zugverbindungen von und nach Chicago ab. In mehreren Bundesstaaten werde keine Post zugestellt, hieß es. Eine ähnliche Eiseskälte von minus 17 Grad und darunter würden bis Montag 83 Millionen Amerikaner oder 25 Prozent der Bevölkerung erfahren.

Der NWS warnte vor Erfrierungen auf ungeschützter Haut innerhalb von Minuten. Verantwortlich für diese "arktische Kälte" ist der sogenannte Polarwirbel - ein Band kalter Westwinde, das normalerweise über dem Nordpol kreist. Wird der Wirbel geschwächt, kann die Luft in niedrigere Breiten entweichen. Zum Mittleren Westen der USA werden Illinois, Indiana, Iowa, Kansas, Michigan, Minnesota, Missouri, Nebraska, North Dakota, Ohio, South Dakota und Wisconsin gezählt.

Angesichts des brutalen Frosts müssen selbst die wettergeprüften Zusteller des US-Postdienstes vielerorts kapitulieren. Der USPS teilte mit, der Dienst werde in Iowa, Minnesota sowie in Teilen Wisconsins und Illinois' eingestellt. In vielen Bundesstaaten bleiben zudem Schulen und manche Universitäten geschlossen.

Mindestens zwei Todesfälle wurden der extremen Kälte zugeschrieben: In Milwaukee wurde am Dienstag ein 55-Jähriger tot aufgefunden, der zuvor vor seiner Garage Schnee weggeschaufelt hatte, wie CNN berichtete. In Rochester (US-Bundesstaat Minnesota) sei am Sonntag ein 22-Jähriger gestorben. Der Mann habe keine Schlüssel dabeigehabt und sei daher nicht ins Haus gekommen.

In Illinois, Wisconsin und Minnesota wurde wegen der Kälte der Katastrophenfall ausgerufen. "Das kalte Wetter, das sich zwischen Dienstagabend und Donnerstagmorgen auf den Weg zu uns macht, könnte uns Temperaturen bringen, die wir vorher noch nicht erlebt haben. Sie stellen eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit der Menschen im ganzen Staat dar", schrieb der Gouverneur von Illinois, J.B. Pritzker.

Im Bundesstaat Iowa empfahl die zuständige NWS-Zweigstelle Bürgern, "tiefe Atemzüge" zu vermeiden und so wenig zu sprechen wie möglich: "Das hier ist die kälteste Luft, die viele von uns jemals erlebt haben", hieß es in ihrem Wetterbericht von Dienstagmorgen.

Die gefühlten Temperaturen - in den USA spricht man von "Windchill"-Werten - liegen oft deutlich tiefer. Schon am Dienstagmorgen wurden laut NWS im US-Bundesstaat Maine Werte von bis zu minus 49 Grad Celsius errechnet. Der "Windchill-Effekt" beschreibt die Abkühlung der Haut bei erhöhter Windgeschwindigkeit.

US-Präsident Donald Trump spottete gleichwohl angesichts der Extremkälte über die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel. "Was zum Teufel ist mit der Erderwärmung los? Bitte komm schnell zurück, wir brauchen dich", schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Die US-Klimabehörde NOAA, welche die Atmosphäre und Ozeane überwacht, twitterte indes: "Winterstürme sind kein Beweis dafür, dass es keine globale Erwärmung gibt." Die Behörde verlinkte ihre Botschaft mit einem erläuternden Artikel dazu, warum die Erwärmung der Ozeane für polare Kältewellen und Rekordschnee mitverantwortlich ist.

(felt/cpas/dpa)
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