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Ureinwohner in Kanada: 182 weitere Gräber nahe Internat gefunden

„Kultureller Genozid“ schockiert Kanada : 182 weitere Gräber nahe Internat für Kinder kanadischer Ureinwohner gefunden

Schon wieder ein erschreckender Fund in Kanada: Erneut wurden nahe eines Internats für Kinder von Ureinwohnern zahlreiche Gräber gefunden. Es ist der dritte Fund innerhalb kurzer Zeit.

In Kanada sind in der Nähe eines Internats für Kinder von Ureinwohnern weitere 182 anonyme Gräber gefunden worden. Experten setzten bei Suchaktionen in der Umgebung des Saint Eugene's Mission School in Crankbrook im Westen des Landes Bodenradargeräte ein, wie die dortige indigene Gemeinschaft am Mittwoch mitteilte. Sie seien so vermutlich auf die sterblichen Überreste von Schülern des Internats gestoßen.

Zuvor hatten bereits zwei ähnliche Funde das Land erschüttert. Auf dem Gelände eines früheren katholischen Internats nahe der Kleinstadt Kamploops in der Provinz British Columbia waren Ende Mai 215 Kinderleichen gefunden worden. Daraufhin wurden in ganz Kanada mit Unterstützung der Behörden Ausgrabungen in der Nähe ehemaliger Schulen für Kinder von Ureinwohnern vorgenommen. Bei einem anderen katholischen Internat in Marieval in der Provinz Saskachewan stießen die Experten dann auf weitere 751 anonyme Gräber.

In Kanada waren ab 1874 rund 150.000 Kinder von Ureinwohnern und gemischten Paaren von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und in kirchliche Heime gesteckt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen. Viele von ihnen wurden in den Heimen misshandelt oder sexuell missbraucht. Nach bisherigen Angaben starben mindestens 3200 dieser Kinder, die meisten an Tuberkulose. Die letzten dieser Schulen schlossen erst in den 1990er Jahren.

Viele indigene Gemeinschaften machen die Heime, die ganze Generationen geprägt haben, heute für soziale Probleme wie Alkoholismus, häusliche Gewalt und erhöhte Selbstmordraten unter den Indigenen verantwortlich. Ottawa entschuldigte sich im Jahr 2008 offiziell bei den Überlebenden der Internate. Sie seien Opfer eines „kulturellen Genozids“, stellte eine Untersuchungskommission im Jahr 2015 fest.

Dennoch war den zahlreichen Berichten über Missbrauch und hohe Todesraten in den sogenannten Residential Schools nie ernsthaft nachgegangen worden. Kanadas Regierungschef Justin Trudeau forderte in der vergangenen Woche, das Land müsse „Lehren aus der Vergangenheit ziehen“, deutete aber auch an, die Schuld liege Größtenteils bei der katholischen Kirche.

(c-st/AFP)