Unwetter in Sant Llorenc auf Mallorca: So erlebte Cornelia N. die Flut

Augenzeugin berichtet aus Mallorca: Wie eine Düsseldorferin und ihr Sohn den Fluten entkamen

Ein verheerendes Unwetter, Überflutungen, Schlammlawinen, mindestens zehn Tote. Die Menschen auf Mallorca haben eine schreckliche Nacht hinter sich. Cornelia N. aus Düsseldorf rettete ihren Sohn und sich aus höchster Not. Wir haben mit ihr gesprochen.

Cornelia N. (52) aus Düsseldorf kennt und liebt Mallorca seit vielen Jahren, immer wieder reist sie auf die Insel. Nun hat sie eine ganz andere Seite der Ferieninsel erlebt – und verlor fast ihr Leben dabei: Sie geriet in der Nacht zu Mittwoch mitten in die Wetterkatastrophe, von der vor allem der Nordosten der Insel betroffen war.
Am Dienstag hat sie ihre Domizil in Son Servera am späten Nachmittag verlassen, um ihren Sohn (19) vom Flughafen in Palma abzuholen. Der Schüler ist der Mutter hinterhergereist, gemeinsam will man die Herbstferien verbringen. Schon auf dem Weg zum Flughafen zeigt sich das Wetter bedrohlich, aber niemand ahnt, dass es wenige Stunden später zur Katastrophe kommen wird.

Der Rückweg von Palma in den Nordosten der Insel über die autobahnänliche MA-15 verläuft anfangs noch ruhig, aber bald werden Regen, Blitz und Donner derart bedrohlich, dass sich die Düsseldorferin entschließt, einen anderen Weg zu fahren, um nicht in das tobende Gewitter zu geraten. Das jedoch erweist sich als fast tödlicher Fehler. In Höhe von Manacor ist die Hauptverbindung Richtung Nordosten gesperrt, N. biegt ab in die Straße nach Sant Llorenc – ein kleiner Umweg zwar, aber eine brauchbare Route, die sie kennt und nun nutzen will.

Dass das Städtchen wenig später im Zentrum des Sturms und der Überschwemmungen liegen wird, kann sie nicht wissen. Aber bald merkt sie, wie brisant die Lage wird: „Von allen Seiten kam das Wasser und Geröll die Berghänge herab. Es ging unfassbar schnell, plötzlich war es da. Wir konnten nicht mal mehr die Lichter der vor uns fahrenden Wagen sehen,“ erzählt sie. In einer engen Straße kommen ihr Menschen in Panik entgegen gerannt und machen ihr klar, dass sie wenden muss – buchstäblich in letzter Sekunde gelingt ihr das und sie entgeht einer Schlamm- und Gerölllawine. „Wären wir da hinein geraten, wären wir jetzt tot“, berichtet sie.
Die Irrfahrt geht weiter. Noch einmal schafft sie es, vor den Wasser- und Schlammmassen knapp zu flüchten, einmal durch eine Einbahnstraße den Berg hinauf, in Sicherheit. „Das Wasser kam aus den Fenstern der Häuser. Mir war am Ende alles egal, ich wollte nur noch da raus,“ sagt Cornelia N.. Schließlich schafft sie es, wieder auf eine höher gelegene Straße zu kommen. Aber schnell wird klar: Wie viele andere Menschen, die zu Fuß oder in ihren Autos unterwegs sind, kommt sie nicht weiter – die Straßen sind blockiert, weggeschwemmt, unterspült, jedenfalls unpassierbar.

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Sie findet kurz nach Mitternacht ein Hotel, ein Zimmer ist noch frei. „Da hab ich mir aus der Mini-Bar erstmal ein kaltes Bier genehmigt.“ Die ganze Nacht hören sie und ihr Sohn draußen den Sturm toben, gegen vier lässt der Wind nach, aber der Regen fällt immer stärker. Später wird man melden, dass binnen kurzer Zeit über 220 Liter auf den Quadratmeter niedergingen.

Im Licht des neuen Tages wird das Ausmaß der Schäden klar. Der deutsche Sender „Insel-Radio“ korrigiert ständig die Zahl der Toten und Vermissten nach oben, immer wieder gibt es Meldungen über gesperrte Straßen und die beiden Düsseldorfern erkennen: In die Ferienwohnung in Son Servera werden sie so schnell nicht kommen, denn rund um das Zentrum der Wetterkatastrophe sind alle Straßen unbefahrbar. Sie sind eingeschlossen, also ist Warten angesagt – oder die Suche nach einem Schleichweg.

Überschwemmungen verwandeln Straßen auf Mallorca in Flüsse

Rolf H. (70), derzeit in einer Finca zwischen Cala Millor und Arta und damit ebenfalls mitten im Katastrophengebiet, kennt Mallorca ebenfalls seit vielen Jahren. „Wir hatten immer wieder Unwetter, aber so was habe ich noch nie erlebt,“ berichtet er. Sein Haus ist nicht beschädigt, aber die Zufahrten zu dem sehr einsam gelegenen Gehöft sind durch Geröllmassen blockiert. Und der Pool, der normalerweise in der Sonne glitzert, muss nun mühsam gereinigt werden: Statt mit Wasser ist er nun gefüllt mit braunem Schlamm.