Klimabedingter Starkregen Dutzende Tote bei verheerenden Unwettern in Pakistan und Afghanistan

Update | Islamabad/Dubai · Nach Fluten mit mehr als 1700 Toten und Milliardenschaden vor zwei Jahren regnet es erneut heftig in Pakistan: Häuser stürzen ein, Sturzfluten zerstören Felder. Weitere Unwetter werden erwartet – auch in Afghanistan, Oman und Dubai.

Menschen waten durch eine von Starkregen überschwemmte Straße in Peshawar, Pakistan.

Menschen waten durch eine von Starkregen überschwemmte Straße in Peshawar, Pakistan.

Foto: AP/Muhammad Sajjad

Bei Unwettern in Pakistan sind innerhalb von vier Tagen mindestens 65 Menschen ums Leben gekommen. Wie die Behörden am Mittwoch mitteilten, fiel seit Anfang April doppelt so viel Regen wie üblich. Zwischen Freitag und Montag lösten Gewitter mit Starkregen Sturzfluten aus. Die Wassermassen brachten sogar Häuser zum Einsturz. 28 Menschen wurden durch Blitze getötet.

Die meisten Todesopfer gab es in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa im Nordwesten des Landes. Dort kamen 32 Menschen ums Leben, darunter 15 Kinder. 1300 Häuser wurden zerstört. Alle Opfer seien von einstürzenden Wänden und Dächern erschlagen worden, sagte der Sprecher der Katastrophenschutzbehörde der Provinz, Anwar Khan. Viele Bewohner überfluteter Häuser flohen in höher gelegene Gebiete und kamen in provisorischen Notunterkünften unter.

Auch in Afghanistan kosteten saisonale Regenfälle zahlreiche Menschen das Leben. Abdullah Dschanan Saik, der Sprecher der Taliban für das Ministerium für das Naturkatastrophenmanagement, sprach von 33 Toten und 27 Verletzten binnen drei Tagen. Mehr als 600 Häuser wurden entweder zerstört oder beschädigt, auch zahlreiche Tiere kamen zu Tode. Überschwemmungen hätten im großen Stil landwirtschaftliche Flächen und mehr als 85 Straßenkilometer beschädigt, sagte Saik. Sturzfluten wurden in 20 der 34 Provinzen des Landes gemeldet.

Unterdessen kam es auch auf der anderen Seite des Golfs von Oman zu tödlichen Unwettern. Bei heftigen Regenfällen im Sultanat Oman kamen mindestens 17 Menschen ums Leben. Das teilte die Zivilschutzbehörde des arabischen Landes am Montag (Ortszeit) mit. Unter den Toten waren eine Gruppe Schulkinder sowie ein Fahrer, die in einem Fahrzeug unterwegs waren, als es überflutet wurde. Die omanische Polizei und das Militär rückten in den besonders betroffenen Norden aus, um Bürger aus den überschwemmten Gebieten zu bringen, berichtete die staatliche Oman News Agency.

Starke Regenfälle führen in dem Sultanat häufig zu Sturzfluten. Auch in den benachbarten Vereinigten Arabischen Emiraten wurde heftiger Regen erwartet. In Dubai sollten sie den Behörden zufolge am Montagabend beginnen und bis Dienstagmorgen andauern. Das Nationale Zentrum für Meteorologie der Emirate warnte vor Donner, Blitzen, Regen und möglicherweise Hagel sowie vor Windgeschwindigkeiten von bis zu 70 Stundenkilometern. Die staatlichen Schulen kündigten an, dass sie den Unterricht am Dienstag und Mittwoch ausfallen lassen werden.

Gewöhnlich kommt es in den südasiatischen Ländern Pakistan und Afghanistan nicht zu derart starken Regenfällen und Überflutungen um diese Jahreszeit. Extreme Wetterereignisse sind in Pakistan jedoch auf dem Vormarsch. Rafay Alam, ein pakistanischer Umweltexperte, sagte, derart heftige Niederschläge im April seien ungewöhnlich. „Vor zwei Jahren erlebte Pakistan im März und April eine Hitzewelle, und jetzt regnet es, und das ist alles auf den Klimawandel zurückzuführen, der 2022 schwere Überschwemmungen verursachte.“ Bei den Überschwemmungen vor zwei Jahren geriet ein Drittel Pakistans unter Wasser. 1739 Menschen kamen ums Leben. Das Hochwasser verursachte einen Schaden von 30 Milliarden Dollar.

Eine Zunahme dieser Folgen des Klimawandels kann noch gestoppt werden. In erster Linie ist dazu ein rascher Umstieg auf Sonnen- und Windenergie nötig, im Zusammenspiel mit einem vollständigen Ausstieg aus fossilen Energiequellen wie Kohle, Gas und Öl. Zudem tragen Müllvermeidung und eine Umstellung der Landwirtschaft auf regenerative Methoden dazu bei, den Ausstoß von erderwärmender Luftverschmutzung durch Gase wie Kohlendioxid und Methan zu verringern.

(peng/aku/dpa)
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