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Unwetter auf Mallorca 2018: Deutscher aus Sant Llorenc berichtet

Unwetter auf Mallorca : „Die Häuser sind bis in die zweite Etage verdreckt – so hoch stand das Wasser“

Mindestens zehn Menschen kamen bei dem verheerenden Unwetter auf Mallorca ums Leben. Besonders heftig traf es Sant Llorenc, wo der Deutsche Felix Trappe ein Restaurant betreibt. Uns hat er berichtet, wie er die Unglücksnacht erlebte.

Herr Trappe, wir erreichen Sie am Telefon. Wie geht es Ihnen?

Felix Trappe: Uns geht es gut. Wir sind unter den wenigen in Sant Llorenc, die das Unwetter heil und unbeschadet überstanden haben. Man muss sich schon fast schämen, wenn man nach rechts oder links guckt - da sind viele Existenzen einfach zerstört.

Wie haben Sie das Unwetter erlebt?

Trappe: Ich war um fünf Uhr Nachmittags noch auf meiner Einkaufsrunde - um sechs Uhr herrschte dann schon Ausnahmezustand. Die Wassermassen kamen urplötzlich. Wir haben hier auf Mallorca Abflussrinnen fürs Regenwasser - die sind komplett übergelaufen; da hat sich ein Fluss gebildet, so breit wie mehrere Fußballfelder. Etwa drei Viertel des Dorfes waren überschwemmt, zum Teil vier oder fünf Meter hoch. Autos sind im Wasser umhergeschwommen. Es war unglaublich.

Gab es Warnungen vorab? Wussten Sie, was auf Sie zukommt?

Trappe: Nein, eigentlich nicht. Ich glaube auch, dass das niemand so erwartet hat. Als das Unwetter aufzog, wirkte das auf mich erstmal wie ein ganz normaler Regen, den wir hier schon mal öfter haben. Aber dass es so endet, hätte keiner gedacht.

Hatten Sie Angst?

Trappe: Auf jeden Fall. Aber wir haben halt erstmal gar nicht realisiert, in was für einer Lage wir stecken. Das haben wir erst im Nachhinein verstanden, jetzt wo man sieht, dass sogar Menschen ums Leben gekommen sind. Unser Restaurant ist offenbar eines der wenigen Gebäude hier, die einigermaßen sicher lagen. Die Ablaufrinne fürs Regenwasser ist so gebaut, dass wir von der einen Seite geschützt waren, und auf der anderen Seite liegen wir etwas höher.

Überschwemmungen verwandeln Straßen auf Mallorca in Flüsse

Wie sieht es heute in Sant Llorenc aus?

Trappe: Katastrophal. Hier stehen ungefähr hundert zerstörte Autos herum, überall liegt Schmutz und Grünzeug. Häuser sind bis in die zweite Etage von außen verdreckt, so hoch stand das Wasser.

Sind denn die Fluten schon wieder abgelaufen?

Trappe: Komplett, ja. Genau so schnell, wie es kam, war das Wasser auch wieder weg. Gegen drei Uhr heute Nacht waren die Straßen schon wieder frei.

Allein in Sant Llorenc sind durch die Überschwemmungen mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Wie schnell waren Rettungskräfte vor Ort?

Trappe: Es ist unglaublich, was die spanische Polizei und die Rettungskräfte gestern geleistet haben. Schon im ersten Chaos des Unwetters waren Einsatzkräfte da. Die haben einen richtig guten Job gemacht. Von den Todesopfern kannte ich niemanden persönlich. Es ist ja leider auch so, dass offenbar zwei britische Touristen unter den Toten sind, die hatten in einem Taxi gesessen. Man kann sich das einfach nicht vorstellen: Es hat gerade mal eine Stunde gedauert, in der das Wasser weite Teile dieses Dorfes zerstört hat. Es ging einfach viel zu schnell.

Wie geht es für die Menschen in Sant Llorenc jetzt weiter?

Trappe: Die Aufräumarbeiten beginnen. Das Leben im Dorf dreht sich jetzt nur darum, wie man jetzt wem helfen kann. Gleichzeitig hat jeder irgendwie Angst, was passiert, wenn es heute Abend wieder regnen sollte.

Und für Sie persönlich?

Trappe: So verrückt es klingt: Wir haben für heute Abend schon Reservierungsanfragen bekommen. Die Leute wollen essen gehen, obwohl das ganze Dorf mit Aufräumarbeiten beschäftigt ist. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob wir heute überhaupt öffnen. Ich komme momentan ohnehin nicht ins Dorf, die Polizei hat alles abgesperrt.

Felix Trappe (39) stammt ursprünglich aus Bremen und lebt seit 15 Jahren auf Mallorca. Seit acht Jahren betreibt er das Restaurant „Es-Pati“ in Sant Llorenc.