Zahl der Hinrichtungen in USA deutlich gesunken: Unterstützung für Todesstrafe schwindet

Zahl der Hinrichtungen in USA deutlich gesunken : Unterstützung für Todesstrafe schwindet

Da im Dezember in den ganzen USA keine weitere Hinrichtung geplant ist, steht die Zahl der Exekutionen im Jahr 2011 bei 43 - ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den 90er Jahren. Das US-Informationszentrum zur Todesstrafe (DPIC) sieht diese Form der Bestrafung in den Vereinigten Staaten langsam aber sicher auf dem Rückzug.

Solange John Kitzhaber Gouverneur von Oregon ist, soll in dem Bundesstaat an der US-Westküste kein Todesurteil mehr vollstreckt werden. Als Kitzhaber das Moratorium im vergangenen Monat verkündete, begnadigte er auch einen zum Tod verurteilten Häftling, der eigentlich noch in diesem Jahr hingerichtet werden sollte

"Staat für Staat gibt es eine Erosion der Unterstützung für die Todesstrafe", sagt DPIC-Direktor Richard Dieter. Seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA 1976 sind bislang 1277 Menschen hingerichtet worden. Der Höhepunkt wurde im Jahr 1999 erreicht, als 98 Todesurteile vollstreckt wurden. Seitdem sinkt die Zahl der Exekutionen kontinuierlich.

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Auch die Fälle, in denen ein Gericht ein Todesurteil aussprach, sind nach Angaben des DPIC seit den 90er Jahren um fast ein Drittel zurückgegangen.

16 Bundesstaaten haben Todesstrafe abgeschafft

Derzeit können in 34 der 50 US-Bundesstaaten Menschen zum Tode verurteilt werden. Vergangenes Jahr haben aber nur zwölf Staaten die Todesstrafe tatsächlich angewendet.

Oregon wechselte mit der Entscheidung von Gouverneur Kitzhaber de facto in das Lager jener 16 Bundesstaaten, die keine Hinrichtungen erlauben. "Ich lehne es ab, weiter an diesem ungerechten System mitzuwirken", sagte Kitzhaber zur Begründung. So komme es vor, dass Menschen für Verbrechen mit Gefängnis bestraft würden, während anderen für vergleichbare Vergehen die Hinrichtung drohe. Die Todesstrafe sei "moralisch falsch", erklärte er.

DPIC-Direktor Dieter vermutet, dass Oregon die Todesstrafe in den kommenden Jahren vollständig abschaffen könnte. Andere Bundesstaaten, in denen ein derartiger Schritt bald möglich scheine, seien Maryland, Connecticut und Kalifornien. "Die Todesstrafe wird nicht in drei Jahre verschwinden, aber in zehn Jahren ist es möglich", sagt Dieter.

Zustimmung im Volk zur Todesstrafe solide, aber sinkend

Auch in den Meinungsumfragen ist die Zustimmung zur Todesstrafe auf den niedrigsten Stand seit fast vier Jahrzehnten gefallen. Die Unterstützung für diese Art der Bestrafung bleibe in der Bevölkerung aber "solide", sagt Professor Robert Blecker von der New York Law School.

In einer aktuellen Umfrage des Instituts Gallup sprechen sich immerhin noch 61 Prozent der US-Bürger für die Todesstrafe aus. David Schaefer, Professor am Holy Cross College im Bundesstaat Massachusetts, sagt, dass die Menschen in den USA die Verurteilung zum Tode mehrheitlich billigen würden, solange es eine "absolute Sicherheit" für die Schuld der Täter gebe.

Gegner der Todesstrafe glauben aber, dass dies nicht möglich ist. Immer wieder werden Todesurteile vollstreckt, bei denen deutliche Zweifel an der Schuld bestehen. Im September richtete der Bundesstaat Georgia ungeachtet weltweiter Gnadenappelle den Afroamerikaner Troy Davis mit einer Giftspritze hin. Davis soll Ende der 80er Jahre einen Polizisten ermordet haben, beteuerte aber bis zuletzt seine Unschuld.

Der Fall Davis gilt als einer der umstrittensten der US-Justizgeschichte. Eine Tatwaffe, DNA-Spuren oder Fingerabdrücke, die auf ihn als Täter hingedeutet hätten, wurden nie gefunden. Sieben von neun Zeugen, die ihn als Täter genannt hatten, zogen ihre Aussagen zurück. Seit den 70er Jahren wurden nach Angaben des DPIC 138 zum Tode Verurteilte wegen erwiesener Unschuld nachträglich freigesprochen.

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(AFP)
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