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Katastrophenzustand in 15 Regionen: Über 300 Tote bei Erdbeben in Chile

Katastrophenzustand in 15 Regionen : Über 300 Tote bei Erdbeben in Chile

Santiago de Chile (RPO). Bei dem schweren Erdbeben in Chile sind mehr als 300 Menschen getötet worden, mehr als 1,5 Millionen Wohnungen wurden nach Angaben der Behörden beschädigt. Tsunami-Wellen überschwemmten die Pazifikküste des Landes, zu einigen Regionen gab es danach keinen Kontakt mehr.

Die Mehrzahl der Opfer wurde von dem Beben am Samstagmorgen um 3.34 Ortszeit (7.34 Uhr MEZ) im Schlaf überrascht. Dieses hatte die Stärke 8,8; das Epizentrum lag etwa 325 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Santiago de Chile im Pazifik. Etwa 90 Prozent der Getöteten hätten zum Zeitpunkt der Katastrophe im Bett gelegen, sagte die Chefin der Nationalen Rettungsbehörde (ONEMI), Carmen Fernandez. Sie verwies darauf, dass zunächst noch immer kein vollständiger Überblick über die Schäden bestand. Vor allem zu der am meisten betroffenen Küstenregion rings um die 400.000-Einwohner-Stadt Concepción gebe es keinen Kontakt. Dort wurde beispielsweise die Stadt Talcuhuano von einer 2,3 Meter hohen Flutwelle überrollt.

Chiles Präsidentin Michelle Bachelet rief für sechs der 15 Regionen des Landes den Katastrophenzustand aus. "Die Kraft der Natur hat erneut unser Land getroffen", sagte sie in einer Fernsehansprache. Etwa zwei Millionen Menschen seien betroffen. Insgesamt leben in Chile etwa 16 Millionen Menschen.

Im ganzen Land brachen Wasser-, Strom- und Telefonleitungen zusammen, unter anderem gab es im Großteil von Santiago de Chile kein Licht. Auf dem internationalen Flughafen der Hauptstadt entstanden erhebliche Sachschäden. Fernsehbildern zufolge wurde der Abflugterminal teilweise zerstört. Teile der Dachkonstruktion lagen in der Abflughalle, eine Fußgängerpassage stürzte mehr als fünf Meter in die Tiefe.

Chile erhielt sofort nach dem Beben Hilfsangebote aus aller Welt. US-Präsident Barack Obama und die spanische EU-Präsidentschaft boten Hilfe bei den Rettungsarbeiten und beim Wiederaufbau an. Die EU gab drei Millionen Euro an Soforthilfen frei. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon drückte sein Bedauern über die Naturkatastrophe aus. Nach Angaben von Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sollte umgehend ein Erkundungsteam des Technischen Hilfswerks nach Chile aufbrechen.

Allerdings rief Chiles Außenminister Mariano Fernandez dazu auf, zunächst die Bestandsaufnahme des Katastrophenschutzes abzuwarten: "Jede Hilfe, die ankommt, ohne wirklich gebraucht zu werden, hilft ehrlich gesagt nur wenig."

Das schwere Erdbeben nutzten gut 200 Insassen eines Gefängnisses zur Flucht. In der Haftanstalt im zentralchilenischen Chillan sei eine Mauer eingestürzt, sagte der zuständige Chef der Justizvollzugsbeamten, Alejandro Jimenez, am Samstag (Ortszeit) der Tageszeitung "La Tercera". Ein Wachmann sei schwer verletzt worden und 269 Häftlinge seien zunächst geflohen. Von ihnen konnten 60 sofort wieder aufgegriffen werden, von den übrigen gut 200 fehlte zunächst jede Spur.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Starkes Erdbeben in Chile

(AFP/das)