Prozessbeginn gegen Kweku Adoboli: UBS-Händler soll Milliarden verzockt haben

Prozessbeginn gegen Kweku Adoboli : UBS-Händler soll Milliarden verzockt haben

Ein Jahr nach der Festnahme hat am Montag der Prozess gegen einen Händler der Schweizer Großbank UBS wegen Fehlspekulationen in Milliardenhöhe begonnen. Der 32-Jährige Kweku Adoboli soll einen Verlust von 2,3 Milliarden Dollar verursacht haben.

In dem Prozess um Händler Kweku Adoboli vor dem Southwark Crown Court in London, wurden zunächst Verfahrensfragen geklärt. Er soll der UBS einen Verlust von 2,3 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) eingebrockt haben. Adoboli weist jede Schuld von sich. Seine Anwälte sehen die UBS in der Verantwortung. Der Angeklagte erschien in grauem Anzug und weißem Hemd vor Gericht. Er war Anfang Juni gegen Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen worden, muss aber eine elektronische Fußfessel tragen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm zehn Jahre Haft.

Der Sohn eines ehemaligen UN-Diplomaten aus Ghana, der in Großbritannien eine Privatschule besuchte und an der Universität von Nottingham studierte, war seit 2006 bei dem Schweizer Finanzinstitut tätig. Er arbeitete im Londoner UBS-Büro im Bereich Exchange Traded Funds. Dort war er unter anderem für den Kauf und Verkauf von Indexfonds zuständig, das sind komplexe Börsenprodukte, die beispielsweise Aktienindizes wie den Dax möglichst genau nachbilden.

Angeklagt wegen Betrug und Bilanzfälschung

Die Anklage wirft ihm in zwei Anklagepunkten Betrug und in zwei weiteren Bilanzfälschung vor. Laut UBS entstanden die Verluste, weil Adoboli auch ohne Erlaubnis mit Indexfonds spekulierte und die Risiken verschleierte. Nach Angaben der Bank häufte er so binnen drei Monaten den Milliarden-Verlust an. Laut Anklage führte der Händler seinen Arbeitgeber allerdings drei Jahre lang hinters Licht, von 2008 bis 2011. Die UBS erklärte am Montag, sie werde das Verfahren gegen ihren ehemaligen Angestellten nicht kommentieren.

Der Chef der UBS im vergangenen Jahr, Oswald Grübel, hatte sich tagelang geweigert, zurückzutreten. Er tat dies erst nach deutlicher Kritik des Ehrenpräsidenten der Bank, Nikolaus Senn. Der hatte eine mangelnde Kontrolle der UBS-Händler bemängelt. Grübels Nachfolger Sergio Ermotti räumte erst kürzlich in einer Mitteilung an die Beschäftigten ein, dass der Fall Adoboli "unangenehm" für die Bank werden könne. Der Ruf der Bank sei wichtiger als alles andere, und jeder Einzelne sei der Hüter dieses Rufes, mahnte Ermotti.

Neue Diskussion um Investmentbanking

In der Schweiz hatte der Fall die Diskussion über die Zukunft des Investmentbankings neu entfacht. Die UBS hatte bereits in der Finanzkrise riesige Verluste erlitten. Präsident der Großbank ist seit Mai der frühere Bundesbankchef Axel Weber.

Der Prozess in London soll bis zum 16. November dauern. Am Montag begann zunächst die Auswahl der Jury-Mitglieder. Die mindestens zwölf Geschworenen dürfen keinerlei Verbindung zur UBS und zu den sieben geladenen Zeugen haben. Zudem müssen sie dem Gericht die kommenden zwei Monate lang zur Verfügung stehen.

Spannend dürfte es ab Freitag werden, wenn Anklägerin Sacha Wass den Fall präsentiert. Er erinnert an den Fall Jérôme Kerviel, den jungen französischen Skandalhändler, der vor drei Jahren die Société Générale, Frankreichs zweitgrößte Bank, mit seinen windigen Spekulationsgeschäften um knapp fünf Milliarden Euro brachte. Kerviel wurde im Herbst 2010 zu drei Jahren Gefängnis und zur Rückzahlung der Summe verurteilt, die er verzockte. Kerviel ging in Berufung.

(AFP)
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