Türkischen Journalisten droht Haft wegen "Charlie Hebdo"-Karikatur

"Charlie Hebdo" Nachdruck: Türkischen Journalisten droht Haft wegen "Charlie Hebdo"-Karikatur

Wegen des Abdrucks einer umstrittenen Mohammed-Karikatur des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" droht zwei türkischen Journalisten bis zu viereinhalb Jahre Haft.

Ein Mitarbeiter der Tageszeitung "Cumhuriyet" bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der türkischen Nachrichtenagentur DHA über die Anklage. Die Staatsanwaltschaft wirft den Kolumnisten der "Cumhuriyet" demnach vor, mit dem Abdruck der Karikatur in ihren Kolumnen den öffentlichen Frieden gestört und den Propheten sowie die religiösen Werte der Menschen in der Türkei beleidigt zu haben.

Die linksnationalistische Zeitung hatte nach dem Terroranschlag auf die "Charlie Hebdo"-Redaktion im Januar in Paris unter anderem das Titelbild, das einen weinenden Propheten Mohammed zeigt, in verkleinerter Form abgedruckt. Der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu hatte das Titelbild eine "Provokation" genannt. Kurz darauf leitete die Justiz Ermittlungen gegen "Cumhuriyet" ein.

Türkei-Sperre von "Charlie Hebdo"

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Zuvor hatte die türkische Regierung die Auslieferung der Zeitung behindert. Ein Gericht hatte zudem die Veröffentlichung des Satiremagazins im Internet verboten und im März die Webseite von "Charlie Hebdo" sperren lassen. "In diesem Land erlauben wir keine Beleidigung des heiligen Propheten", hatte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu im Januar erklärt.

Auf Antrag der staatlichen Internetbehörde hatte ein Gericht in Ankara die Sperrung angeordnet. Auch dieses Vorgehen begründeten die Behörden mit der angeblichen Beleidigung religiöser Gefühle durch die Verbreitung von Mohammed-Karikaturen.

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(dpa/cc)