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Türkei: Explosion nahe Gerichtsgebäude in Izmir

Türkei : Verletzte und Tote in Izmir - Explosion nahe Gerichtsgebäude

Wieder erschüttert eine Explosion eine Metropole in der Türkei: Bei einem mutmaßlichen Autobombenanschlag vor dem Justizgebäude in der Millionenmetropole Izmir sind Berichten zufolge vier Menschen getötet worden.

Vier Tage nach dem verheerenden Terrorangriff in der Silvesternacht in Istanbul ist die bislang ruhige westtürkische Metropole Izmir von einem tödlichen Anschlag erschüttert worden. Bei der Explosion einer Autobombe vor dem Justizgebäude seien am Donnerstag mindestens zwei Menschen getötet worden, sagte Izmirs Gouverneur Erol Ayyildiz am Tatort. Es handele sich um einen Polizisten und einen Justizmitarbeiter. Erste Anzeichen deuteten auf eine Urheberschaft der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hin.

Der Gouverneur sagte, die Polizei habe den zur Bombe umgebauten Wagen an einem Checkpoint vor dem Justizgebäude gestoppt. Die Terroristen seien daraufhin ausgestiegen und weggelaufen. Es sei zum Schusswechsel gekommen. Dabei hätten die Angreifer die Bombe gezündet. Die Terroristen hätten zwei Schnellfeuergewehre, eine Panzerfaust mit acht Granaten sowie acht Handgranaten mit sich geführt. Vize-Ministerpräsident Veysi Kaynak sagte, der Polizei sei es gelungen, ein "sehr großes Massaker" zu verhindern.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, nach einem dritten Angreifer werde gesucht.

Auch der Angreifer auf die Silvesterparty in einem Club in Istanbul ist weiterhin auf der Flucht. Der Mann hatte kurz nach Anbruch des neuen Jahres 39 Menschen getötet. Die Verantwortung für diese Tat reklamierte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für sich.

Silvester-Täter soll Uigure sein

Vize-Ministerpräsident Veysi Kaynak sagte im Sender A Haber über den Flüchtigen: "Er ist wahrscheinlich ein Uigure. Aber bezüglich seiner Staatsangehörigkeit will ich vorerst nichts sagen." Die Türkei setzt sich seit langem für die Uiguren ein. Die muslimische Minderheit in der Unruheregion Xinjiang in Nordwestchina ist ein Turkvolk und fühlt sich von den Chinesen unterdrückt. China wirft Ankara vor, geflüchteten Uiguren türkische Reisepässe auszustellen.

Kaynak sagte: "Die Identität des Terroristen wurde von unseren Sicherheitskräften festgestellt. Es wurde auch ausgemacht, wo er sich aufhalten könnte. Unsere Sicherheitskräfte fahnden irgendwo in Silivri." Silivri liegt westlich von Istanbul. Anadolu meldete, die Polizei habe in Silivri Uiguren festgenommen, die der Beihilfe verdächtigt würden. Kaynak schloss allerdings auch nicht aus, dass dem Täter die Flucht ins Ausland gelungen sein könnte.

Zweites Auto kontrolliert gesprengt

Zum Anschlag in Izmir sagte Gouverneur Ayyildiz, die Polizei habe den zur Bombe umgebauten Wagen vor dem Gericht stoppen wollen. Er bestätigte nicht, dass einem der Angreifer die Flucht gelungen sei. Ein zweites verdächtiges Fahrzeug sei kontrolliert gesprengt worden.

Izmir ist die drittgrößte Stadt der Türkei. Von der Eskalation der Gewalt im Land seit Sommer 2015 ist sie bislang weitgehend verschont geblieben. Schwere Anschläge waren dort seitdem nicht verzeichnet worden. Alleine in den vergangenen vier Wochen kam es in der Türkei zu einer ganzen Reihe terroristischer Angriffe, die insgesamt mehr als 100 Menschen das Leben kosteten.

Am 10. Dezember sprengten sich Attentäter der PKK-Splittergruppe TAK in Istanbul nach einem Fußballspiel in die Luft (mindestens 45 Tote).
Die TAK war auch verantwortlich für einen Anschlag im zentralanatolischen Kayseri eine Woche später (14 Tote). Am 19. Dezember wurde der russische Botschafter in Ankara erschossen. In der Silvesternacht kam es dann zu dem Terrorangriff in Istanbul.

In der Nacht zu Mittwoch hatte das Parlament in Ankara beschlossen, den seit Juli geltenden Ausnahmezustand bis zum 19. April zu verlängern. Als Begründung für ihren Antrag gab die Regierung unter anderem die anhaltenden terroristischen Angriffe im Land an.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat der Türkei den Rückhalt Deutschlands zugesagt. "Deutschland steht im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite der Türkei, völlig gleichgültig, ob dieser islamistisch, ethnisch oder ideologisch motiviert ist", erklärte Steinmeier am Donnerstagabend. Die türkischen Sicherheitskräfte hätten in Izmir "offenbar Schlimmeres verhindern können". Er sei "tief betroffen über die Nachrichten aus Izmir und erschüttert, dass die Türkei nach nur wenigen Tagen erneut Opfer eines Anschlags geworden ist", erklärte Steinmeier.

Ob die Explosion unter Umständen mit dem ersten Urteil zu dem Putschversuch in der Türkei, das zeitgleich in Istanbul gefällt wurde, zu tun hat, ist unklar. Dabei sind zwei Soldaten zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die beiden Angeklagten seien wegen ihrer Rolle bei dem Umsturzversuch gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan am 15. Juli 2016 verurteilt worden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu Den damals im nordöstlichen Erzurum stationierten Soldaten wurde Bruch der Verfassung vorgeworfen.

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(felt/dpa/REU/ap/AFP)