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Trump spricht als erster US-Präsident beim "March for Life“ - Abtreibung soll Thema werden

Thema Abtreibung soll im Wahlkampf mobilisieren : Trump spricht als erster US-Präsident beim "March for Life“

„See you on Friday“ hatte Donald Trump getwittert. Gemeint ist damit seine persönliche Teilnahme am „March For Life“, einer Demonstration gegen Abtreibung. Das Thema Abtreibung soll im Wahlkampf mobilisieren.

Wir fühlen uns "zutiefst geehrt", erklärte die Präsidentin des "March for Live", Jeanne Mancini, deren Organisation seit 47 Jahren zu der Demonstration aufruft. "Wir freuen uns sehr, dass er persönlich erlebt, wie leidenschaftlich sich unsere Demonstranten für das Leben und den Schutz des ungeborenen Lebens einsetzen."

Donald Trump nimmt an diesem Freitag als erster US-Präsident am "Marsch für das Leben" in Washington teil und wird zu den Demonstranten sprechen. "See you on Friday", hatte er via Twitter sein Kommen angekündigt und verlinkte dazu die Website der Veranstaltung.

Anders als seine republikanischen Amtsvorgänger Ronald Reagan, sowie Vater George H. W. und Sohn George W. Bush, die stets ihre Sympathie für die Pro-Life-Anhänger bekundeten, ansonsten aber Distanz zur Bewegung wahrten, bricht Trump damit ein ungeschriebenes Gesetz.

Vize-Präsident Mike Pence war der bisher ranghöchste Politiker, der auf der traditionellen Kundgebung am Jahrestag des Abtreibungsurteils "Roe v Wade" des obersten Verfassungsgerichts sprach. Ein Jahr später wandte sich der damalige Sprecher des Repräsentantenhauses Paul Ryan, ein Katholik, an die Lebensschützer. Trump meldete sich per Videokonferenz aus dem Rosengarten des Weißen Hauses zu Wort. Auch 2019 schickte er eine Videobotschaft.

Während Trumps Flüchtlingspolitik in der Pro-Life-Bewegung umstritten ist, unterstützen die Lebensschützer seine Abtreibungspolitik. Populär ist beispielsweise seine Entscheidung, die US-Hilfe für Organisationen zu verbieten, die im Ausland Abtreibungen anbieten oder vermitteln.

Die Organisatoren rechnen am Freitag mit mehreren zehntausend Demonstranten - nicht mitgerechnet die Teilnehmer an parallelen Märschen in anderen großen Städten wie Chicago oder Denver.

Im vergangenen Jahr legten die Organisatoren des Marsches großen Wert auf eine politisch ausgewogene Rednerliste. Je zwei Republikaner und zwei Demokraten sprachen zu den Demonstranten. Umfragen belegen, dass mindestens ein Viertel der demokratischen Wähler Pro-Life-Anhänger sind. Einige demokratische Politiker haben im Vorfeld des Marsches die Befürchtung geäußert, die Teilnahme von Trump könnte Pro-Life-Anhänger in den demokratischen Reihen von der Bewegung entfernen.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält der Marsch durch den laufenden Präsidentschaftswahlkampf, in dem auch das Thema Abtreibung im Fokus steht. Nicht zuletzt weil republikanisch regierte Bundesstaaten das Abtreibungsrecht zuletzt deutlich verschärft haben. Demgegenüber hat das Meinungsforschungsinstitut PEW ermittelt, dass 61 Prozent der US-Bevölkerung für das Wahlrecht der Frauen in der Abtreibungsfrage plädieren.

Mit den rigiden Anti-Abtreibungsgesetzen wollen die Republikaner das Verfassungsgericht provozieren, sich noch einmal mit dem Grundsatzurteil "Roe v. Wade" von 1973 zu befassen. Vor 47 Jahren hatte das höchste US-Gericht Abtreibungen zur Privatangelegenheit erklärt.

Mit dem Thema Abtreibung versuchen Republikaner und Demokraten, Wähler und Geldgeber zu mobilisieren. Die Lebensschutz-Organisation "Susan B. Anthony List" kündigte vergangene Woche an, Trumps Wiederwahl mit 52 Millionen US-Dollar zu unterstützen. Die Familienplanungs-Organisation "Planned Parenthood" stellt Politikern, die für das Wahlrecht bei Schwangerschaftsabbrüchen eintreten, rund 45 Millionen US-Dollar zur Verfügung.

(ala/kna)