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Braunbären-Komplott Italien streitet über Umgang mit Problembären

Rom · Im Norditalien spitzt sich der Kulturkampf um das Zusammenleben von Braunbären und Menschen zu. Am Montag färbten Aktivisten das Wasser des Neptun-Brunnens in Trento rot, als Protest gegen das harte Vorgehen gegen die Problembären. Die Tierschützer befürchten, dass der tote Bär M62 Wilderern zum Opfer gefallen sein könnte.

 Mitarbeiter des Trentiner Forstkorps bereiten den Transport der Bärin JJ4, die in der Nacht mit Hilfe einer großen Rohrfalle gefasst wurde, in ein Wildreservat vor. Rund zwei Wochen nach der tödlichen Attacke auf einen Jogger in Norditalien haben Förster die wildlebende Bärin JJ4 eingefangen.

Mitarbeiter des Trentiner Forstkorps bereiten den Transport der Bärin JJ4, die in der Nacht mit Hilfe einer großen Rohrfalle gefasst wurde, in ein Wildreservat vor. Rund zwei Wochen nach der tödlichen Attacke auf einen Jogger in Norditalien haben Förster die wildlebende Bärin JJ4 eingefangen.

Foto: dpa/-

Es war am Wochenende, als Wanderer den Kadaver in der Nähe des Morveno-Sees im Trentino fanden. Die Forstpolizei rückte aus und stellten den Körper des getöteten Braunbären sicher. Die Markierung, die das Tier im Ohr trug, brachte die Gewissheit: Es handelte sich um das Tier mit dem Namen M62. Als die Nachricht am Sonntag die bei einer Demonstration zusammen gekommenen Tierschützer im Trentino erreichte, kamen rasch Zweifel auf. Sollen die Problem-Bären des Trentino nun auf radikale Weise aus dem Verkehr gezogen werden?

„Wir sind traurig, schockiert und äußerst besorgt über den Tod von M62, einen der Bären, die Maurizio Fugatti in den vergangenen Tagen zum Tode verurteilt hat“, hieß es in einer Stellungnahme der Tierschutzorganisation Enpa. Fugatti ist der Präsident der Provinz Trento, der Politiker der Lega stand in den vergangenen Wochen im Fokus, weil er einen anderen Braunbären zum Abschuss freigegeben hatte. JJ4, genannt „Gaia“, eine Braunbärenmutter mit drei Jungen im Schlepptau, hatte am 5. April im Naturpark Adamello-Brenta einen Jogger angegriffen und getötet. Gaia ist die Schwester des 2006 bei Bayrischzell erlegten Problembären Bruno, der damals aus dem Trentino bis nach Bayern gewandert war.

Das Verwaltungsgericht hob den Erlass gegen Gaia vorläufig auf, am 11. Mai wollen die Richter nun eine endgültige Entscheidung treffen. Das Tier wurde gefangen und in einen Zwinger bei Trento gebracht, wo es seit zwei Wochen festgehalten wird. Im Trentino spitzt sich der Kulturkampf um das Zusammenleben von Braunbären und Menschen zu. Auf der einen Seite der Lega-Politiker Fugatti und die meisten Bürgermeister des Naturparks Adamello-Brenta, die den Schutz der Bevölkerung um jeden Preis fordern, auch wenn dabei die Bären ihr Leben lassen. „Wenn es nur nach mir ginge, würde ich die Problembären sofort abschießen lassen“, sagt Fugatti.

Die Tierschützer hingegen erkennen ein vom Provinzchef geschürtes „Klima der Angst und des Hasses“ gegen die Tiere. Am Montag färbten Aktivisten das Wasser des Neptun-Brunnens in Trento rot, als Protest gegen das harte Vorgehen gegen die Problembären. Die Tierschützer befürchten, dass der tote und bislang nicht als aggressiv aufgefallene Bär M62 Wilderern zum Opfer gefallen sein könnte. Den Hinweis der Provinzverwaltung, dass M62 die Verletzungen „wahrscheinlich von einem anderen männlichen Bären“ zugefügt worden seien, wollen sie nicht gelten lassen. Die exakte Todesursache soll nun durch eine Obduktion festgestellt werden. Die Tierschützer haben einen Antrag auf Einsicht in die Unterlagen der Verwaltung zum Fall M62 gestellt, weil sie dem Frieden nicht trauen, der ja de facto auch nicht mehr existiert. Es herrscht ein Klima gegenseitigen Misstrauens.

Am Sonntag demonstrierten rund 200 Tierschützer in Sabbionara di Avio, Fugattis Heimatort. „Was die möglichen Täter angeht, so würden wir alles in Bewegung setzen, damit sie nicht ungestraft bleiben“, behauptete Michela Vittoria Brambilla, Vorsitzende der parlamentarischen Arbeitsgruppe für Tierschutz in Rom über die möglichen Verantwortlichen für die Tötung von M62. „Nach Muslimen und Migranten braucht Fugatti nun ein neues Feindbild, die Bären“, zitierte der Corriere della Sera einen Demonstranten. Auch Prominente in Italien ergriffen Partei für die Braunbären, unter ihnen Bestseller-Autor Roberto Saviano und Show-Girl Elisabetta Canalis. „Grotesk“, nannte Saviano das Vorgehen der Politik. „Es handelt sich um die Schikane eines Tiers, das offensichtlich keine Schuld an seinem Verhalten trägt.“ „Die Bären zu töten, ist keine Lösung. Es zeugt von einem Mangel an Intelligenz und Mitgefühl“, sagte Canalis in einem vom Tierschutzverband Lav veröffentlichten Video.

Nun wartet man im Trentino auf die Obduktion von M62 sowie die Entscheidung des Verwaltungsgerichts am 11. Mai. Unterdessen haben sich bereits zwei Bürgermeister in der Region Kampanien zur Aufnahme von Gaia in an ihre Orte angrenzende Naturschutzgebiete bereit erklärt. Es handelt sich um Pasqualino Giuditta aus Summonte bei Avellino sowie um Carlo Montefusco aus Roccamonfina. Beide wollen mit den zuständigen lokalen Stellen beraten, ob Gaia in ihren Gemeinden ein neues Zuhause finden kann.

Zwischen 1999 und 2002 waren in dem Naturpark Adamello-Brenta zehn Braunbären freigelassen worden. Kalkuliert wurde eine Vermehrung der Tiere innerhalb von 20 bis 40 Jahren auf 40 bis 50 Exemplare. Insgesamt leben heute 120 Braunbären im Trentino. Immer wieder werden Zusammenstöße der Tiere mit Menschen gemeldet.

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