Tradition vor dem Aus: Parlament verbietet Stierkampf auf den Balearen

Spanische Tradition vor dem Aus : Parlament verbietet Stierkampf auf den Balearen

Mehrere Hundert Stierkampfveranstaltungen finden in Spanien jährlich statt. Dabei werden Tausende Stiere in der Arena getötet. Mit dieser grausamen Tradition könnte auf den Balearen bald Schluss sein. Das dortige Parlament hat am Dienstag für ein Verbot der umstrittenen Kämpfe gestimmt.

Durch einen engen Gang wird der Stier in Richtung Arena getrieben. In seinem Hals wurden Fähnchen in der Farbe der Stierzucht mit Widerhaken fixiert. In der Arena warten bereits die Picadores — Männer, die auf Pferden die Stiere mit Lanzen traktieren. Die Banderillos stoßen geschmückte Holzstöcke in die Tiere und schwächen sie damit. Als das Publikum bereits tobt, kommt der Torero dazu, um den Stier mit einem Schwert zu töten. Doch nicht immer geschieht dies mit dem ersten Schlag.

Der Stierkampf ist eine der umstrittensten Traditionen Spaniens. Auf den Kanarischen Inseln und in Katalonien sind sie deshalb bereits verboten. Barcelona war 2004 die erste Stadt in Spanien, die das durchsetzte. Nun hat das Parlament der Balearen ebenfalls beschlossen, derartige Veranstaltungen sowohl auf Mallorca als auch auf den Nachbarinseln Menorca und Ibiza zu verbieten.

Wie das "Mallorca Magazin" berichtet, sprach sich die Mehrheit des Parlaments am Dienstag dafür aus, jegliche Form von Stierkampfveranstaltungen oder Stierhatz sowie die staatliche Unterstützung für solche zu untersagen. Dazu soll das Tierschutzgesetz von 1992 geändert werden. Das Verbot könnte bis zum Sommer in Kraft treten, wie die "Mallorca Zeitung" schreibt.

Für das Verbot stimmten im Parlament die sozialistische PSOE, die linke Ökopartei Més, die linke Protestpartei Podemos und die Regionalpartei Gent per Fomentera, während die konservative Volkspartei PP und der liberalen Protestpartei Ciudadanos dagegen stimmten. PP-Fraktionssprecherin Marga Prohens bezeichnete das geplante Verbot Medienberichten zufolge als "Verschwendung von Geld und Zeit".

Prohens argumentiert damit, dass eine solche Regelung in die Zuständigkeit der spanischen Zentralregierung falle. Damit könnte sie vor dem Verfassungsgericht wieder angefochten werden. Erst im November 2011 hatte der Senat in Madrid den Stierkampf zum "immateriellen Kulturgut" erklärt. Der Abgeordnete David Abril (Més) hingegen erklärte, dass es zwar einen Kompetenzkonflikt geben könne, "letztendlich habe aber Madrid die Zuständigkeit der Regionen ignoriert", wie die "Mallorca Zeitung" schreibt.

Obwohl der Stierkampf in Spanien ein Milliardengeschäft ist, schwindet die Popularität der Tradition. Wie die spanische Tageszeitung "El País" vergangenen Sommer berichtete, fanden 2015 zwei Drittel weniger Kämpfe als noch 2007 statt. Laut der Tierschutzorganisation Peta werde diese Tradition hauptsächlich von Touristen und Subventionen am Leben gehalten.

Peta begrüßt die Entscheidung des Balearen-Parlaments: "Das ist eine wegweisende Entscheidung", sagt Vanessa Reithinger, Fachreferentin Wildtiere. "Wir hoffen, dass weitere Regionen folgen werden." Inzwischen habe sich in Spanien eine breite Anti-Stierkampf-Front gebildet, so Reithinger. Die Tierschutzorganisation geht davon aus, dass trotzdem jährlich noch 30.000 bis 40.000 Stiere in der Arena getötet werden.

Gegen die Entscheidung des Parlaments kündigten die Verantwortlichen der Stiftung Kampfstier bereits Widerstand an. Sie behielten sich rechtliche Schritte gegen die Parteien vor, die den Stierkampf verbieten wollen, sagte Carlos Núñez, Präsident der spanischen Stierzüchter, gegenüber der Tageszeitung "Mallorca Diario". Er war extra nach Palma gereist, um sich dort mit den Parteimitgliedern zu treffen und ein Verbot abzuwenden.

(jnar)
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