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Tornado-Serie in der USA: Bisher 74 Tote in Kentucky

Schneise der Verwüstung : Bisher 74 Tote durch Tornado in Kentucky

Weggefegte Häuser, eingestürzte Fabriken: Eine Tornado-Serie stürzt weite Teile des Mittleren Westens und des Südens der USA ins Chaos. Die Einwohner der Kleinstadt Mayfield müssen wohl für längere Zeit ohne Strom und Wasser auskommen.

Bei der verheerenden Tornado-Serie im Mittleren Westen und im Süden der USA haben nach jüngsten Angaben mindestens 88 Menschen ihr Leben verloren. Allein im Staat Kentucky seien mindestens 74 Menschen ums Leben gekommen, teilte Gouverneur Andy Beshear am Montag mit. Wie viele Opfer letztlich zu beklagen sein werden, war noch immer nicht abzusehen. Die Verwüstungen machten es Einsatzkräften in einigen Gegenden Kentuckys nach Behördenangaben unmöglich, von Tür zu Tür nach Opfern und Überlebenden zu suchen. Mehr als 1000 Häuser seien „weg, einfach weg“, sagte Beshear zuvor. „Es gibt keine Türen.“

Verwirrung gab es zudem um die Zahl jener, denen im Ort Mayfield die Flucht aus einer Kerzenfabrik gelungen war, die der Tornado in der Nacht zum Samstag dem Erdboden gleich gemacht hatte. Noch am Samstag teilte Beshear mit, dass nur 40 von 110 Personen gerettet worden seien, die zu jenem Zeitpunkt im Werk gearbeitet hätten. 4,5 Meter hoch Stahl und kaputte Autos lägen jetzt dort, wo einmal das Dach gewesen sei, sagte der Gouverneur dem Sender CNN.

Doch am Sonntag teilte das Kerzenunternehmen mit, dass zwar acht Todesopfer und acht Vermisste bestätigt seien, aber mehr als 90 Personen ausfindig gemacht worden seien. Viele Angestellte hätten sich im Tornadoschutzraum verschanzt, sagte Firmensprecher Bob Ferguson. Nach dem Durchzug des Sturms hätten sie das Gelände verlassen und seien nach Hause gegangen. Von acht Mitarbeitern fehle noch jede Spur, doch hoffe man, sie aufzuspüren.

Insgesamt fünf Tornados trafen Kentucky, einer davon zog eine mehr als 320 Kilometer lange Schneise der Verwüstung. In Mayfield säumten zerstörte Autos und umgeknickte Strommasten die behelfsmäßig freigeräumten Straßen. Bei vielen der Häuser, die noch standen, fehlten Dächer und Fenster.

Feuerwehrleute in der Stadt hätten die klemmenden Türen ihrer Wache aus der Verankerung reißen müssen, um Einsatzwagen herauszubekommen, berichtete der Feuerwehrchef Jeremy Creason in der TV-Sendung „CBS Mornings“. Er lobte sein Personal. „Wir mussten versuchen, uns durch all den Schutt auf unseren Straßen zu manövrieren.“

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Mayfields Bürgermeisterin Kathy Stewart O'Nan warnte, dass die Menschen in ihrer Stadt inmitten niedriger Temperaturen nun für lange Zeit ohne Energie- und Wasserversorgung auskommen müssten. „Unsere Infrastruktur ist so beschädigt. Wir haben kein fließendes Wasser. Unser Wasserturm ist dahin. Die Abwasserwirtschaft ist dahin, und es gibt kein Erdgas in der Stadt“, sagte sie dem Sender CBS. „Also haben wir nichts, auf das wir uns da verlassen können.“ Viele Einwohner befänden sich nur im Überlebensmodus.

In ganz Kentucky waren rund 26.000 Haushalte und Unternehmen ohne Strom, wie der Dienstleister poweroutage.us mit, der solche Ausfälle in Amerika dokumentiert. Betroffen war demnach fast ganz Mayfield, eine Kleinstadt mit rund 10.000 Einwohnern. Michael Dossett, Leiter des Notfallmanagements von Kentucky, sagte später vor Reportern, dass mehr als 10.000 Haushalte und Geschäfte im Staat kein Wasser hätten. Für 17.000 weitere gelte jetzt die Vorgabe, Wasser vor dem Konsum abzukochen. Bis sich die am schlimmsten betroffenen Orte vollständig erholt hätten, würden nicht nur Monate, sondern Jahre vergangen sein, prophezeite Dossett.

Die Tornado-Serie galt in ihrer Wucht als außergewöhnlich, da das kältere Wetter im Dezember die Bildung solcher Stürme eigentlich erschwert. Doch war nicht nur Kentucky betroffen. In Illinois kamen mindestens sechs Menschen beim Einsturz eines Warenlagers ums Leben. In Tennessee gab es vier Tote, in Missouri zwei. Aus Arkansas, wo unter anderem ein Pflegeheim einstürzte, wurden ebenfalls zwei Todesopfer gemeldet.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Dutzende Tote nach verheerenden Tornados in den USA befürchtet

(mcv/dpa)