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Todesstrafe: Tennessee darf wieder mit dem Stuhl exekutieren

"New York Times" geißelt Todesstrafe : Tennessee darf wieder mit dem Stuhl exekutieren

Während eine der führenden Zeitungen in den USA die Todesstrafe verurteilt, hat der Bundesstaat Tennessee die Hinrichtung mithilfe des elektrischen Stuhls wieder erlaubt.

Die vom obersten US-Gericht gestoppte Hinrichtung im Bundesstaat Missouri hatte die Debatte über die Todesstrafe in den USA angeheizt. Die "New York Times" meinte in einem ungewöhnlich scharfen Kommentar am Freitag: "Es gibt keine sauberen Exekutionen." Die jüngste Kontroverse über Hinrichtungen mit der Giftspritze zeige vielmehr "die makabre Absurdität" der Todesstrafe in den USA.

Zugleich entschied der Südstaat Tennessee, dass demnächst wieder auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet werden darf - wenn keine Giftcocktails zur Verfügung stehen. Hintergrund sind zunehmende Berichte über das qualvolle Sterben von Verurteilten, weil die injizierten Gifte nicht schnell genug wirkten, sowie der Mangel an geeigneten Substanzen.

Der Tod durch einen Giftcocktail sei ebenso problematisch wie der Tod durch den elektrischen Stuhl, schrieb die "New York Times". In den meisten Fällen würden Hinrichtungen mit dem Gift "spätnachts hinter verschlossenen Türen durchgeführt". Wären die Amerikaner Zeugen, wären sie von den Qualen der Sterbenden schockiert, schrieb das Blatt.

Das Death Penalty Information Center bestätigte, dass der Gouverneur von Tennessee, Bill Haslam, ein Gesetz zur Erlaubnis von Exekutionen per elektrischem Stuhl gegeben habe. Bereits zuvor hatte der Senat des Staates ein entsprechendes Gesetz verabschiedet.

Debatte nach schockierender Hinrichtung in Oklahoma

Die Debatte war nach dem qualvollen Tod des Verurteilten Clayton Lockett Ende April in Ohio neue eröffnet worden. Lockett starb unter extremen Schmerzen, erst 43 Minuten nachdem ihm die giftigen Substanzen injiziert worden waren. Millionen Amerikaner waren über den Fall schockiert.

Erst am Mittwoch hatte der Supreme Court entschieden, dass der Mörder Russell Bucklew im Bundesstaat Missouri vorerst nicht exekutiert werden darf. Der 46-Jährige hatte gesundheitliche Probleme geltend gemacht, die eine Exekution mit einem Giftcocktail äußerst schmerzhaft machen könnten.

Hintergrund der Probleme sind Nachschubprobleme der USA bei den zur Tötung eingesetzten Substanzen. Europäische Hersteller weigern sich, sie für Hinrichtungen zur Verfügung zu stellen.

Laut Death Penalty Information Center gibt es die Todesstrafe in 32 der 50 US-Saaten, in aller Regel wird diese mit Gift durchgeführt.
Sieben Staaten erlauben den Verurteilten die Wahl zwischen elektrischem Stuhl oder Gift.

Allein dieses Jahr seien 20 Menschen vom Staat hingerichtet worden, im vergangen Jahr 39. Die weitaus meisten Exekutionen gebe es in den Südstaaten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Protest gegen die Bucklew-Hinrichtung

(dpa)