1. Panorama
  2. Ausland

Todesfall Breonna Taylor: Polizist muss sich nicht verantworten - USA

Polizeigewalt : Polizist muss sich nicht für Tod von Breonna Taylor verantworten

Fälle wie der von Taylor und George Floyd trieben in den vergangenen Monaten Demonstranten in den USA zu Massenprotesten gegen Rassismus und Polizeigewalt. Die Schwarze wurde in ihrer eigenen Wohnung erschossen, angeklagt wird der Polizist aber dafür nicht.

Keiner der beteiligten Polizisten muss sich für den Tod der schwarzen Frau Breonna Taylor bei einer Drogenrazzia im US-Staat Kentucky vor sechs Monaten verantworten. Einer von ihnen wurde am Mittwoch zwar angeklagt, aber nicht wegen eines Tötungsdelikts, sondern lediglich wegen mutwilliger Gefährdung von Taylors Nachbarn. Der Tod der Frau hatte ebenso wie der des Schwarzen George Floyd zu den Massenprotesten gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA beigetragen. Die Entscheidung vom Mittwoch sorgte für neue Empörung.

Der Justizminister von Kentucky, Daniel Cameron, sagte, die Gewaltanwendung der beiden anderen Polizisten sei gerechtfertigt gewesen. Sie hätten sich nur selbst geschützt und könnten deshalb nach den Gesetzen des Staates Kentucky nicht angeklagt werden. Das FBI ermittle aber weiter, ob die Beamten gegen ein Gesetz auf Bundesebene verstoßen haben.

Taylors Anwalt Ben Crump schrieb auf Twitter, es sei „empörend und beleidigend“, dass niemand für den Tod seiner Mandantin zur Rechenschaft gezogen werde. Cameron, ein afroamerikanischer Republikaner, sagte, er verstehe die Enttäuschung, und der Tod Taylors sei zweifellos eine Tragödie. Die Fakten und Beweise in diesem Fall seien aber andere als bei anderen Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze.

Die Notfallsanitäterin Taylor war in ihrer eigenen Wohnung erschossen worden, als Polizisten sie am 13. März bei einer Drogenrazzia stürmten. Taylors Freund schoss daraufhin einen Polizisten an - nach eigenen Angaben in Selbstverteidigung, weil er nicht wusste, dass es die Polizei war. Der nun angeklagte Polizist, ein Weißer, feuerte mindestens zehn Schüsse in die Wohnung, Taylor wurde mehrfach getroffen. Der Polizist wurde bereits im Juni wegen unangemessener Gewaltanwendung entlassen. Angeklagt wurde er nun unter dem Vorwurf, auch in die Nachbarwohnungen geschossen und damit Unbeteiligte gefährdet zu haben.

Drogen wurden bei der Razzia keine gefunden. Taylors Freund wurde zunächst wegen versuchten Mordes angeklagt, die Staatsanwaltschaft ließ die Vorwürfe dann aber fallen. Am 15. September einigte sich die Stadt Louisville mit der Mutter der Frau auf eine Entschädigungszahlung von 12 Millionen Dollar.

Viele Demonstranten in Taylors Heimatstadt Louisville und darüber hinaus hatten darauf gedrängt, die Polizei für den Tod der Frau zur Rechenschaft zu ziehen. Auch Stars wie Beyoncé und Oprah Winfrey hatten sich dafür stark gemacht. Wegen möglicher neuer Proteste nach der Verkündung der Anklage wurde eine nächtliche Ausgangssperre in Louisville verhängt.

(özi/dpa)