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"Titanic"-Unglück: Unternehmen will Funkgerät des Schiffs bergen

Mehr als 100 Jahre nach Untergang : Unternehmen will Funkgerät der „Titanic“ bergen

Für Hunderte Verzweifelte an Bord war das Funkgerät der „Titanic“ die letzte Hoffnung. Seine Notrufe wurden zwar gehört, doch es versank mit mehr als 1000 Menschen. Jetzt will eine Firma das Symbol der Tragödie aus dem Nordatlantik holen – und stößt auf Bürokraten.

Ein US-Unternehmen will an das Funkgerät des gesunkenen Luxusdampfers „Titanic“ herankommen und muss dafür erst einmal den Rechtsweg beschreiten. Der von der Firma R.M.S. Titanic als Zeuge benannte Ozeanograph David Gallo sagte am Donnerstag vor einem Bundesgericht in Norfolk, es sei keine Grabräuberei, den Telegraf der „Titanic“ zu bergen. Vielmehr könne man die Menschen von heute in Verbindung mit dem Schiff bringen und dessen Passagiere ehren. Doch die US-Ozeanographiebehörde NOAA stellt sich quer.

Die „Titanic“ hatte auf der Fahrt von England nach New York einen Eisberg gerammt. Während das Luxusschiff voll Wasser lief, setzte es über das leistungsstarke Gerät des Herstellers Marconi Notrufe ab und meldete verzweifelte Versuche, Passagiere zu retten. Die „Titanic“ sank in weniger als drei Stunden. Von den 2208 Menschen an Bord überlebten nur etwas mehr als 700. Das Wrack wurde 1985 auf dem Grund des Nordatlantiks 645 Kilometer vor Neufundland lokalisiert. R.M.S. Titanic hat als vom Gericht bestelltes Bergungsunternehmen im Laufe der Jahre von dort Tausende Gegenstände geborgen, darunter Silberbesteck, Porzellan und Goldmünzen.

Jetzt hat die Firma beantragt, auch das Funkgerät zu bergen und unter Verweis auf den zunehmenden Verfall des Wracks zur Eile gemahnt. Ein Treppenhaus sei schon eingestürzt, das Dach über dem Funkraum sei durchlöchert, schrieb sie. „Ich bin nicht sicher, ob das Dach nicht über allem zusammengebrochen ist, wenn wir 2020 loslegen“, sagte der Leiter des Unterwasser-Forschungsprogramms, Paul Henry Nargeolet.

Die NOAA hielt dagegen, bislang habe R.M.S. Titanic nur Gegenstände aus dem Trümmerfeld um das Wrack geborgen. Gestatte man jetzt, das Marconi-Gerät aus dem Schiffsinneren zu holen, schaffe das einen Präzedenzfall für weitere Begehrlichkeiten, argumentierte Bundesanwalt Kent Porter. Die Präsidentin der Titanic-Gesellschaft in Massachusetts, Karen Kamuda, verwies in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AP darauf, dass das Wrack als Grabstätte eingestuft worden ist.

Die für Bergungen von der „Titanic“ zuständige Richterin Rebecca Beach Smith sagte am Donnerstag (Ortszeit), es sei noch zu früh für eine Entscheidung und schlug eine weitere Anhörung vor.

(c-st/dpa)