Unglück vor einem Jahr So ging es nach der „Titan“-Implosion weiter

​ Washington · Das Unglück des Tauchboots „Titan“ mit fünf Toten im Nordatlantik schockierte die Welt. Während noch Untersuchungen zum Vorfall noch laufen, gibt es schon Pläne für neue Expeditionen zur „Titanic“.

Tauchboot "Titan":  Suche nahe der Titanic
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Tauchboot „Titan“ implodiert – die Suche und die Insassen

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Foto: dpa/Oceangate Expeditions

Rasend schnell verbreitete sich die Nachricht im vergangenen Juni um die ganze Welt: Ein Tauchboot mit fünf Insassen an Bord, das zu einer Erkundungstour des „Titanic“-Wracks im Nordatlantik aufgebrochen war, war verschollen. Mehrere Tage lang bangten Menschen weltweit um das Leben der am Dienstag (18. Juni) vor einem Jahr aufgebrochenen Insassen - und diskutierten gleichzeitig intensiv die Sinnfrage von solchen risikobehafteten und extrem teuren Erkundungstouren.

Nach einer großangelegten Suche rund 700 Kilometer südlich des kanadischen Neufundland gab es vier Tage später Gewissheit: Trümmer des Tiefsee-Tauchbootes „Titan“ seien gefunden worden, man müsse vom Tod der Insassen ausgehen, teilte die US-Küstenwache mit. Die Trümmer lagen nur knapp 500 Meter vom Bug des „Titanic“-Wracks entfernt.

Die „Titan“ war nie offiziell zugelassen worden

In dem rund sieben Meter langen und 2,5 Meter hohen Tauchboot, das nur mit einem Bullauge und einer einfachen Bordtoilette ausgestattet war, saßen fünf Menschen: der französische Wissenschaftler Paul-Henri Nargeolet (77), der britische Abenteurer Hamish Harding (58), der britisch-pakistanische Unternehmensberater Shahzada Dawood (48) und dessen 19-jähriger Sohn Suleman sowie der Chef der US-Betreiberfirma Oceangate, Stockton Rush (61).

Oceangate hatte die Tiefsee-Expeditionen zur „Titanic“ für etwa 250 000 Dollar pro Person im Angebot und schon rund ein halbes Dutzend Mal durchgeführt - aber war dabei von Beginn an - wie erst später öffentlich bekannt wurde - mit Sicherheitsbedenken zahlreicher Experten konfrontiert worden. „Titan“ war von keiner Behörde oder Einrichtung für bemannte Tiefseetauchgänge überprüft, zertifiziert oder offiziell zugelassen worden. Standards seien umgangen und Warnungen missachtet worden, hieß es.

Wie ging es nach dem Unglück weiter?

Wie ist der Stand ein Jahr nach dem Unglück? „Oceangate hat alle Erforschungen und kommerziellen Geschäftstätigkeiten eingestellt“, heißt es heute auf der Webseite des Unternehmens. Untersuchungen des Vorfalls laufen unter anderem bei der US-Küstenwache und der Transportsicherheitsbehörde Kanadas.

Dafür werden auch die gefundenen Trümmerteile und menschlichen Überreste untersucht, die ein Tauchroboter knapp 500 Meter vom Bug des „Titanic“-Wracks entfernt gefunden hatte und die dann geborgen wurden. Den Erkenntnissen zufolge deutet alles darauf hin, dass der Rumpf des Boots dem enormen Wasserdruck nachgab und implodierte.

Die Untersuchung befinde sich nach wie vor in der „Faktenermittlungsphase“, teilte die US-Küstenwache auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Man sammele alle relevanten Beweise und Informationen. Auch eine öffentliche Anhörung sei dabei geplant, ein Termin stehe allerdings nicht fest. Auch wann die Untersuchung abgeschlossen werden könne, sei nicht absehbar.

Weiterhin Erkundungstouren zur „Titanic“ möglich

Die Faszination für die „Titanic“ - dem Luxusdampfer, bei dessen Untergang im Jahr 1912 mehr als 1500 Menschen starben und dessen Wrack in rund 3800 Metern auf dem Meeresgrund vor Neufundland liegt - und für die Erkundung der Tiefsee-Welt überhaupt, scheint aber anzudauern. In New York feierte gerade der renommierte Explorers Club, in dem sowohl Nargeolet als auch Harding Mitglieder waren, mit einer mehrtägigen schicken Veranstaltung sein 120. Jubiläum.

Die kleine Nischenbranche der privaten U-Boot-Bauer und Erkundungstouren-Anbieter, zu deren Kunden fast ausschließlich Menschen mit sehr viel Geld gehören, habe einen Dämpfer erlitten, aber sei weiter aktiv, berichtete jüngst das „Wall Street Journal“. „Diese Tragödie hat eine eisige Wirkung auf das Interesse der Menschen an diesen Fahrzeugen gehabt“, wurde Patrick Lahey zitiert, Gründer und Chef der im US-Bundesstaat Florida ansässigen Firma Triton Submarines, die private U-Boote entwickelt und baut und eigenen Angaben zufolge in den vergangenen 15 Jahren 18 ausgeliefert hat. „Sie hat diese alten Mythen wieder hervorgebracht, dass nur Verrückte in einem dieser Dinger tauchen würden.“ Ein bestehender Vertrag sei nach der Tragödie vom angehenden Käufer sofort aufgelöst worden, sagt Lahey, der nach eigenen Angaben mit dem verunglückten Nargeolet befreundet war.

Die niederländische Firma U-Boat Worx musste nach eigenen Angaben seit der Tragödie wegen mangelnder Nachfrage rund die Hälfte ihrer Mitarbeiter entlassen. Beide Firmen betonen aber auch: Sie seien nicht wie Oceangate, für sie stehe Sicherheit an allerhöchster Stelle und alle von ihnen angefertigten U-Boote würden von offiziellen Behörden geprüft und zugelassen, bevor sie benutzt würden.

Milliardär kündigt neue Expedition an

Ein Milliardär hat dem „Wall Street Journal“ zufolge sogar schon wieder vor, zur „Titanic“ zu tauchen. Die Expedition solle an einem noch nicht festgelegten Startdatum gemeinsam mit Triton-Gründer Lahey in einem von dessen Firma angefertigten Tauchboot stattfinden, wurde Larry Connor zitiert, ein Unternehmer aus dem US-Bundesstaat Ohio, der schon zahlreiche Tauch-Expeditionen und auch schon einen Weltraumflug zur Internationalen Raumstation ISS hinter sich hat. „Ich möchte den Menschen auf der ganzen Welt zeigen, dass der Ozean zwar sehr mächtig ist, aber dass er auch wunderbar und schön und wirklich lebensverändernd sein kann - wenn man es richtig angeht.“

(esch/dpa)