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Tel Aviv: Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt eskaliert

Äthiopischstämmige Juden in Israel : Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt eskaliert

In Israel ist es bei einer Demonstration äthiopischstämmiger Juden gegen Rassismus und Polizeigewalt erneut zu schweren Zusammenstößen gekommen: Drei Tage nach Ausschreitungen in Jerusalem lieferten sich am Sonntagabend Teilnehmer eines Protestmarschs in Tel Aviv Straßenschlachten mit Sicherheitskräften.

Nach Angaben der Organisatoren setzte die Polizei Blendgranaten und Wasserwerfer ein. Teilnehmer warfen Gegenstände auf Polizisten. 55 Polizisten und zwölf Demonstranten wurden nach Polizeiangaben verletzt, 43 Demonstranten wurden festgenommen.

Medien berichteten unter Berufung auf die Organisatoren von rund 10.000 Teilnehmern, laut Polizei waren es 3000. Wie ein AFP-Reporter berichtete, schlossen sich zahlreiche andere Israelis den äthiopischstämmigen Demonstranten an. Die Teilnehmer forderten gleiche Rechte für alle und die Bestrafung gewalttätiger Polizisten. Erst am Donnerstag war eine enstprechende Demonstration mit rund 2000 Teilnehmern in Jerusalem in Gewalt umgeschlagen, es gab Verletzte und Festnahmen.

Bericht über Angriff war Auslöser für die Proteste

Auslöser der Proteste waren Medienberichte über einen Übergriff auf einen Israeli äthiopischer Herkunft in der südisraelischen Stadt Beerscheba. Der Mann gab an, von Beamten der Einwanderungsbehörde angegriffen worden zu sein, weil sie ihn für einen Einwanderer ohne gültige Papiere hielten. In der Woche zuvor hatte zudem ein Video für Empörung gesorgt, in dem Polizisten den äthiopischstämmigen Soldaten Damas Pakada schlagen.

In Tel Aviv blockierten die Demonstranten zunächst während des Berufsverkehrs eine wichtige Straße und lösten damit Staus aus. Dann marschierten die Demonstranten durch die Innenstadt von Tel Aviv. Viele Teilnehmer reckten ihre Arme über Kreuz in die Luft, als steckten sie in Handschellen. "Ich bin schwarz, deshalb muss ich heute demonstrieren", sagte der 34-jährige Eddie Maconen. Er selbst habe nie Polizeigewalt erlebt, aber seine Gemeinde sei betroffen. Teilnehmer Zion Cohen sagte, er wolle seine äthiopischstämmigen Mitbürger unterstützen. "Sie haben hundertprozentig recht", sagte er. "Israel ist ein rassistisches Land und wir akzeptieren das nicht."

Der Demonstrationszug zog weiter zum Rathaus von Tel Aviv, wo die Lage eskalierte: Berittene Polizisten setzten Blendgranaten ein, um die Menge auseinanderzutreiben und von einem Sturm auf das Rathaus abzuhalten. Die Polizei setzte zudem Wasserwerfer und Pfefferspray ein und versuchte, Demonstranten aus den umliegenden Straßen zu vertreiben. Diese kehrten jedoch immer wieder zurück.

Die Demonstranten warfen ihrerseits Steine, Flaschen und Stühle auf die Beamten. Nach Angaben von Rettungskräften wurden 23 Polizisten und sieben Demonstranten bei den Zusammenstößen verletzt. Polizeisprecherin Luba Samri sagte, mehrere Demonstranten seien festgenommen worden.

Israels Sicherheitsminister Jizchak Aharonovitsch sagte, es sei schwierig gegen den "Aufstand" anzugehen, da dieser keine eindeutige Führungsspitze habe. "Es gibt keinen, mit dem man reden kann", sagte er zu Journalisten.

Israelischer Präsident räumt Fehler ein

Der israelische Präsident Reuven Rivlin hat Fehler im Umgang mit den äthiopischstämmigen Juden in Israel eingeräumt. "Wir haben Fehler gemacht", sagte Rivlin am Montag. "Wir haben nicht genau genug hingesehen und nicht genau genug zugehört." Die gewaltsamen Proteste der vergangenen Tage hätten gezeigt, dass es "im Herzen des israelischen Gesellschaft" eine "offene Wunde" gebe.

Auslöser der Proteste, die schon seit einigen Tagen andauern, waren Medienberichte über einen Übergriff auf einen Israeli äthiopischer Herkunft in der südisraelischen Stadt Beerscheba. Der Mann gab an, von Beamten der Einwanderungsbehörde angegriffen worden zu sein, weil sie ihn für einen Einwanderer ohne gültige Papiere hielten. Für weitere Empörung sorgte ein Video, in dem Polizisten den äthiopischstämmigen Soldaten Damas Pakada schlagen.

In Israel leben mehr als 135.000 Juden äthiopischer Herkunft, die vor allem in zwei Einwanderungswellen 1984 und 1991 ins Land kamen. Bis heute sind die meisten von ihnen nicht in die israelische Gesellschaft integriert.

Zu Beginn der Demonstration in Tel Aviv war eine Erklärung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu bekannt worden, worin dieser für Montag ein Treffen mit dem Soldaten Damas Pakada sowie mit anderen Vertretern der äthiopischen Gemeinde ankündigte. In Israel leben mehr als 135.000 Juden äthiopischer Herkunft, die vor allem in zwei Einwanderungswellen 1984 und 1991 ins Land kamen. Bis heute sind die meisten von ihnen nicht in die israelische Gesellschaft integriert.

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(AFP)