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Feministen-Kampagne: "TaTaTops" - der Nippel-Bikini hinterfragt die Brust

Feministen-Kampagne : "TaTaTops" - der Nippel-Bikini hinterfragt die Brust

Von wegen Skandal. Die Frau da vorne splitterfasernackt am Strand ist gar nicht nackt. Sie tut nur so. #TheTaTaTop heißt ihr Projekt. Es setzt sich ein für Frauen und ihr Recht auf Freiheit.

Ein kleines Stück Stoff löst in Amerika beachtlichen Wirbel aus. Es geht um das TaTaTop, ein Bikini-Oberteil, das nicht nur hautfarben ist, sondern mittig auch noch zwei Aufdrucke zeigt, die Brustwarzen täuschend ähnlich sehen. Aus der Entfernung von einigen Metern ist nicht mehr zu sehen, dass die Trägerin eines TaTaTops bekleidet ist.

Insbesondere in den öffentlich eher prüden USA ist das ein Politikum. Nackt-Auftritte sind in manchen Bundesstaaten verboten. Scout Willis, Tochter von Bruce Willis, protestierte erst vor wenigen Wochen barbusig beim Einkaufen dagegen. Ihr Anliegen verstand sich als Teil einer ganzen Bewegung unter dem Hashtag #Freethenipple.

Denselben feministischen Geist atmet auch das TaTaTop. Dahinter verbergen sich zwei selbstbewusste und experimentierfreudige Frauen: Robyn und Michelle Lytle aus Chicago. Auch sie verstehen Gesetze, die es Frauen verbieten, mit freiem Oberkörper in der Öffentlichkeit aufzutreten, als Eingriff in ihre persönliche Freiheit.

Mit ihrem Bikini-Oberteil provozieren sie nun nicht nur das Gesetz, sondern auch unser Verständnis von gesellschaftlichen Normen und Scham. In ihrem Blog erläutern sie ausführlich ihre Beweggründe: "Lassen wir doch die ganzen überlieferten Normen einmal beiseite und betrachten die Situation so, als ob wir sie einem Außerirdischen erklären müssten, der gerade auf die Erde gekommen ist", schreiben sie. "Erklären wir ihm, warum Frauen ihre Brust bedecken müssen und Männer nicht, welchen Grund würdest du nennen?"

Solche Gedanken seien der Auslöser gewesen, den TaTaTop auf den Markt zu bringen. Nicht nur aus bierernstem Trotz, sondern auch Spaß am Experiment, wie sie einräumen. Sie verstehen den Bikini auch als Spiel mit den Normen. Denn was ist es eigentlich, was anderen die Schamesröte ins Gesicht treibt? Der nackte Busen? Oder auch ein Stück Stoff, das so aussieht wie ein nackter Busen.

Dabei stellt ihre Provokation auch das Recht vor Probleme. Denn auch das Gesetz muss solche Fragen beantworten. Was ist da eigentlich verboten? Der nackte Busen in der Öffentlichkeit? Dann sind die Trägerinnen eines TaTaTops fein raus. Seine Erfinderinnen haben allem Anschein nach einen Heidenspaß daran, solche Verbote ad absurdum zu führen. "Sie sehen nackt aus, sind es aber gar nicht. Und deshalb brechen Sie auch kein Gesetz", heißt es im TaTa-Blog.

Als ihr Ziel geben sie aus, den Nippel zu entsexualisieren, ähnlich wie es im Lauf der Kulturgeschichte etwa dem weiblichen Bein ergangen ist. In ihrem Blog zeigen Robyn und Michelle Lytle genüsslich ein altes Foto, das zeigt, wie zwei Frauen am Strand festgenommen werden, weil ihre Badehosen nicht übers Knie reichten.

Den Brust-Bikini verkaufen die zwei nun frei ab 28 Dollar in ihrem Online-Shop, fünf davon versprechen sie als Spende an eine Stiftung für Brustkrebsforschung weiterzuleiten.

Um ihre Kampagne ans Laufen zu bringen nutzen sie mit durchaus beachtlichem Erfolg soziale Netzwerke wie zum Facebook, Twitter und Instagram. Käufer sind aufgerufen, TaTaTop-Fotos unter dem entsprechenden Hashtag hochzuladen.

Die Resonanz ist bemerkenswert. Bilder von TaTaTop-Fans zeigen wir hier in einem Rundblick auf das Social Web.

Hier geht es zur Infostrecke: Frauen (und Männer) zeigen ihren TaTaTop

(pst)