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Südafrika: Verheerende Feuer in Kapstadt und Johannesburg

Mehrere historische Gebäude zerstört : Großbrände in Südafrikas Metropolen verwüsten Uni und Hospital

Ein Wochenende mit verheerenden Großbränden hat Südafrika schwer getroffen. Inmitten der Corona-Pandemie wird eines der größten Hospitäler des Landes in Johannesburg evakuiert. Und in Kapstadt gehen historisch wertvolle Gebäude und Bücher in Flammen auf.

Flammen, Rauch, Chaos, Zerstörung: In Südafrikas Touristenmetropole Kapstadt hat ein seit dem Wochenende wütender Großbrand schwere Schäden verursacht. Das Haus von Südafrikas Arbeitsminister Thulas Nxesi brannte komplett nieder, sieben weitere Häuser von Kabinettsmitgliedern in der Nähe des Parlaments mussten evakuiert werden, erklärte die zuständige Ministerin Patricia de Lille dem TV-Sender eNCA. Betroffen war auch das Universitätsgelände – rund 4000 Studenten mussten ihre Unterkünfte fluchtartig verlassen. Ein Uni-Sprecher sprach am Montag von einem Bild der Verwüstung.

„Das Ausmaß der Schäden ist massiv“, sagte auch Kapstadts Bürgermeister Dan Plato am Mittag auf einer Pressekonferenz. Angesichts der zerstörten Kulturgüter zählt der Brand nach Einschätzung der Stadtverwaltung zu den folgenschwersten. Mehrere historische Gebäude – darunter eine Bibliothek mit wertvollen historischen Büchern, aber auch Südafrikas älteste Windmühle – wurden durch das Feuer zerstört. Die Leiterin der Universität, Professorin Mamokgethi Phakeng, sprach am Abend in einem TV-Interview von mehr als 3500 wertvollen historischen Sammlungen, die unwiederbringlich zerstört seien. Nur einige seien digitalisiert gewesen.

„Wir sind am Boden zerstört – wir haben enorm viel verloren“, sagte sie. Einige wenige Bestände seien aber gerettet worden. Allein den Schaden am historischen Büchereigebäude schätzte sie auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Aus aller Welt träfen nun Hilfsangebote ein, sagte Phakeng.

An einer Flanke von Kapstadts Wahrzeichen, dem Tafelberg, brannte es auch am Montag auf mehreren Hektar Fläche. Im Stadtteil Zonnebloem wurden mehrere Schulen geräumt. „Überall ist Asche, überall Rauch“, sagte Schulleiterin Heather Calmeyer Reportern vor Ort. Viele Eltern konnten ihre Kinder nur unter Mühen abholen, da zahlreiche Verkehrsachsen gesperrt waren.

Heftige Winde erschwerten den Einsatz der Lösch-Helikopter. Behörden riefen dazu auf, der von den Flammen bedrohten Innenstadt vorerst fern zu bleiben. „Dieses Feuer wird uns noch Tage beschäftigen“, meinte Philip Prins von der Nationalparkverwaltung am Tafelberg. Laut Bürgermeister Plato wurde die weitere Ausbreitung des Feuers gegen Mittag gestoppt, auch wenn immer wieder Brandnester aufflammten. Entwarnung wurde mit Hinweis auf den starken Wind nicht gegeben.

Nachdem am Vortag mehrere Lösch-Helikopter im Einsatz waren, war dies am Montag nicht nur wegen der schlechten Sicht unmöglich. „Wir haben Windgeschwindigkeiten zwischen 45 und 50 Kilometern pro Stunde“, sagte Prins dem TV-Sender eNCA. Hunderte Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen, einige von ihnen erlitten Brandwunden.

Nach Angaben von Rettungsdiensten war das Feuer am Sonntagmorgen ausgebrochen. Ursache sei vermutlich ein von einem Obdachlosen entzündetes Lagerfeuer gewesen, hieß es. Ein Sprecher der Stadt erklärte, ein etwa 30-jähriger Mann sei festgenommen worden und habe gestanden, ein Feuer gelegt zu haben. Zeugen hätten ihn gemeinsam mit zwei anderen Obdachlosen beobachtet und Alarm geschlagen. Er soll sich nun wegen Brandstiftung vor Gericht verantworten. „Es ist möglich, dass er ein Feuer zum Kochen angefacht hat, das außer Kontrolle geriet“, meinte der Sprecher. Allerdings hätten Zeugen von weiteren, durch die Männer gelegten Feuern gesprochen.

Der Tafelberg und der ihn umgebende Nationalpark stehen unter Naturschutz. In Südafrikas Trockenzeit kommt es häufig zu schlimmen Bränden. Allerdings war es in der diesjährigen Saison von Mitte November bis April das erste schwere Feuer in der Region.

Ein Sprecher der Universität Kapstadt sprach von verheerenden Schäden auf dem Campus sowie zahlreichen Gebäuden. Die Hochschule ist vorerst geschlossen. Der Großbrand könnte Auswirkungen auf das akademische Jahr haben, das schon von der Corona-Pandemie geprägt war.

Auswirkungen auf die medizinische Versorgung hatte ein stundenlanges Feuer in einem der größten Krankenhäuser des Landes in Johannesburg, das evakuiert und für mindestens sieben Tagen gesperrt ist. Am Montag wurde bekannt, dass die strukturellen Schäden an den Stützpfeilern eine längere Schließung des Charlotte-Maxeke-Hospitals nötig machen könnten.

Dieser Brand war am Freitagmorgen in einem Lagerraum für medizinisches Gerät ausgebrochen. Das für über 1000 Betten ausgelegte Hospital ist eines der größten Krankenhäuser der Millionenstadt. Die Löscharbeiten wurden erschwert durch Probleme mit Wasserhydranten.

(bora/desa/dpa)