"Charlie Hebdo": Streit um Liebesleben begleitet Trauer um Charb

"Charlie Hebdo" : Streit um Liebesleben begleitet Trauer um Charb

Die Trauer um den von Terroristen getöteten "Charlie Hebdo"-Chef Stéphane Charbonnier wird von einem unschönen Streit um dessen früheres Liebesleben begleitet.

Der Bruder des Karikaturisten behauptete am Wochenende öffentlich, der unter dem Künstlernamen arbeitende Charb habe nicht in einer festen Beziehung mit der früheren Staatssekretärin Jeannette Bougrab gelebt. Gleichzeitig forderte er die Politikerin im Namen der Familie auf, sich nicht mehr in den Medien zu seinem Bruder zu äußern.

Bougrab schlug jetzt zurück und stellte der Wochenzeitschrift "Paris Match" ein Foto zur Verfügung, das diese Darstellung unglaubwürdig erscheinen lässt. Das Bild zeigt einen glücklich wirkenden Charbonnier, der Bougrab und deren drei Jahre alte Tochter May in den Armen hält. Die Aufnahme soll zum Jahreswechsel entstanden sein.

Bougrab hatte nach eigenen Angaben noch rund eineinhalb Stunden vor dem Anschlag Kontakt zu Charbonnier. "Stéphane hat mir eine SMS geschickt. Er hatte inspiriert von meiner Tochter ein kleines Mädchen gezeichnet, das er für ein Comic-Projekt nutzen wollte", erzählte die 41-Jährige "Paris Match". Der Zeichnung hinzugefügt habe Charbonnier ein Herz, um zu sagen: "Ich liebe Dich". Ihre Tochter May habe "Charb" bereits Papa genannt, berichtete Bougrab weiter. Die Beziehung soll bereits knapp drei Jahre angedauert haben.

Als möglicher Hintergrund für die schlechten Beziehungen zwischen der Familie von Charbonnier und Bougrab gilt deren politisches Engagement für die Partei des früheren französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. "Es stimmt, wir waren unterschiedlich. Er war Kommunist, ich UMP-Mitglied", sagte Bougrab. Sie habe Charb aber dennoch schon lange vor dem ersten Treffen verehrt - auch weil dieser so mutig den radikalen Islam angeprangert habe.

Der französischen Nachrichtenagentur AFP sagte Bougrab am Wochenende, sie werde aus Rücksicht auf die Familie von Charbonnier nicht zu dessen Beerdigung kommen, die für diesen Freitag geplant ist. Sie ergänzte: "Ich habe nicht die Kraft, dafür zu kämpfen."

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(dpa)
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