Straßenkämpfe in Mexiko: Sohn von „El Chapo“ im Visier der Polizei

Medienberichte : Sohn von „El Chapo“ im Visier der Polizei - Straßenkämpfe in Mexiko

Die Szenen aus Videos in sozialen Medien erinnern an Kriegsgebiete: In Mexiko brachen am Donnerstag schwere Kämpfe auf der Straße aus. Hintergrund: Sicherheitskräfte fanden einen Sohn von Drogenbaron „El Chapo“.

Im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa ist es zu intensiven Schusswechseln und schweren Kämpfen gekommen. Sicherheitskräfte hatten zuvor einen der Söhne des Drogenbarons Joaquín „El Chapo“ Guzmán lokalisiert, wie der mexikanische Sicherheitsminister Alfonso Durazo am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte. Es war zunächst unklar, ob Ovidio Guzmán festgenommen wurde.

Durazo zufolge waren 30 Mitglieder der Nationalgarde und der Armee in der Hauptstadt Culiacán unterwegs, als von einem Haus aus auf sie geschossen wurde. Sie hätten den Angriff erwidert und in dem Haus Ovidio Guzmán López angetroffen. Das Gebäude sei dann von schwer bewaffneten Schützen umstellt worden. Das Sicherheitskabinett habe entschieden, die Operation abzubrechen, „mit dem Ziel, das Wohlergehen und die Ruhe der Gesellschaft in Culiacán zu schützen“, sagte Durazo.

Ein Anwalt der Familie Guzmán, José Luis González Meza, sagte der Nachrichtenagentur AP, die Familie habe ihm mitgeteilt: „Ovidio ist am Leben und frei“. Weitere Details hatte González Meza nicht.

Ovidio Guzmán wird in den USA wegen Drogenschmuggels gesucht. Er ist nicht der bekannteste Sohn von „El Chapo“: Iván Archivaldo Guzmán und Jesús Alfredo Guzmán, bekannt als „Los Chapitos“ („die kleinen Chapos“) sollen das Sinaloa Cartel derzeit führen, gemeinsam mit einem weiteren Mann. Ovidio Guzmán wurde 2018 von einer Grand Jury in Washington beschuldigt, gemeinsam mit einem vierten Bruder Kokain, Metamphetamin und Marihuana zu schmuggeln.

Nach der Lokalisierung von Ovidio Guzmán am Donnerstag brach Gewalt in Culiacán aus. Bewaffnete Zivilisten brausten in Lkws durch das Stadtzentrum und schossen, möglicherweise aus Präzisionsgewehren und Maschinengewehren. Auf Videos in sozialen Netzwerken waren Szenen zu sehen, die an Kriegsgebiete erinnerten. Einige Leute trugen schwarze Skimasken über ihren Gesichtern und schossen von der Ladefläche von Wagen. Fahrer versuchten, im Rückwärtsgang von den Kämpfen wegzukommen.

Der Sicherheitsdirektor des Bundesstaates, Cristóbal Castañeda, sagte dem Fernsehsender Milenio, es gebe Verletzte. Ihm zufolge blockierten Bewaffnete Straßen mit brennenden Autos, eine gebräuchliche Taktik, um Sicherheitskräfte zu behindern. Gleichzeitig brachen ihm zufolge 20 bis 30 Häftlinge au. Die Polizei fing nur einige von ihnen wieder ein.

Anwohnern wurde geraten, ihre Häuser nicht zu verlassen. Der Fußballverein Dorados sagte ein Spiel aus Sicherheitsgründen ab. Der Schulunterricht für Freitag wurde gestrichen, Geschäfte sollten laut Gouverneur Quirino Ordaz aber normal öffnen. Berichten zufolge fuhren jedoch keine öffentlichen Verkehrsmittel oder Taxis.

In Sinaloa ist das gleichnamige Drogenkartell beheimatet, das „El Chapo“ geführt hatte. Er wurde im Juli in den USA zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach seiner Festnahme 2016 brach ein Kampf um seine Nachfolge aus. Guzmán hat viele Kinder.

(zim/dpa)
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