Todesdrohung besteht seit 1989: Stiftung erhöht Kopfgeld für Salman Rushdie

Todesdrohung besteht seit 1989: Stiftung erhöht Kopfgeld für Salman Rushdie

Inmitten der gewaltsamen Proteste in muslimischen Ländern gegen einen als islamfeindlich empfundenen Film hat eine iranische Stiftung Medienberichten zufolge das Kopfgeld für die Tötung von Salman Rushdie erhöht.

Der indisch-britische Schriftsteller hatte 1988 den Roman "Die satanischen Verse" veröffentlicht und damit Proteste von Muslimen ausgelöst, die das Buch als Beleidigung des Propheten Mohammed empfanden. In Pakistan und Indien wurden bei den Ausschreitungen etliche Menschen getötet.

Wegen dieses Buches wurde das Kopfgeld auf Rushdie ausgesprochen. Foto: amazon

Der iranischen Tageszeitung "Dschomhoori Eslami" und anderen Medien zufolge erhöhte die 15 Chordad Foundation das für die Tötung von Rushdie ausgelobte Kopfgeld von 2,8 Millionen Dollar auf 3,3 Millionen Dollar (umgerechnet 2,5 Millionen Euro). Wer die vom mittlerweile verstorbenen iranischen Ajatollah Ruhollah Chomeini 1989 ausgesprochene Todes-Fatwa ausführe, erhalte von der Stiftung die millionenschwere Belohnung, hieß es. Ursprünglich lag das auf Rushdie ausgelobte Kopfgeld bei einer Million Dollar, es wurde aber mehrfach aufgestockt.

Rushdie: Würde die Verse immer wieder schreiben

Trotz seiner Fatwa-Zeit und jahrelangen Lebens im Untergrund würde der britisch-indische Schriftsteller Salman Rushdie (65) seinen Roman "Die satanischen Verse" genauso wieder schreiben. "Zum Glück muss ich es nicht mehr", sagte er in einem Interview mit dem "Spiegel". Aber: "Ich bestehe auf dem Recht der Meinungsäußerung - auch gegenüber Religionen." Auch die umstrittenen Traumpassagen über den Propheten, in dem Huren nach den Ehefrauen des Propheten Mohammed benannt sind, würde er so lassen. "Ich finde, sie gehören zu den besten Passagen des Buchs (...) Diese Passagen sind ernsthaft und legen an keiner Stelle nahe, dass die Frauen des Propheten sich unangemessen verhalten hätten."

  • Köln : Salman Rushdie kommt zur Herbst-Lit.Cologne

Trotz der Unruhen nach einem Mohammed-Film in diesen Tagen und Angriffen auf westliche Einrichtungen in islamisch geprägten Ländern hat Rushdie keine Angst, dass es bei ihm jetzt auch wieder losgehen könnte. "Wir müssen aufhören, so zu denken. Das ist ein Denken der Angst." Der iranische Revolutionsführer Ajatollah Khomeini hatte im Jahr 1989 ein "Todesurteil" wegen der "Satanischen Verse" ausgerufen.

An diesem Dienstag (18.9.) erscheinen die Lebenserinnerungen des verfolgten Schriftstellers Rushdie - zeitgleich in 27 Ländern. In Deutschland hat sich der Münchner Verlag C. Bertelsmann die Rechte gesichert. Die Startauflage beträgt 100.000 Exemplare.

"Joseph Anton" nennt der Bestsellerautor und Booker-Preisträger seine Lebenserinnerungen. Es ist eine Kombination aus den Vornamen seiner Lieblingsschriftsteller Conrad und Tschechow - und sein Tarnname während der Jahre im Untergrund.

Er habe zehn Jahre lang unter dem versteckten Leben gelitten, erzählte er dem "Spiegel". "In den ersten zwei bis zweieinhalb Jahren war ich sehr unausgeglichen. Und später gab es immer wieder Depressionsanfälle."

(APD/dpa)
Mehr von RP ONLINE