Privates Raumschiff: "SpaceShip Two" ist in der Luft zerbrochen

Privates Raumschiff: "SpaceShip Two" ist in der Luft zerbrochen

Das Raumflugzeug "SpaceShipTwo" ist offenbar in der Luft auseinandergebrochen. Der milliardenschwere Gründer der Betreiberfirma will sein Unterfangen trotzdem vorantreiben - und aus dem Unglück lernen.

Das Raumflugzeug "SpaceShipTwo" ist nach Angaben von Ermittlern vermutlich in der Luft auseinandergebrochen. Darauf wiesen die in der kalifornischen Mojave-Wüste weit verstreuten Trümmerteile des Prototyps hin, berichtete der Sprecher der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB, Christopher A. Hart, am späten Samstagabend (Ortszeit) nach ersten Ermittlungen der Behörde vor Ort.

"Wenn die Wrackteile so zerstreut sind wie diese hier, weist dies auf die Wahrscheinlichkeit eines Zerbrechens während des Fluges hin", sagte NTSB-Sprecher Christopher A. Hart am späten Samstagabend (Ortszeit). Der Fotograf Ken Brown hatte beobachtet, wie "SpaceShipTwo" nach dem Ausklinken vom Trägerflugzeug in großer Höhe in der Luft explodiert sei.

Firmeneigner kündigt Untersuchung an

Das von dem Unternehmen Virgin Galactic für den Weltraumtourismus konzipierte "SpaceShipTwo" war am Freitag während eines Testflugs kurz nach dem Start am Mojave Air & Space Port über der Wüste abgestürzt. Das Unglück hatte einen Piloten in den Tod gerissen und einen weiteren schwer verletzt. Der Unfall bedeutete einen herben Rückschlag für die kommerzielle Raumfahrt.

Nach dem Absturz kündigte Virgin Galactics Firmengründer Richard Branson eine Ermittlung der Unglücksursache an. "Wir sind entschlossen herauszufinden, was falsch gelaufen ist", sagte der milliardenschwere britische Unternehmer am Samstag auf dem Flughafen rund 200 Kilometer nördlich von Los Angeles, wo "SpaceShipTwo" kurz vor seiner Explosion in der Luft gestartet war. "Wir werden die Ergebnisse des Unfalls umfassend bewerten und sind entschlossen, daraus zu lernen und vorwärtszugehen."

Pilot ist nach Absturz wieder ansprechbar

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Die Behörden identifizierten den Toten als den 39 Jahre alten Co-Piloten Michael Alsbury aus dem unweit des Unfalls befindlichen Tehachapi. Er hatte 15 Jahre Flugerfahrung und für die Firma Scaled Composites gearbeitet, die das Raumflugzeug für Virgin Galactic entwickelt hatte. Scaled Composites teilte am Samstag mit, Alsbury sei "ein respektierter und eifriger Kollege" sowie ein hingebungsvoller Ehemann und Vater von zwei Kindern gewesen.

Bei dem Piloten, der es geschafft hatte, sich per Fallschirm zu retten, handelte es sich nach Angaben des Sheriffs von Kern County, Donny Youngblood, um den 43-jährigen Peter Siebold. Er wurde am Samstag operiert. Über seinen Zustand machte Youngblood keine Angaben. Sein Arbeitgeber - ebenfalls Scaled Composites - teilte am Samstag jedoch mit, dass sich Siebold "bei Bewusstsein befindet und mit seiner Familie und Ärzten spricht".

Projekt soll fortgesetzt werden

Sicherheit habe bei dem Programm immer oberste Priorität gehabt, sagte der 64-Jährige Branson. "Wir werden (das Unterfangen) nicht blind vorantreiben." Während er auf Details zum Unglück nicht eingehen wollte, riet der Firmengründer von Spekulationen ab. "Um ehrlich zu sein, finde ich es etwas unverantwortlich, dass ahnungslose Leute Dinge sagen, bevor sich die NTSB zum Unfall geäußert hat."

Der Zwischenfall war der zweite Rückschlag für die kommerzielle Raumfahrt binnen weniger Tage. Erst am Dienstag war eine unbemannte Versorgungsrakete der amerikanischen Betreiberfirma Orbital Sciences kurz nach dem Start zur Internationalen Raumstation ISS explodiert.

Virgin Galactic war der aussichtsreichste Kandidat dafür, Touristen in naher Zukunft ins All zu fliegen und ihnen so Schwerelosigkeit und einzigartige Blicke auf die Erde zu ermöglichen. Ein Platz bei einem der geplanten Flüge kostet 250 000 Dollar. Zu den Prominenten, die sich für eine Touristenreise ins All haben eintragen lassen, zählen Stephen Hawking, Justin Bieber, Ashton Kutcher und Russell Brand.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Privates Raumschiff explodiert über Kalifornien

(ap)
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