1. Panorama
  2. Ausland

So erlebten die Menschen in Mexiko-Stadt das Erdbeben

"Und dann sieht man dem Horror zu" : So erlebten die Menschen in Mexiko-Stadt das Erdbeben

Erdbeben in Mexiko: Suche nach Verschütteten geht weiter

Erneut erschüttert ein schweres Erdbeben Mexiko - exakt 32 Jahre nach dem "Jahrhundertbeben" von 1985, bei dem Tausende Menschen starben. Auch jetzt steigt die Zahl der Todesopfer stündlich. Bilder und Videos zeigen, wie die Menschen in der Millionen-Metropole das Beben erlebt haben. Eine Augenzeugin berichtet.

Es sind surreale Szenen, die nach dem neuen schweren Erdbeben in Mexiko um die Welt gehen: Wolkenkratzer schwingen hin und her, Gebäude stürzen ein, Menschen laufend schreiend auf die Straße. Etliche Augenzeugen filmten die Szenerie in den bangen Sekunden, in denen das Erdbeben der Stärke 7,1 Mexiko-Stadt und die angrenzenden Bundesstaaten erschütterte. In der Metropole und der umliegenden Region leben rund 20 Millionen Menschen. In Mexiko-Stadt stürzten zahlreiche Häuser ein, darunter eine Schule. Mindestens 21 Kinder starben durch den Einsturz.

Starkes Erdbeben in Mexiko 2017: Zahl der Todesopfer steigt auf 248

Wie bereits zuvor in Katastrophenfällen, spielen die sozialen Medien eine große Rolle für Familien, die nach ihren Angehörigen suchen. Google aktivierte eine Personensuchfunktion, die bis zum frühen Mittwochnachmittag rund 20.000 Einträge hatte. Facebook schaltete seine Safety-Check-Funktion für die Region frei. Damit können Angehörige und Freunde sich vergewissern, ob ihre Liebsten in Sicherheit sind.

Viele Deutsche, die derzeit in Mexiko sind, informierten ihre Freunde und Familien via Facebook, dass es ihnen gut geht. Auch die Halb-Mexikanerin Isabel aus Mosbach in Baden-Württemberg meldete sich dort zu Wort. Sie hält sich derzeit als Stipendiatin im Opernstudio in Mexiko-Stadt auf.

Sie sei mit Kollegen mitten im Stadtzentrum gewesen, im Probengebäude der Oper Bellas Artes, als die Erde zu beben begann, schildert sie unserer Redaktion. "Ich habe das Beben zuerst gespürt, an den Zehenspitzen, und sofort geschrien 'Es bebt!'", erzählt die 30-Jährige. "Dann heißt es rennen. Renne um dein Leben." Sie habe es runter auf die Straße geschafft, drei Stockwerke nach unten; den Rest der Gruppe habe es die Treppen heruntergeschleudert.

"Draußen heißt es den Punkt suchen, an dem man nicht erschlagen wird - also nicht unter einem Baum, keine Kabel, nicht in der Nähe eines hohen Gebäudes", sagt Isabel. "Sie merken: unmöglich in einer Metropole. Also stellen sich alle möglichst in die Mitte der Straße. Und dann sieht man dem Horror zu: Palmen, Bäume, Kabel, Häuser, alles biegt sich und schaukelt." Sie habe große Angst gehabt: "Der Kopf sagt: Heute sterbe ich." Die Menschen hätten sich umarmt und versucht, sich gegenseitig zu beruhigen.

Am Mittwoch wurden die Aufnahmen von dem Beben vor allem in den sozialen Netzwerken geteilt. Einen Zusammenschnitt mehrerer Videos mit besonders krassen Szenen stellte Francisco Olivas ins Netz. Zu Beginn ist zu sehen, wie sich Menschen in einem Bürogebäude gegen Wände lehnen, um Halt zu finden. Die Lampen wackeln. Eine Frau schreit immer wieder: "Oh my God, oh my God." Anschließend sieht man ein mehrstöckiges Gebäude von außen: Gegenstände fliegen durch die Fensterscheiben und stürzen auf die Straße. Menschen flüchten sich panisch ins Freie:

Auch dieses Video verdeutlicht die Stärke des Bebens:

Selbst Hochhäuser können nicht standhalten:

Der Nutzer Bacán Bacán‏ verbreitete ein Video, in dem zu sehen ist, wie ein mehrstöckiges Haus von jetzt auf gleich in sich zusammenstürzt. Dann sieht man nur noch Staub, eine Frau weint. Im Asphalt klafft ein dicker Riss:

Auch in dem folgenden Video stürzt ein großes Gebäude in sich zusammen:

Oft geteilt und von vielen Medien aufgegriffen wurden diese Bilder, auf dem zu sehen ist, wie Teile einer Gebäudefassade herabstürzen:

Schwer auszuhaltende Aufnahmen: Aus den Trümmern eines zusammengestürzten Gebäudes dringen die Schreie verschütteter Menschen:

Die Mexikanerin Andrea Legarreta‏ postete ein Video, auf dem eine riesige Explosion über den Dächern von Mexiko-Stadt zu sehen ist:

Verhältnismäßig glimpflich kamen die Menschen in den "Schwimmenden Gärten" davon, einer Touristenattraktion von Mexiko-Stadt. Sie erlebten das Beben auf dem Wasser. Manche von ihnen lachen sogar, als hätten sie noch gar nicht begriffen, was da passiert:

Wie Mexiko-Stadt nach dem Beben von oben aussieht, ist hier zu sehen. Überall qualmt es, viele Gebäude sind eingestürzt:

(oko)