Slowakei: Polizei nimmt nach Mord an Journalisten Kuciak italienische Geschäftsleute fest

Mord an slowakischen Journalisten Kuciak: Polizei nimmt mehrere italienische Geschäftsleute fest

Nach dem Mord des Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak in der Slowakei hat die Polizei mehrere italienische Geschäftsleute festgenommen. Die Namen der Männer stehen auch im letzten Artikel von Kuciak über mutmaßliche Verbindungen zwischen der Regierungspartei zur italienischen Mafia.

Dies teilte Polizeichef Tibor Gaspar am Donnerstag mit. "Beweisstücke wurden gesichert, und mehrere Menschen wurden festgenommen", sagte Gaspar. Der Polizeieinsatz habe in Michalowice im Osten des Landes stattgefunden. "Wir können von einer italienischen Spur sprechen", fügte Gaspar hinzu.

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Slowakischen Medienberichten zufolge handelt es sich bei den Festgenommenen um den italienischen Geschäftsmann Antonino Vadala und mehrere Mitglieder von dessen Familie. Kuciak hatte sie im Verdacht, Beziehungen zur italienischen Mafia-Organisation 'Ndrangheta zu unterhalten.

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Kuciak war am Sonntag zusammen mit seiner Verlobten in seinem Haus in Velka Maca, 65 Kilometer östlich von Bratislava, erschossen aufgefunden worden. Der Journalist schrieb für das zur deutsch-schweizerischen Mediengruppe Ringier Axel Springer Media gehörende Nachrichtenportal "aktuality.sk".

Protest gegen Korruption

Er hatte vor seiner Ermordung an einem investigativen Bericht zum Einfluss der italienischen Mafia auf die slowakische Regierung gearbeitet. Der 27-jährige Journalist warf engen Mitarbeitern von Regierungschef Robert Fico Verbindungen zu italienischen Geschäftsleuten vor, die mit der 'Ndrangheta in Kontakt stehen sollen.

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Dabei ging es auch darum, dass die Mafia an EU-Mittel gelangt sein soll, die eigentlich für die Förderung der Landwirtschaft in der Slowakei vorgesehen waren. Zwei Mitarbeiter Ficos legten am Mittwoch ihre Ämter vorübergehend nieder, ein Minister trat zurück.

Etwa tausend Menschen demonstrierten am Mittwochabend vor dem Sitz der Regierung in Bratislava. Sie erinnerten an Kuciak und protestierten gegen Korruption in dem kleinen osteuropäischen Land. Zu der Kundgebung hatte die konservative Opposition aufgerufen. In den kommenden Tagen sind weitere Demonstrationen in slowakischen Städten sowie in Prag, London und Den Haag geplant.

Die Europäische Kommission fordert derweil in einem Brief an die slowakischen Behörden "konkrete" Informationen zu der mutmaßlichen Veruntreuung von EU-Geldern. Die Vorwürfe würden "ernst genommen", sagte Kommissionssprecher Alexander Winterstein in Brüssel.

Zuvor hatte schon EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) Aufklärung auf europäischer Ebene versprochen. "Wir werden in ein paar Wochen Klarheit über die Finanzströme und einen möglichen Missbrauch haben", sagte Oettinger der Zeitung "Die Welt".

(gaa)