Sicherheitsmängel: Belgischen AKW Doel und Tihange fehlen Schutzfilter

Massive Sicherheitsmängel : Belgischen Atomkraftwerken fehlen Schutzfilter

Bei den umstrittenen belgischen Atomkraftwerken Doel und Tihange gibt es nach Auskunft der Bundesregierung weitere Sicherheitsmängel, die bislang noch nicht bekannt waren.

Systeme zur gefilterten Druckentlastung wurden nach der Atom-Katastrophe in Tschernobyl 1986 in allen deutschen AKW nachgerüstet. Auch in anderen Ländern wurden sie spätestens nach der Katastrophe in Fukushima 2011 eingebaut. Im Falle einer Kernschmelze dienen diese Systeme dazu, kontrolliert und zu ausgewählten Zeitpunkten — etwa bei günstigen Windverhältnissen — Druck aus den Sicherheitsbehältern abzulassen, um zu verhindern, dass ungefilterte radioaktive Luft unkontrolliert austritt. Durch die Schutzfilter entweicht im Ernstfall nur geringfügig kontaminierte Luft.

Im Falle eines Atomunfalls in Tihange würde dagegen stark radioaktive Luft ungefiltert und unkontrolliert austreten. In die Schlagzeilen gerieten die über 40 Jahre alten AKW Doel und Tihange, weil an den Außenwänden der Reaktordruckbehälter Tausende kleine Risse gefunden wurden.

Laut einem Aktionsplan von Ende 2012 sollten alle belgischen Reaktoren mit Filtern ausgestattet werden. Dies ist jedoch bisher nicht geschehen. "Wir sind mit den belgischen Aufsichtsbehörden über die Umsetzung der Sicherheitsverbesserungen, die nach Fukushima definiert wurden, im Gespräch. Insbesondere angesichts der steigenden Tendenz zu Laufzeitverlängerungen erwarten wir, dass diese Maßnahmen nun zügig vollständig umgesetzt werden", schreibt das Ministerium. "Ein Grund mehr, dass die belgischen Pannenmeiler stillgelegt werden müssen. Dass sie immer noch keine gefilterte Druckentlastung haben, ist fahrlässig", sagte Grünen-Politikerin Sylvia Kotting-Uhl.

(mar)
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