Sexual-Expertin rät Eltern, Babys vor dem Wickeln um Erlaubnis zu fragen

Umgang mit Kindern: Expertin rät Eltern, Babys vor dem Wickeln um Erlaubnis zu fragen

Windeln wechseln verboten, außer das Baby erlaubt es. Wenn es nach einer Expertin geht, dann ist das bald der Alltag in Kinderzimmern. Im Netz muss sie dafür viel Kritik einstecken. Doch welchen Hintergrund hat ihr Vorschlag?

„Ich werde nun deine Windeln wechseln. Ist das in Ordnung für dich?“ Diese Frage sollen Eltern, wenn es nach Sexual-Expertin Deanne Carson geht, ihren Babys vor dem Wickeln stellen. In einem Interview mit dem Sender ABC sprach die Australierin darüber, dass dieses Vorgehen zu einer Kultur des Konsens beitragen würde.

Natürlich ist der Expertin klar, dass Eltern von ihren Babys keine direkte Antwort bekommen, aber sie könnten die Körpersprache beobachten. „Wenn man Augenkontakt herstellt und auf die Körpersprache achtet, dann merkt das Kind, dass seine Antwort einen Wert hat“, sagte Carson.

Das Netz reagiert mit viel Kritik

Carson musste nach ihrem Interview viel Kritik aushalten. In den sozialen Netzwerken reagierten viele Nutzer auf ihren Vorschlag. „Ich bin in meinem Leben noch nie so verwirrt gewesen. Es ist zu 100 Prozent wichtig, Kindern das Prinzip der Zustimmung beizubringen, aber komm schon. Du willst mich doch auf den Arm nehmen“, schrieb eine Nutzerin bei Twitter. „Ein Kind ist darauf angewiesen, dass die Eltern sich um es kümmern und dazu gehört auch persönliche Hygiene. Besonders für Babys und Kleinkinder. Setz dich hin, Idiot.“

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Nicht nur das Netz reagierte kritisch. Die australische Tageszeitung „Herald Sun“ befragte die Verhaltensexpertin Nathalie Brown zu dem Thema. „Babys verstehen nicht, was Konsens ist“, sagte Brown der Zeitung. Sie könnten ihren Eltern nicht zeigen, ob sie mit dem Windeln wechseln einverstanden sind. Babys in einer solchen Situation beibringen zu wollen, was Konsens bedeutet, sei nicht richtig.

Carson bleibt bei ihrer Überzeugung

Carson reagierte auf die Kritik im Netz und erklärte, warum sie von Eltern das Fragen um Erlaubnis fordert. „Eines von zwölf Mädchen wird im Schnitt noch vor seinem sechsten Geburtstag sexuell missbraucht. Wir arbeiten mit Kindern, Lehrern und Eltern, um Missbrauch vorzubeugen.“ Ihr sei wichtig, dass Kinder lernen, dass sie Rechte haben.

Katie Russell, eine Sprecherin von „Rape Crisis“, einer britischen Organisation, die sich für Opfer sexueller Gewalt einsetzt, stellte sich auf die Seite von Carson. „Wenn wir wissen, dass sexueller Missbrauch von Kindern so weit verbreitet ist, ist es schwer zu verstehen, warum einfache, respektvolle Praktiken wie diese, die darauf abzielen, zukünftigen Schaden für Kinder zu reduzieren und zu verhindern, so lächerlich gemacht werden“, sagte sie dem australischen Magazin „Newsweek“.

(eler)
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