Diskussion um Giftspritze Serienmörder Franklin nun doch hingerichtet

Bonne Terre · Verwirrung um eine Giftspritze: Erst verhindert ein Gericht die Vollstreckung des Todesurteils wenige Stunden vor dem geplanten Termin. Dann erlaubt ein anderes doch den erstmaligen Einsatz von Pentobarbital als einzigem Mittel. Nur kurze Zeit später wurde das Todeurteil dann vollstreckt.

Serienmörder Joseph Paul Franklin nun doch hingerichtet
Foto: ap, Al Behrman

Der Serienmörder Joseph Paul Franklin ist im US-Staat Missouri am Mittwoch kurz nach einem juristischen Schlagabtausch über eine neue Art der Giftspritze hingerichtet worden.

Kurz zuvor hatte eine Richterin des US-Bezirksgerichts in St. Louis die Stunden später geplante Hinrichtung verhindert — das 8. Berufungsgericht bestätigte jedoch nur wenige Stunden später, dass der Serienmörder trotz des Streites um den Inhalt der Giftspritze wie geplant hingerichtet werden könne.

Mögliche Geisteskrankheit machte Hinrichtung fraglich

Der 63-Jährige und 20 weitere Todeskandidaten hatten gegen das neue Hinrichtungsverfahren in Missouri geklagt, bei dem erstmals nur noch ein Medikament, Pentobarbital, eingesetzt werden soll. Franklins Anwältin Jennifer Herndon sagte noch vor dem Urteil, die Hinrichtungsanordnung erlaube die Vollstreckung des Todesurteils zu jedem Zeitpunkt am Mittwoch. Angesetzt war sie ursprünglich für 00.01 Uhr (06.01 MEZ).

Aber auch im Fall der Aufhebung des Urteils war nicht klar, ob Franklin hingerichtet werden darf. Ein zweiter Bundesrichter gab einem Einspruch gegen die Hinrichtung wegen einer möglichen Geisteskrankheit Franklins statt. Diese Diagnose müsse gründlich überprüft werden, hieß es.

"Er war glücklich"

Herndon sagte, nach ihrem Eindruck habe Franklin nicht richtig verstanden, warum seine Hinrichtung aufgeschoben wurde. "Er war glücklich", sagte sie. "Ich bin nicht richtig davon überzeugt, dass er versteht, dass er sterben soll."

Franklin hatte zwischen 1977 und 1980 20 Menschen getötet - Schwarze und Juden waren Ziele des Mannes. Zum Tode verurteilt wurde er wegen des Heckenschützenangriffs auf den 42-jährigen Gerald Gordon vor einer Synagoge 1977. Er wurde noch wegen sieben weiterer Morde schuldig gesprochen, aber nur wegen Gordons Tötung zum Tode verurteilt. Er hatte auch gestanden, Bürgerrechtler Vernon Jordan mit Schüssen verwundet zu haben, ebenso wie den Herausgeber des Männermagazins "Hustler", Larry Flynt. Flynt ist seitdem von der Hüfte abwärts gelähmt. In einem Interview mit der Zeitung "St. Louis Post-Dispatch" sagte Franklin, er hasse nicht länger Schwarze und Juden.

Wie andere US-Staaten, die die Todesstrafe haben, hat Missouri bisher einen Giftcocktail aus drei Medikamenten für Hinrichtungen benutzt. 2012 kündigte Missouri an, auf eine Giftspritze mit nur einem Medikament, dem Anästhetikum Propofol, umsteigen zu wollen.
Gouverneur Jay Nixon forderte die Gefängnisbehörde auf, eine andere Lösung zu finden, nachdem aus der medizinischen Welt ein Aufschrei gegen die Verwendung von Propfol kam. Das Medikament wird zum größten Teil aus Europa importiert, und die EU hat gedroht, die Ausfuhren zu begrenzen. Die Behörde schlug daraufhin Pentobarbital vor.

(ap)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort