Sergej Skripal: Russland wehrt sich gegen Spekulationen wegen Nervengift

Angriff auf Ex-Spion Sergej Skripal: Nervengiftattacke - Russland wehrt sich gegen Spekulationen

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat Spekulationen, Moskau habe eine Rolle in der Nervengiftattacke auf einen früheren russisch-britischen Doppelagenten und dessen Tochter gespielt, als "Propaganda" zurückgewiesen. Es habe bislang keine Beweise oder Fakten gegeben, sagte Lawrow am Freitag in Äthiopien.

Die Spekulationen zielten darauf ab, "Spannungen zu erhöhen". Wenn es ein ernsthaftes Interesse an einer Zusammenarbeit bei den Ermittlungen gebe, sei Russland bereit dazu. Allerdings solle man nicht mit "unbegründeten Anschuldigungen" zu den Medien rennen, sagte der Außenminister.

Sergej Skripal und seine Tochter Yulia wurden am Wochenende mit Vergiftungserscheinungen im englischen Salisbury aufgefunden. Sie kämpfen seitdem in einem Krankenhaus um ihr Leben. 19 weitere Menschen wurden nach dem Attentat medizinisch behandelt.

Ex-Doppelagent aus Russland offenbar in Großbritannien vergiftet

Ein Polizeibeamter, der Skripal und seiner Tochter zu Hilfe geeilt war und zeitweise ebenfalls im Koma lag, ist den Behörden zufolge inzwischen ansprechbar. Er befinde sich aber immer noch in einem ernsten, wenn auch stabilen Zustand. Der Gesundheitszustand Skripals und seiner Tochter sei weiterhin "sehr ernst" sagte die britische Innenministerin Amber Rudd während eines Besuchs in Salisbury am Freitag

Skripal, der frühere Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU, war in Russland als britischer Spion verurteilt und bei einem Austausch 2010 freigelassen worden.

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Spezialeinheiten des Militärs angefordert

Medienberichten zufolge nahmen Ermittler am Freitag das Haus Skripals im südenglischen Salisbury in den Fokus. Medien spekulierten, das könne ein Hinweis darauf sein, dass Skripal bereits in seinem Haus in Kontakt mit dem Nervengift gekommen sein könnte. Noch ist unklar wie und wann dem Ex-Spion und seiner Tochter das Gift verabreicht wurde.

Bislang hatten sich die Ermittlungen auf mehrere Lokale und einen Park im Stadtzentrum konzentriert. Wie Scotland Yard am Freitag mitteilte, wurden Spezialeinheiten des Militärs angefordert, um mehrere Fahrzeuge und andere Gegenstände von dort zu entfernen. Das Militär habe die Expertise und Ausrüstung, um mit Unvorhersehbarkeiten umzugehen, hieß es in der Mitteilung.

Der Fall erinnert an den Giftmord am Kremlkritiker Alexander Litwinenko im Jahr 2006 und hat inzwischen einen diplomatischen Schlagabtausch zwischen Moskau und London ausgelöst. Die britische Premierministerin Theresa May hatte den Besuch britischer Politiker und Würdenträger bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland im Sommer infrage gestellt, sollte sich herausstellen, dass Moskau hinter dem mutmaßlichen Attentat steckt.

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(das/dpa)