Tränen, Ehrengruß und eine Aussage: Sechs Schlüsselmomente im Breivik-Prozess

Tränen, Ehrengruß und eine Aussage : Sechs Schlüsselmomente im Breivik-Prozess

Am 22. Juli 2011 tötete Anders Behring Breivik in Oslo und auf der Insel Utoya 77 Menschen. Norwegen erlitt ein Trauma. Am 26. April begann der Prozess. Sechs Momente brannten sich ins Gedächtnis.

Da Breivik die Taten zu keinem Zeitpunkt leugnete, drehte sich das Verfahren hauptsächlich um die Frage, ob der selbsternannte Kämpfer gegen den Islam als geistesgestört einzuschätzen sei - denn dann könnte er nicht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden, sondern käme wohl lebenslänglich in psychiatrische Behandlung. Das Urteil wird für den 24. August erwartet. Vor dem Jahrestag der Anschläge in Norwegen sendet die Nachrichtenagentur dapd eine Chronologie wichtiger Momente in dem Gerichtsverfahren:

Die Tränen des Massenmörders

Am ersten Prozesstag weinte Breivik. Tränen rollten über seine Wangen, als der Staatsanwalt ein YouTube-Video vorführte, das Breivik vor seiner Tat ins Internet gestellt hatte. Muslime würden Europa kolonialisieren und christliche Europäer müssten dagegen bewaffnet vorgehen, sagte Breivik in dem Clip. Sein Anwalt erklärte die Tränen damit, dass Breivik davon bewegt gewesen sei, sich an seine Mission zu erinnern, "Europa vor einem andauernden Krieg zu retten". Es blieb das einzige Mal, dass der 33-Jährige Emotionen zeigte.

Der Ehrengruß

An den ersten beiden Tagen des Verfahrens grüßte Breivik das Gericht mit seiner eigenen Version des Hitlergrußes, bei dem er den rechten Arm ausstreckte und die Hand zur Faust ballte. Als die Anwälte ihm erklärten, dass die Familien der Opfer dies als beleidigend empfänden, stoppte Breivik das Verhalten. Seinen Ehrengruß zeigte er nur noch einmal - als die Staatsanwälte ihn zum Geistesgestörten erklären wollten.

Seine Aussage

Überlebende der Bombenanschläge in Oslo und des Massakers auf der Insel Utöya gaben erschütternde Berichte über Breiviks Amoklauf ab.

Doch die grauenhafteste Zeugenaussage kam vom Täter selbst. Die Mordserie von Utöya schilderte er Opfer für Opfer, Kugel für Kugel, ohne irgendein Detail auszusparen - der Gerichtssaal war geschockt.

Seine Stimme kippte nicht, sein Gesicht blieb ausdruckslos. Er habe sich durch Meditation vorbereitet, um die Fassung zu bewahren, sagte Breivik. Einige Psychiater sahen den emotionslosen Auftritt als Beweis für schwere psychische Krankheit.

Der Schuhwerfer

Am 11. Mai schleuderte ein irakischer Mann, dessen Bruder auf Utöya starb, seinen Schuh auf Breivik. Der Prozess wurde kurz unterbrochen, der Mann weinend aus dem Saal geführt. Es blieb der einzige Ausbruch von Wut während des Verfahrens. Die Verwandten der Opfer blieben bemerkenswert ruhig, sie wollten das Gericht respektieren. Einige sagten, man dürfe Breivik keine Chance geben, später von einem unfairen Prozess zu sprechen.

Die Psychiaterfehde

Die beiden vom Gericht berufenen Psychiater-Teams präsentierten sich widersprechende Ansichten über den Geisteszustand Breiviks.
Weitere Experten wurden geladen. Die Staatsanwälte sagten schließlich, es gebe Zweifel, ob Breivik nach norwegischen Regeln psychotisch sei. Breivik selbst sagte, das schlimmste, was ihm passieren könne, sei, in die Psychiatrie gesteckt zu werden. Die Vorwürfe hätten nur das Ziel, seine politischen Positionen zu entkräften, sagte Breivik. Seine Anwälte wiesen den Vorwurf zurück, Breivik sei geistesgestört.

Die Zukunft

Das Gericht beendete die Verhandlungen am 22. Juni. Falls die Richter der Staatsanwaltschaft folgen und Breivik als geistesgestört sehen, kommt er in Behandlung. Falls er als strafmündig eingestuft wird, droht Breivik wohl die norwegische Höchststrafe von 21 Jahren Gefängnis. Danach könnte man ihn als "Gefahr für die Gesellschaft" einschätzen und so noch länger hinter Gittern halten. Breivik hat gesagt, gegen eine Gefängnisstrafe werde er keine Berufung einlegen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Vierter Prozesstag: Breivik verzichtet auf rechtsextremen Gruß

(APD)
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