Schwere Straßenkämpfe bei versuchter Festnahme von „El Chapo“-Sohn

Schwere Auseinandersetzung : Acht Tote bei versuchter Festnahme von „El Chapos“ Sohn in Mexiko

Im Kampf gegen die mächtigen Drogenbanden des Landes haben mexikanische Sicherheitskräfte Medienberichten zufolge eine demütigende Niederlage erlitten. Sie mussten den soeben festgenommen Sohn von „El Chapo“ wieder laufen lassen.

Im Kampf gegen die mächtigen Drogenbanden des Landes haben mexikanische Sicherheitskräfte Medienberichten zufolge eine demütigende Niederlage erlitten. Nachdem die Nationalgarde einen Sohn des in den USA inhaftierten Drogenbosses Joaquín "El Chapo" Guzmán festgenommen habe, habe sie ihn angesichts der Übermacht bewaffneter Angreifer wieder laufen lassen müssen. Acht Menschen wurden bei den Auseinandersetzungen getötet. Die Straßenkämpfe in Culiacán, der Hauptstadt des Bundesstaates Sinaloa, versetzten die Bevölkerung am Donnerstag (Ortszeit) in Panik.

Unter den Toten seien ein Zivilist, ein Mitglied der Nationalgardisten, ein Gefängnisinsasse sowie fünf Angreifer, erklärten Sicherheitsbeamte bei einer Pressekonferenz. Die Einsatzkräfte hätten sich zurückgezogen, als schwer bewaffnete Kartell-Gangster in Culiacán das Feuer eröffnet hätten.

Der mexikanische Sicherheitsminister Alfonso Durazo teilte mit, "El Chapos" Sohn Ovidio Guzmán López sei mit drei weiteren Verdächtigen festgenommen worden, nachdem eine Patrouille der Nationalgarde aus einem Wohnhaus in Culiacán angegriffen worden war. In der Folge hätten zahlreiche bewaffnete Männer das Haus umstellt. Laut Durazo waren sie den Soldaten zahlenmäßig überlegen.

Anwohner hätten inmitten des Schusswechsels flüchten müssen, führte der Sicherheitsminister aus. "Um das höhere Gut, die Sicherheit und das Wohlergehen der Bevölkerung von Culiacán zu schützen", habe die mexikanische Regierung "entschieden, die besagten Aktionen auszusetzen", sagte Durazo in einer Videobotschaft.

Mexikanischen Medien zufolge bedeutete dies auch die Freilassung von Ovidio Guzmán. Weder Durazo noch das Büro von Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador reagierten auf die Bitte um nähere Angaben zu dem Vorfall.

Auf Fernsehbildern waren Soldaten und Polizisten unter Beschuss von schwer bewaffneten Männern zu sehen. Einige Autofahrer auf den umliegenden Straßen verließen in Panik ihre Fahrzeuge, um sich vor den Schüssen in Sicherheit zu bringen.

Laut Durazo starteten die Angreifer auch an mehreren anderen Orten der Stadt Attacken, die Kämpfe dauerten etwa sechs Stunden. Nach Angaben von Journalisten der Nachrichtenagentur AFP blockierten die bewaffneten Angreifer Straßen und Autobahnen rund um die 750.000-Einwohner-Stadt Culiacán und brachten das öffentliche Leben damit zum Erliegen. Aus Kreisen der Regierung des Bundesstaates Sinaloa hieß es, mehrere Polizisten hätten Verletzungen erlitten.

In Culiacán herrschte stundenlang Chaos. Ein AFP-Journalist filmte bürgerkriegsähnliche Szenen mit schwerbewaffneten vermummten Bandenmitgliedern und in Brand gesetzten Fahrzeugen. Eine unbekannte Zahl von Häftlingen im Gefängnis Aguaruto de Culiacán nutzte nach Angaben aus Regierungskreisen das Chaos, um auszubrechen.

Die Regierung von Sinaloa erklärte, sie bemühe sich darum, die Ruhe in Culiacán wiederherzustellen. Zugleich rief sie die Bevölkerung auf, "ruhig zu bleiben, die Straßen zu meiden und sehr aufmerksam auf Warnhinweise der Behörden zu der sich entwickelnden Lage zu achten".

Ovidio und sein Bruder Alfredo Guzmán sollen die Führung über einen Teil des jahrelang von "El Chapo" geführten Sinaloa-Kartells übernommen haben, nachdem ihr Vater 2017 an die USA ausgeliefert worden war. "El Chapo" wurde im Juli in New York zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der langjährige Anführer des berüchtigten Sinaloa-Kartells galt einst als der mächtigste Drogenbaron der Welt. Trotz seiner Inhaftierung schmuggelt sein Kartell weiterhin die meisten Drogen in die USA.

Mexikos linksgerichteter Staatschef López Obrador hat seit seinem Amtsantritt Ende vergangenen Jahres immer wieder zugesagt, die Kriminalität im Land wirksam zu bekämpfen. Bislang kann er aber keine großen Erfolge vorweisen. Seit dem Beginn des Armeeeinsatzes gegen die Drogenbanden 2006 starben bereits mehr als 250.000 Menschen im mexikanischen Drogenkrieg.

yb/ck

(AFP)
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